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Frauenschule schließt nach 32 Jahren

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© christoph boeckheler*

Sie war eine Institution in Frankfurt: Die Frauenschule. Wie viele andere Frauenprojekte der 80er Jahre wird sie nun nicht mehr weitergeführt. Der Trägerverein hat keine passende neue Leiterin für das Bildungsprojekt gefunden.

Barbara Köster sitzt in ihrem Büro „mit Hausmeister-Qualität – weil ich hier alles im Blick habe“. Die Gruppe junger Frauen zum Beispiel, die hier ihren Bildungsurlaub mit Yoga verbringen. „Wie die aufwachen in dieser einen Woche. Das ist mehr als Gymnastik“, urteilt die langjährige Leiterin der Frankfurter Frauenschule. Bildungsurlaub sei ein Schwerpunkt in der Frauenschule geworden, die vor 32 Jahren mit intellektuell höchst anspruchsvollen Kursen und Tagungen begann.

Anfang der 80er Jahre entstanden viele Projekte von Frauen für Frauen: Buchläden, das Frauengesundheitszentrum und eben die Frankfurter Frauenschule. Die Hamburger Allee 45 war eine bekannte Adresse für alternative Treffpunkte. Köster, die von Anfang an dabei war – erst als Kursteilnehmerin, dann als Kursleiterin und schließlich als Geschäftsführerin und Vorstandsfrau des Trägervereins – spricht von einer „Siegermentalität“, aus der heraus diese Projekte entstanden.

Frauen sollten sich selbst entdecken

Die Frauenschule sollte ein Ort der Begegnung sein, aber auch des gesellschaftspolitischen Diskurses. Die Betreiberinnen vertraten den sogenannten „Differenz-Feminismus“, der sich anders als der „Gleichheits-Feminismus“ nicht mit der Gleichstellung der Frau zufriedengeben will. Denn dabei bleibe „der Mann das Maß aller Dinge“. Frauen sollten sich selbst entdecken, ihre Stärken und Schwächen erkunden, Spaß und Lust empfinden: „Der Motor von Veränderung ist Begehren und nicht Widerstand“, sagt Köster.

„Das Konzept hat funktioniert“, sagt die 67-jährige Psychotherapeutin, die in der Frauenschule, in einem separaten Zimmerchen, ihre Patientinnen betreut. Die Besucherinnen würden aufblühen, plötzlich unerwartete Dinge tun, etwa nach dem Seminar einfach sitzen bleiben – oder das Café aufräumen. „Hier ist in 30 Jahren nichts geklaut worden.“

Die Etage in der Hohenstaufenstraße 8 wirkt geräumig und gepflegt. 300 000 Euro habe der Trägerverein in die Ausstattung investiert. Eindrucksvoll der große Saal mit Parkett und Klavier, wo gerade die Yogamatten ausgerollt liegen. Wie die Büroräume wird er regelmäßig untervermietet – am Sonntagabend ist hier „Doggy Day“, da tanzen Hundebesitzerinnen mit ihren Vierbeinern. Köster hat sich das mal angesehen, um sicherzugehen, dass „das nicht Tierquälerei ist“. Ganz im Gegenteil konnte sie sich davon überzeugen, wie begeistert vor allem auch die Hunde waren.

Zeiten wilder Diskussion sind vorbei

Vorbei sind die Zeiten erbitterter Strategiediskussionen. Die intellektuellen Inhalte seien zur Goethe-Universität, dem Cornelia Goethe Centrum für Frauenforschung „gewandert“. Dort tritt in diesen Tagen die Bürgerrechtlerin Angela Davis auf. „Früher hätten wir Angela Davis eingeladen.“ Inzwischen würden viele Träger, ob Volkshochschule oder evangelische Kirche, Kurse anbieten, die auch in der Frauenschule stattfinden könnten.

Köster spricht von einer „Erfolgsgeschichte“. Dass es nun, nach 32 Jahren zum Jahresende ein so abruptes Ende geben wird, war nicht geplant. Seit Januar 2012 wurde eine Nachfolgerin gesucht. Ein erster Versuch scheiterte, weil die Aspirantin mit der Verwaltungsarbeit nichts am Hut hatte. Die zweite Probandin war zu technokratisch. Dann wurden zwei Frauen vom Institut für vergleichende Irrelevanz beauftragt, „etwas Neues zu machen“. Auch dieser Versuch schlug fehl: „Die kamen mit kommunistischem Unfug daher.“

Langsam setzte sich im Trägerverein die Erkenntnis durch, dass die Frauenschule vielleicht „ein Generationenprojekt“ sei. Auch das Frauengesundheitszentrum habe vor ein paar Monaten zugemacht. Wie sich das anfühlt, die Vorstellung nicht mehr im Büro mit Hausmeister-Qualität zu sitzen? „Ich habe das wahnsinnig gern gemacht“, sagt Köster. „Aber ich bin kein Workaholic. Ich muss nicht immer arbeiten.“

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