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6000 Schülerinnen und Schüler auf der Straße – manch ältere Beobachterin fühlte sich bei der „Fridays for Future“-Demo schon an die 68er-Proteste erinnert.

Fridays for Future

Frankfurt: 6000 Schülerinnen und Schüler demonstrieren für bessere Klimapolitik

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Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) will Greta Thunberg, die schwedische Initiatorin der Schulstreiks, einladen.

Kaum ein Durchkommen gibt es am Freitagmittag auf dem Opernplatz. Die Demonstranten der „Fridays for Future“, mit denen Schüler und Schülerinnen seit Dezember vorigen Jahres auch in Frankfurt gegen die aktuelle Klimapolitik protestieren, haben den Platz kurzfristig eingenommen.

Hunderte handgemalte Plakate sind zu sehen, mit Aufschriften wie „Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi“ oder „Sammele Spenden für ein Haus auf dem Mars“. Vom Brunnen bis zu den Treppenstufen der Alten Oper stehen die Demonstranten. Unter dem Motto „Global Strike For Future“ gehen an diesem Tag in vielen deutschen Städten und auch weltweit Menschen für eine klimafreundlichere Politik auf die Straße. Auf 6000 beziffert ein Polizeisprecher die Zahl der Demonstranten in Frankfurt. Auch in anderen hessischen Städten machen viele auf ihr Anliegen aufmerksam. In Wiesbaden demonstrieren 700, in Darmstadt sind es 1800.

Der Politik stellten die Demonstranten ein schlechtes Zeugnis aus.

„Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, schallt es in Frankfurt aus Tausenden Kehlen, während die Demonstranten sich abwechselnd strecken und ducken. Mehr als 5000 Menschen sind an der Bockenheimer Warte losgelaufen, dazu kommen am Opernplatz etwa 800, die am Hauptbahnhof gestartet sind. Gemeinsam geht es im Anschluss zum Römer, wo eine Abschlusskundgebung und eine Podiumsdiskussion mit Politikern geplant ist. Bis zum Schluss bleibt die Demo friedlich, berichtet die Polizei.

Schon vor Beginn der Demo prüfen die Teilnehmer an der Bockenheimer Warte ihre Stimmkraft. Luca Peters, einer der Mitveranstalter der Schulstreiks, ist auf das Dach einer Taxiruf-Säule geklettert. Von dort erklingt seine Stimme, verzerrt durch ein Mikrofon: „Auf die Barrikaden, wehrt euch, leistet Widerstand.“ Teile der Menge um ihn herum stimmen in den Gesang mit ein. „Ich freue mich über diese Bewegung, weil Politiker nur reden und nichts machen“, sagt Heinke Vogel. Einen solchen Protest wie derzeit habe es zuletzt bei den 68ern gegeben. Sie finde es wichtig, dass die Demos während der Schulzeit stattfänden: „Wenn sie am Nachmittag wären, würde kein Hahn danach krähen“, sagt Vogel. Die 72-Jährige steht mit ihren beiden Freundinnen am Rand der Demo.

Fridays for Future in Frankfurt: Zuspruch kommt per Twitter

„Wir wurden heute explizit eingeladen“, darum seien sie da, berichtet Margit Martin-Marx. Die 59-Jährige hat sich ein Schild mit der Aufschrift „Wir brauchen mehr Mutausbrüche“ umgehängt. Damit wolle sie ausdrücken, dass sie die „Nase voll von Angepasstheit“ habe und sich mehr Mut wünsche, für wichtige Anliegen zu kämpfen.

Hanna Berndt und Kilian Deyerling sind zum ersten Mal bei einer Demo und überrascht von den vielen Teilnehmern. „Die Präsenz ist da“, sagt Deyerling. Fehlstunden im Zeugnis würden sie für ihre Zeit bei der Demo kassieren, berichtet Berndt. „Das ist es wert“, sagt die 15-Jährige. Ähnlich sehen es Fanny und Marlene, die ebenfalls zum ersten Mal demonstrieren. Warum? „Weil wir es total doof finden, dass die Politiker nix für ein besseres Klima tun“, sagt die 13-jährige Marlene. Ihre ein Jahr jüngere Freundin fügt hinzu: „Politiker denken, sie schaffen das alleine, aber wir müssen auch dafür kämpfen.“ Die Mädchen wollen auch künftig ihrem Unmut Luft machen. Ihre Eltern stünden hinter ihnen und nur, „wenn eine Arbeit ansteht“, kämen sie nicht zu den nächsten Demos, sagt Marlene.

Am Nachmittag bekommen die auf dem Römerberg Versammelten per Twitter auch Zuspruch aus dem Rathaus. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lädt die schwedische Initiatorin der Schulstreiks, Greta Thunberg, nach Frankfurt ein. „Ich teile die Ziele der protestierenden Schüler von ganzem Herzen“, schreibt er über den Kurznachrichtendienst.

Die Grünen haben die Aktivisten der „Fridays for Future“ am Freitag gelobt. Man solle ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz ernst nehmen und danach handeln, teilte die grüne Fraktion im hessischen Landtag mit. Die Schüler verstünden die drohende Klimakatastrophe besser „als so manche Politiker“, sagte die grüne Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer. Auch die Grüne Jugend Hessen erklärte sich mit den Protesten solidarisch.

Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linkspartei im hessischen Landtag, forderte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und die Schulleitungen auf, die Schüler nicht dafür zu sanktionieren, dass sie sich an den Demonstrationen beteiligten, anstatt zur Schule zu gehen. Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann (CDU) teilte dagegen mit, die Schulstreiks müssten „jetzt ein Ende finden“. Das Signal der Schüler sei angekommen, Experten und Politik müssten jetzt „ihre Hausaufgaben machen“, sagte Wiesmann. „Weitere Schulstreiks dienen dem Klima nicht.“

Die Junge Union Hessen warf den Organisatoren der „Fridays for Future“ in Frankfurt derweil mangelnde Diskussionsbereitschaft vor: Entgegen der ursprünglichen Einladung sei die JU nicht bei einer Podiumsdiskussion auf dem Römer willkommen gewesen. Das sei sehr bedauerlich.

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