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Gewalt gegen Frauen

Frauennotruf Frankfurt berät seit fast 40 Jahren hilfesuchende Frauen

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Beratungsstelle unterstützt von Gewalt betroffene Menschen. In Zeiten von Corona hat es keine Zunahme an Beratungen gegeben.

Seit 18 Jahren arbeitet Judith Schlächter bei der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt. In dieser Zeit hat sie unzählige Frauen beraten – und die Themen, mit denen sich Ratsuchende an sie gewandt haben, haben sich über die Jahre kaum verändert. Neu hinzugekommen sei die Gefahr von digitaler Gewalt. „Aber das sind im Prinzip keine neuen Gewaltthemen, es verändert sich nur die Form, in der sie ausgeübt wird“, sagt Schlächter.

Der Frauennotruf, 1982 gegründet, ist eine der Hauptanlaufstellen für Mädchen und Frauen in Frankfurt, die von sexualisierter, körperlicher und digitaler Gewalt bedroht oder betroffen sind. Im Gespräch mit den Frauen, das telefonisch oder persönlich stattfinden kann, prüfen Judith Schlächter und ihre Kolleginnen zunächst, ob Schutz und Sicherheit vorhanden sind, oder wie sie geschaffen werden können. Auf Wunsch bleiben die Frauen anonym.

Gemeinsam mit den Hilfesuchenden entwickeln die Beraterinnen individuelle Handlungsschritte und Schutzkonzepte. Das fünfköpfige Team leistet Aufklärung über den möglichen Umgang mit sogenannter häuslicher Gewalt, informiert über mögliche juristische Vorgehensweisen und vermittelt Adressen und Anlaufstellen wie Rechtsanwält:innen, Therapeut:innen und Frauenhäuser. Etwaige Sprachbarrieren werden mit Hilfe von Dolmetscher:innen überwunden.

Wichtig ist Schlächter und ihren Kolleginnen, dass sie die ratsuchenden Frauen zu nichts zwingen. „Wir schauen, was will die Frau, was kann sie umsetzen in ihrer Situation.“ Die Beratung solle die Frauen darin bestärken, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. „Wir begleiten, aber die Verantwortung liegt bei der Frau“, sagt Schlächter. Ihrer Erfahrung nach gebe es oft ein soziales Umfeld, das den Betroffenen helfen könne. Häufig riefen auch Menschen aus dem Umfeld der betroffenen Frauen an, um sich beim Frauennotruf zu erkundigen, wie sie helfen könnten.

Sich bewusst zu machen, dass die Verantwortung nicht bei ihr liegt, hilft Schlächter auch dabei, die Distanz zu wahren. „Auch wenn Frauen Dinge tun, die wir für problematisch halten, zum Beispiel, wenn sie einem Angreifer immer wieder eine Chance geben, ist das für uns unerheblich“, sagt sie. „Wenn etwas nicht klappt, können sich die Frauen immer wieder bei uns melden.“

In der Regel melden sich Frauen, die sich über einen längeren Zeitraum in einer Gewaltsituation befinden. „In der akuten Gefahr hilft nur die Polizei, das wissen die Frauen aber auch“, erklärt Schlächter. Kontaktiert eine Frau die Polizei in einer akuten Gefahrensituation, zum Beispiel bei häuslicher Gewalt, fragt die Polizei, ob sich eine Beratungsstelle bei ihr melden darf. Stimmt die Frau zu und unterschreibt eine Einwilligungserklärung, wird diese an eine sogenannte Interventionsstelle geschickt.

In Frankfurt gibt es drei solcher Stellen, eine davon ist die Beratungsstelle Frauennotruf. „In solchen Fällen nehmen wir aktiv Kontakt zu den Frauen auf und bieten ihnen eine Beratung an“, erzählt Schlächter. Angerufen wird immer mit einer unterdrückten Nummer, so dass der Anruf nicht zurückverfolgt werden kann. „Erreichen wir die Frau nicht, senden wir ihr Broschüren mit Infomaterial zu, das wir auf Deutsch und verschiedenen anderen Sprachen haben.“ Auch hier gilt wieder: Das Angebot ist freiwillig.

Um die Beamt:innen zu unterstützen, beteiligt sich die Beratungsstelle Frauennotruf an entsprechenden Schulungen. Die Beratungsstelle Frauennotruf ist mit zahlreichen Einrichtungen in Frankfurt vernetzt.

Anders als von vielen Stellen befürchtet, habe es beim Frauennotruf während der Pandemie keine Zunahme der Beratungen gegeben. 678 Frauen hat der Frauennotruf 2020 beraten, die Zahl sei seit 2017 relativ konstant. „Was an Gewalt tatsächlich stattgefunden hat, können wir natürlich nicht sagen. Ob sich noch viele Frauen melden werden, die im letzten Jahr angegriffen wurden, kann sein, muss aber nicht sein“, so Schlächter. Von einer einzigen Frau habe sie gehört, dass der Mann angegeben habe, „aufgrund von Kurzarbeit gewalttätig geworden zu sein“. „Bei keiner anderen von uns beratenen Frau hat es sich so dargestellt, dass der ,Gewaltauslöser‘ Corona sei. Viele Frauen, die von Körperverletzung durch Partner betroffen sind, leben schon lang in einer Gewaltsituation.“ Schlächter glaubt auch nicht, dass die soziale Kontrolle während der Pandemie so groß sei, dass betroffene Frauen keine Möglichkeit hätten sich zu melden. „Es gibt Gelegenheiten anzurufen.“ Kinder hingegen hätten aufgrund von teils geschlossenen Kitas und Schulen weniger Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen.

Ein Erfolgsprojekt des Frauennotrufs ist die Soforthilfe nach Vergewaltigung. Das von der Beratungsstelle initiierte Modellprojekt sorgt dafür, dass Frauen nach einer Vergewaltigung schnell und unkompliziert Hilfe erhalten. Im Mittelpunkt steht die medizinische Akutversorgung in Frankfurter Krankenhäusern. Dort wird auch eine vertrauliche Spurensicherung angeboten – für beides ist eine Anzeige bei der Polizei keine Voraussetzung. In Frankfurt haben sich inzwischen alle acht Krankenhäuser angeschlossen und auch darüber hinaus wird das Modellprojekt immer größer: Bislang beteiligen sich 31 Krankenhäuser in drei Bundesländern.

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