Frankfurt

Freie Theater wollen mehr Geld von Frankfurt

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Einundzwanzig Gruppen protestieren gegen Kürzungen der kommunalen Finanzhilfe und warnen davor, Freiheit durch zu viel Dirigismus zu zerstören.

Das Grummeln in der freien Theaterszene in Frankfurt mündet jetzt in einer bemerkenswerten gemeinsamen Aktion. 21 Ensembles und Gruppen melden sich in einem offenen Brief zur Förderung durch die Stadt zu Wort. Sie urteilen, dass das gegenwärtige Fördergeld „bei weitem nicht“ ausreiche. Eine Anhebung des Etats durch die Stadt um eine Million Euro sei „dringend notwendig“.

Derzeit vergibt die Stadt jährlich rund 4,2 Millionen Euro an die freie Theaterszene. Mehr als die Hälfte des Geldes fließt in feste Strukturen, wird also etwa für Mieten ausgegeben. Für die künstlerischen Vorhaben selbst bleiben nur 1,7 Millionen Euro. Diese Förderung von der Stadt war zuletzt 2016 kräftig angehoben worden.

Als jetzt aber am 23. August das städtische Kulturamt die neuen Förderbescheide verschickte, stellte sich heraus, dass die Stadt verschiedenen langjährigen und namhaften Akteuren der Theaterszene die Unterstützung gekürzt hatte.

Betroffen waren unter anderem die Kammeroper Frankfurt – die gerade noch das 25-jährige Bestehen ihrer Open-air-Aufführungen im Palmengarten gefeiert hatte –, das Freie Schauspiel Ensemble, das Gallustheater, das Ensemble 9. November und andere. Das Kulturamt argumentiert, man habe sieben weitere Gruppen und Ensembles in die Förderung aufnehmen wollen.

Da nicht mehr Geld zur Verfügung stehe, sei dies nur durch eine Kürzung bestehender Beiträge möglich gewesen.

In dem offenen Brief protestieren die Unterzeichner gegen dieses Vorgehen. Es sei erfreulich, dass weitere Künstler und Ensembles Geld von der Stadt bekämen. Dies dürfe jedoch nicht durch Kürzungen bei anderen Projekten ermöglicht werden.

Die Absenkung der Fördermittel gefährde die Realisierung neuer Projekte oder mache sie gar unmöglich. Die ohnehin prekäre Situation freier Künstlerinnen und Künstler werde weiter verschlechtert.

Wenn es inhaltliche Gründe für die Kürzungen gebe, solle man diese in Gesprächen mit den Betroffenen deutlich benennen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die Unterzeichner warnen davor, die Freiheit der freien Szene „durch zu viel Dirigismus zu zerstören“.

Die freien Gruppen wünschen sich von der Stadt mehr Planungssicherheit. Statt Fördersummen für zwei oder vier Jahre zu bewilligen, sollte dies für drei und sechs Jahre geschehen.

Vor vier Jahren hatte die Stadt einen Theaterbeirat ins Leben gerufen, dem Kritiker und Dramaturgen angehören. Sie geben gegenüber der Stadt Empfehlungen für eine Förderung ab, die allerdings nicht öffentlich werden.

Gerade langjährige freie Theatermacher in Frankfurt fühlen sich von der Stadt schlecht behandelt. So ärgern sie sich darüber, dass die Kommune immer wieder aufs Neue verlange, dass ein Ensemble sich und seine Arbeit vorstelle.

Zu der Theaterallianz, die den aktuellen offenen Brief unterschrieben hat, gehören auch die Oper Frankfurt, das Schauspiel und das Künstlerhaus Mousonturm, also die großen städtischen Theaterhäuser.

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