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Livemusik mit mehreren DJs im sogenannten Niddasack.
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Livemusik mit mehreren DJs im sogenannten Niddasack.

Frankfurt

Freiheitsgefühl im „furchtbaren Viertel“

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Ein kleines Festival im Bahnhofsviertel lockt die Menschen an.

Zwischen den Hauswänden wummern am Samstagabend in der Niddastraße die Bässe. Auf einer Bühne vor dem Durchgang zur Düsseldorfer Straße legt ein DJ neue und ältere Hip-Hop-Stücke auf. Disconebel steigt in die Luft. Rund 350 Besucher:innen tummeln sich vor der Bühne und dahinter verteilt auf Bierbänken. Sie haben die kostenlosen Karten für das „Tab from the Block“-Festival im Internet gewonnen und sind nur mit Corona-Impfnachweis, getestet oder genesen am Sicherheitsdienst vorbeigekommen. Besonders auffällig ist ein Farbstrahl, der sich in hellem Gelb, Blau, Türkis, Rosa, Rot und Orange über die Fahrbahn, unter der Bühne hindurch und eine Hauswand hinauf erstreckt. In der Abenddämmerung wirkt so der mittlere Teil der Niddastraße, in deren Fluchtlinie der Maintower in die Dunkelheit ragt, durch die Farben noch länger hell.

„Der Colour-Highway schießt über die Wand in die Welt“, sagt Torsten Widarzik, Sprecher des veranstaltenden Vereins „Tab“, der einen solchen Farbstreifen bereits vor drei Jahren in der benachbarten Taunusstraße für ein ähnliches Ereignis auf den Asphalt pinseln ließ. Finanziert wird das Festival in der Niddastraße, das von mehreren Kameras gefilmt und im Internet live übertragen wird, vom städtischen Wirtschaftsdezernat. „Wir stehen für eine Vitalisierung des Bahnhofsviertel mit all seiner Vielfalt“, sagt Widarzik. Ziel sei es „Kreativität und Kunst zu den Bürgern zu bringen“.

Beim Publikum kommt das gut an. Während im Hintergrund „Gangsta’s Paradise“ angespielt wird, sagt Besucherin Gesa Zerwas: „Ich finde den Gedanken gut und unterstützenswert, auf so ein furchtbares Viertel mit Leuten der Unterwelt und Junkies ein Auge zu werfen“. Der 33-Jährigen gefällt es besonders, dass an diesem Tag „alle herkommen“ könnten, auch „Familien mit Kids“, um dem „Lost-Place Aufmerksamkeit zu geben und bunt zu machen“. Auch wenn die Farbe nur für den halben Straßenzug und nicht bis zur nächsten Querung an der Karlstraße gereicht haben solle, wie sie erfahren habe. „Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet und war supergeflasht“, sagt ihre Freundin Marina Brügge, die als Lehrerin den letzten Wochenendabend der Sommerferien feiert. Sie spricht von einer „kleinen bunten Oase im schrecklichen Bahnhofsviertel“. Die 34-jährige Frankfurterin fügt hinzu: „Dieses Freiheitsgefühl mit ein bisschen City-Life genießt man total und saugt es auf“.

Die drei Freunde Felix von Horstig, Remig Halama und Marco Maikranz, die aus Seligenstadt vorbeigekommen sind, um den Rapper „Bosca“ zu sehen, sind ähnlicher Meinung. „Das hier erinnert nicht an das dreckige und ungemütliche Bahnhofsviertel, wie man’s kennt“, sagt Maikranz. Der 21-Jährige hebt die „entspannte Atmosphäre“ hervor. „Schön, dass so was trotz Corona wieder möglich ist“, sagt Halama und von Horstig ergänzt, „auch, wenn es ein bisschen exklusiv wirkt“. Denn die wenigen Hundert Besuchenden verteilen sich über den langen Farbstreifen und es wäre wohl noch Platz für mehr Publikum gewesen.

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