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Klare Botschaften in Frankfurt.
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Klare Botschaften in Frankfurt.

Demo in Frankfurt

„Free Nawalny“

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Am russischen Generalkonsulat in Frankfurt demonstrieren die Menschen für die Freilassung des Oppositionellen.

Am Anfang ihres Protests skandieren die Demonstrierenden relativ verhalten auf Russisch „Putin wor“ (Putin ist ein Dieb). Später werden sie lauter. Rund 110 Menschen sind laut eines Polizeisprechers am frühen Samstagnachmittag in die Eschenheimer Anlage gekommen, um für die Freilassung des vor einer Woche inhaftierten russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny und gegen das Regime von Staatschef Wladimir Putin zu protestieren.

Nach und nach strömen noch einige weitere in die Grünanlage. Alle tragen Mund-Nasen-Schutz, viele FFP2-Masken. Sie haben sich an der Stelle versammelt, an der die Straße dahinter einen Knick macht, ehe sie am Eschenheimer Tor in den Oeder Weg abzweigt, wo sich das russische Generalkonsulat befindet. Am Straßenknick befindet sich der Hinterhof der Auslandsvertretung, in dem eine russische Fahne hängt.

„Russland wird frei“, steht auf einem Banner in kyrillischer Schrift, das Aktivist:innen in Richtung des Konsulats an einem kleinen Zaun aus Holz befestigt haben. „Das ist das Motto von Nawalny“, sagt Mariia Makoeva. Sie ist eine der sechs Organisator:innen, die die Demonstration erst wenige Tage zuvor angemeldet haben.

Kennengelernt habe sich die Gruppe im Internet. Einen politischen Protest habe sie noch nie organisiert, berichtet die 26-Jährige. „Wir haben ein russisches Sprichwort: Schweigen ist Zustimmung“, sagt Makoeva und weiter: „Ich lebe in Deutschland, und ich schweige nicht mehr“. Sie erlebe hier, was Meinungs- und Pressefreiheit bedeuteten und zeigt auf zwei kleine Polizeibusse, die die Demo schützten. Es sei das „mindeste Zeichen an Solidarität, was ich machen konnte“.

Michael Rubin steht neben ihr. Der 48-Jährige trägt eine weiß-rote Maske in den Farben von Belarus, wo er geboren wurde. Einige der Demonstrierenden tragen ebenfalls diese Farben, etwa mit Fahnen um die Schultern gehängt. In Moskau habe er studiert, berichtet Rubin, der für die FDP im Ortsbeirat 3 sitzt, und die Organisator:innen der Demo unterstützt habe. „Wir wollen zeigen, dass wir frei demonstrieren können“, sagt er.

Die von einer Sprecherin auf Russisch gehaltene Rede liest Mariia Makoeva auf Deutsch vor. „In Russland werden Menschen mit abweichenden Meinungen verfolgt“, liest Makoeva von ihrem Handy ab. Die russische Bevölkerung, die arm sei, denke immer kritischer. Ihre Demo in Frankfurt schließe sich an Proteste in allen russischen Großstädten und weltweit an.

Lediglich durch eine Boombox, einen kleinen Lautsprecher, wird die Rede akustisch verstärkt. Die Demonstrierenden rücken immer näher zusammen, um besser zuhören zu können, so dass die Organisator:innen auf Mindestabstände verweisen müssen. Es scheint, als wollten sie auch näher beisammen stehen, weil sie sich selbst in Frankfurt nicht so sicher und wohl mit ihrem Protest fühlten. Am Morgen kursierten im Internet schon Aufnahmen von Demos in Russland, bei denen es zu zahlreichen Verhaftungen gekommen war.

Anastasia aus Bergen-Enkheim nennt zunächst ihren Familiennamen, möchte ihn dann aber aus Angst vor Repressalien doch nicht in der Zeitung lesen. „Free Nawalny“ hat sie auf ihre Maske geschrieben. „Es geht einfach nicht so weiter“, sagt die 30-Jährige und ergänzt: „Leute werden einfach so verhaftet.“

Auch Christian, der aus Würzburg angereist ist, will seinen Familiennamen für sich behalten. Er zeigt auf sein Baby, das er in einem Tuch vor der Brust trägt. „Sie möchte ihre Großeltern mal kennenlernen“, sagt der Franke.

Als „besorgniserregend“ bezeichnet er die Entwicklungen im Herkunftsland seiner Frau. „Es ist weit schlimmer, als man es sich in Deutschland vorstellt“, sagt der Mittdreißiger. Währenddessen skandieren die Demoteilnehmenden „Svoboda“ – Freiheit – und werden dabei immer lauter.

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