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Fridays for Future: „An der Motivation hat sich nichts geändert“

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Von: Thomas Stillbauer

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Henri Ruff ist Abiturient aus Frankfurt und Sprecher von Fridays for Future. privat
Henri Ruff ist Abiturient aus Frankfurt und Sprecher von Fridays for Future. privat © Privat

Fridays-for-Future-Sprecher Henri Ruff über den Kampfeswillen der Klimabewegung und die Chancen, dass sie ältere Generation mitzieht.

Herr Ruff, wie stark ist die Bewegung zurzeit?

Corona hat die Klimabewegung natürlich stark beeinträchtigt. Aber wir haben festgestellt, dass das an der Motivation, für den Klimaschutz zu kämpfen, nichts verändert hat. Es ist nur so, dass jetzt eben auch andere Konflikte die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen.

Schmälert das die Kraft der Klimabewegung?

Nein. Die Politik hat die Folgen des Klimawandels schon immer unterschätzt. Jetzt nehmen die anderen Krisen – Corona und der Angriffskrieg gegen die Ukraine – noch einmal einen Teil des Handlungswillens der Politik weg. Maßnahmen, die man schon in Richtung Klimaschutz beschlossen hatte, werden wieder zurückgenommen. Der Krieg dient dafür als Anlass und als Ausrede.

Was hält Ihre Motivation aufrecht?

Dass wir immer weiter auf die Drei-Grad-Schwelle bei der Erderwärmung zugehen. Im globalen Süden sind die Auswirkungen längst zu sehen. Es wird immer dringender, dass wir umsteuern. Die Menschen erkennen das und wollen auch etwas tun.

Wie wichtig ist die Straße, sind die Demonstrationen für ihre Ziele?

Es ist sehr wichtig, draußen zu sein und sich zu zeigen. Die Bewegung hat auf der Straße begonnen und bewirkt, dass viele Schülerinnen und Schüler rausgegangen sind und gesagt haben: Jetzt ist Schluss, wir müssen was tun, die Zeit drängt, und ihr macht nichts! Für die Aufmerksamkeit sind die großen Streiks im öffentlichen Raum wichtig, weil dieses Signal bei der Politik ankommt.

Klimakrise und Krieg hängen auch miteinander zusammen, Stichwort: Gasverkauf zur Kriegsfinanzierung?

Definitiv. Wir haben immer schon kritisiert, dass sich der Staat bei der Energieversorgung abhängig von fossilen Trägern macht. Jetzt sehen wir, dass wir uns beim Gas von Russland abhängig gemacht haben, suchen nach einer neuen Lösung und haben sie anscheinend in Katar gefunden...

...wo Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck wegen Gaslieferungen verhandelt hat...

...statt, wie es sinnvoll wäre und wie wir schon immer fordern, auf erneuerbare Energiequellen umzustellen. Weltweit werden Kriege um die fossilen Ressourcen geführt – mit der erwartbaren Auswirkung, dass noch viel mehr Menschen wegen der Klimafolgen flüchten müssen.

Ist irgendetwas besser geworden seit Beginn der Schulstreiks?

Auf jeden Fall ist die Aufmerksamkeit für den Klimaschutz gewachsen. Es gibt inzwischen unzählige Gruppen, die sich für das Thema engagieren. Die Politik hat gemerkt: Da kommen wir nicht mehr drum herum. Allerdings hatte die Ampelkoalition schon zu ihrem Start sehr niedrige Ziele – und hat diese Ziele durch das Zurückfahren wegen des Kriegs noch weiter verraten. Aber man merkt, die Politik hat verstanden, dass sie eine breite Wählerschaft mit dem Thema Klimaschutz erreicht. Die Message ist angekommen, die Umsetzung läuft leider noch längst nicht so, wie es erforderlich wäre.

Haben Sie Hoffnung, dass die über 50-Jährigen noch schlau genug werden, das Ruder herumzureißen?

Dafür kämpfen wir. In jeder Altersgruppe engagieren sich Menschen. Auch wenn wir als Fridays for Future erst mal die Schüler:innen mobilisieren, hoffen wir durchaus, dass sich die ganze Gesellschaft gegen die Klimakrise stellen wird. Die ältere Generation muss natürlich mitmachen.

Interview: Thomas Stillbauer

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