+
Die Gegner von Artikel 13 sehen darin ein Einfallstor für Online-Zensur.

EU-Urheberrecht

8000 junge Leute protestieren gegen Artikel 13

  • schließen

Sturm und Drang der Generation Internet gegen die geplanten Neuerungen. Der Unmut richtet sich vor allem gegen die Artikel 11 und 13.

Der Paulsplatz platzt aus allen Nähten. Mit 5000 Teilnehmern hatten Veranstalter kalkuliert, rund 8000 sind nach Polizeiangaben gekommen, um gegen das geplante EU-Urheberrecht und damit einhergehende Änderungen für Internetnutzer zu demonstrieren. Der Protest ist fast so vielfältig wie das Internet selbst. Viele Teilnehmer haben sich Schilder gebastelt, mit denen sie auf das drohende Ungemach hinweisen oder gegen Politiker schimpfen. Allen voran die CDU bekommt ihr Fett weg. „Nie mehr CDU“ heißt es da. Die meisten arbeiten sich am CDU-Europaabgeordneten Axel Voss ab. Satirisch: „Das E in Voss steht für Ehrenmann“ und „Axel Voss hat für alle Cookies gebacken“ oder „Freiheit statt Voss“, das sind nur drei der zahlreichen Beispiele.

Die jungen Leute gehen davon aus, dass die nun anstehenden Entscheidungen weitreichende Konsequenzen haben und einen Freiheitsverlust bedeuten. „Niemand hat die Absicht, das Internet zu verbieten“, heißt es daher in Anlehnung an einen Ausspruch, den der damalige DDR-Staatschef Walter Ulbricht kurz vor dem Bau der Mauer tat. „Wir sind das Netz“, tönt es mehrmals über den Paulsplatz. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt“, heißt es dann noch, was auch irgendwie komisch ist, weil es genau der Ausspruch ist, mit dem Stunden zuvor die Kurden durch Frankfurt liefen.

Die „Piraten“ sind wieder da

Der Unmut richtet sich vor allem gegen die Artikel 11 und 13 des geplanten Gesetzes. „Artikel 13 wird nicht schlechtgemacht, Artikel 13 ist schlecht gemacht“, steht auf dem Pappschild eines auffallend älteren Teilnehmers. Es ist Gerd Alsenz. Der 59-Jährige aus Ingelheim ist Vorruheständler und arbeitet ehrenamtlich für ein Repair-Café, das online hilft, Elektrogeräte zu reparieren. „Wenn wir die Bilder der Reparaturanleitungen nicht mehr zeigen dürfen, werden die Dinge sehr schwierig werden“, sagt Alsenz, der gesteht, schon etwa 30 Jahre auf keiner Demo mehr gewesen zu sein. „Aber für diese Sache lohnt es sich“, ist sich der 59-Jährige sicher und fürchtet, dass mit den neuen Gesetzen „die Büchse der Pandora geöffnet wird.“

Lesen Sie dazu: Youtuber Rezo über den Widerstand gegen die Urheberrechtsreform

Florian Gessner ist deutlich jünger und gehört zu den Mitorganisatoren der Demonstration. Der große Auflauf auf dem Paulsplatz überrascht ihn nicht. „Es ist ein brisantes und tagesaktuelles Thema, das uns alle betrifft.“ Schon Anfang März seien bei einer Spontandemo, bei der sie mit 100 Leuten gerechnet hatten, etwa 1500 gewesen. Die Demonstration auf dem Paulsplatz ist nicht ganz so spontan, auch nach einer Stunde stehen die Menschen noch immer am Startpunkt, weil der Organisator im Verkehr feststeckt.

Da bleibt mehr Zeit für die Agitation. Denn weil die jungen Leute auf CDU und SPD sauer sind, wittern einige kleinere Parteien ihre Chance. Helge Herget ist mit einer riesigen Fahne der Piratenpartei erschienen. Jener Partei, die eigentlich schon totgesagt war. „Wir kommen wie Phönix aus der Asche, es hagelt Eintritte“, freut sich der Vorsitzende der Offenbacher Piraten.

Auch die FDP wittert ihre Chance, und Maria-Christina Nimmerfroh von der Frankfurter FDP bekommt später für ihre engagierte Rede auf dem Willy-Brand-Platz („gesetzgeberischer Bullshit“) sogar ernstgemeinten Applaus von den jungen Leuten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare