Justiz

Freispruch für Hassan Annouri

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Das Gericht hält die Schuld des angeklagten Rappers für nicht nachweisbar.

Das Urteil war dann keine Überraschung mehr. Selbst die Staatsanwaltschaft hatte für den Rapper Hassan Annouri einen Freispruch gefordert, weil sie nicht beweisen konnte, dass der 44-Jährige wegen versuchten Totschlags zu belangen war. Der Vorsitzende Richter der 21. Strafkammer, Volker Kaiser-Klan, tut sich mit dem Freispruch am Freitag trotzdem nicht leicht: „Es ist kein Urteil des Herzens.“ Annouri sei „formaljuristisch freigesprochen“ und könne sich „sozusagen als unschuldig bezeichnen“.

Von Anfang an habe er bei diesem Fall „ein komisches Bauchgefühl“ gehabt, gesteht der Vorsitzende Richter. Die Kammer hatte seit Mitte März zu ergründen versucht, ob der Musiker und Gastronom Annouri im August 2015 einen Gast so schwer krankenhausreif prügelte, dass dieser bis heute an den Folgen leidet. Der Steuerberater Gabriel Ö. war seinerzeit Gast in Annouris Bar „Legends“ in der Stephanstraße. Nach einem Streit schmiss Annouri Ö. und dessen beide Begleiter aus der Bar. Zuvor soll es eine „nachhaltige Beleidigung“ von Ö. gegen Annouri gegeben haben, ist sich die Kammer sicher. Drei Männer stiegen Ö. und dessen Begleitern nach und prügelten und traten auf sie ein. Ö. selbst lag anschließend mehrere Wochen im Krankenhaus und war anderthalb Jahre krankgeschrieben.

Das Opfer selbst will Annouri zweifelsfrei erkannt haben. Warum es aber dann ein geschlagenes Jahr dauerte, bis ein Überfallkommando Annouris Haus stürmte und ihn festnahm, ist eines der großen Rätsel dieses Falls.

So sitzt bei der Urteilsverkündung fast vier Jahre nach der Prügelei auch irgendwie die Polizei mit auf der Anklagebank. „Die polizeiliche Ermittlungsarbeit war eine 4 minus, wenn überhaupt“, rügt Kaiser-Klan. Es habe keine Videoauswertung, keinen „zeitnahen Polizeibericht“ oder Vorladung der Zeugen gegeben. Die Ermittlungsarbeit in dem Fall sei „eigentlich unglaublich“.

Hinzu kommen die Aussagen der drei Belastungszeugen. Das Gericht hat die Vermutung, dass deren Aussagen abgesprochen waren. Eine schriftliche Zeugenaussage von Ö., der auch als Nebenkläger auftrat, war im Krankenhaus entstanden. An vier oder fünf Stellen seien die Aussagen der anderen beiden Zeugen aber sprachlich identisch gewesen. Vor Gericht widersprachen sie sich dann jedoch teilweise. „Die Zeugenaussagen gingen etwas hin und her“, so Kaiser-Klan.

Durch die schlampige Ermittlungsarbeit und die fragwürdigen Zeugenaussagen war „das Störgefühl so groß, dass wir keine hinreichende Überzeugung erlangen konnten“, folgerte Kaiser-Klan. Dabei sei die Kammer sich ziemlich sicher, dass Annouri in irgendeiner Form seine Finger im Spiel hatte bei dem Angriff. Das seien aber Spekulationen. „Denn es fehlt der sichere Schluss, dass er am Ende noch an der Front war.“

Annouri, im weißen Hemd und im hellgrauen Sakko mit riesigem Eintracht-Adler auf dem Rücken erschienen, umarmte seinen Verteidiger nach dem Freispruch innig. Für das Opfer Ö. ist der Freispruch doppelt bitter. Er muss nun nicht nur die Prozesskosten für die Nebenklage tragen, sondern dürfte es durch den Freispruch auch schwer haben, von Annouri Schmerzensgeld auf zivilrechtlichem Weg zu bekommen. Richter Kaiser-Klan entschuldigt sich fast dafür. Dies gehöre zu den strafrechtlichen Besonderheiten.

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