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Suzi Quatro ist wieder da, die amerikanische Urmutter des Rock’n’Roll.

W-Festival

W-Festival in Frankfurt

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Suzi Quatro, Kovacs und viele weitere tolle Sängerinnen beim Frankfurter W-Festival.

Mutige Menschen, nosferatische Momente und die Rückkehr des „Woooohohoooho!“-Chores in die Konzertsäle, all das lässt sich zurzeit in Frankfurt erleben. Es ist W-Festival, zum achten Mal schon.

Das große W steht hier für „Women of the world“. Kein schlechter Gag, dass die Welt der singenden Frauen diesmal ausgerechnet am Vatertag richtig Fahrt aufnimmt. Da treffen sich die Musikfreundinnen, aber natürlich auch –freunde, unter anderem auf dem Stoltze-Platz mitten in der City und feiern die jungen Künstlerinnen, die sich umsonst und draußen hören und sehen lassen. Mulay etwa, die Berlinerin. Sie macht aus ihrem Sprechgesang, ihrer wunderschönen Stimme und ihren fließenden Bewegungen ein Ereignis, das man gern länger miterlebt hätte.

Geht aber nicht, denn schon ruft die Alte Oper mit der geballten Kraft von 55 Jahren Bühnenerfahrung: Suzi Quatro ist wieder da, die amerikanische Urmutter des Rock’n’Roll, im Jeansanzug mit Glitzer ohne Ende, und singt gleich als zweites Lied „I May Be Too Young“. Die Fans flippen unverzüglich aus, wenn auch in gemäßigter Form. Das Parkett ist unbestuhlt, die Kondition muss für mehr als 20 Songs reichen.

Ms Quatros Kondition wird auf jeden Fall reichen. Sie brettert mit ihrer Band (sechs Herren, zwei Damen) die ersten drei Lieder ohne Pause durch, schemenhaft kehren die Fernsehbilder aus den 70ern zurück. Beatclub, Musikladen, da war was. „48 Crash“, „Can The Can“, alle Hits kommen auf die Bühne, auch „Stumblin‘ In“, einst im Duett mit Smokie-Sänger Chris Norman, jetzt mit Tourgitarrist Tim Smith.

Die beiden Elemente, Quatros Stimme und Smiths Gitarre, sind auch soundprägend, um nicht zu sagen: Sonst dringt kaum was durch, besonders im Oberrang. Die 68-jährige Rockerin hat Energie für drei 25-Jährige, spricht zwischen den Liedern mit den Leuten, lockt eine Frau mit – oh bitte, das ist doch kein Deutschland-Blütenkranz? – jedenfalls mit einem Blütenkranz auf die Bühne zum Mittanzen beim Song „Love Isn’t Fair“, spielt zwei Bass-Soli und animiert die Menge zum seit Jahrzehnten ausgestorben geglaubten „Wooohohooho!“-Chor. Das hat gesessen.

Aber schnell weiter in die Kulturkirche Sankt Peter. Da hat bereits die Kanadierin Ann Vriend mit ihrem E-Piano, den besten Witzen und den höchsten Tönen des Festivals die Bühne betreten. Es zeigt sich hier der Mut, den die jungen Frauen aufbringen, viele junge Frauen, sich bei so einem Ereignis allein vor eine große Menschenmenge zu stellen. Nicht, weil sie Frauen sind, sondern weil es oft verletzliche Momente, leise Momente sind, die sie schaffen. Insofern vielleicht doch wieder, weil sie Frauen sind. Männer schaffen solche Momente nicht sehr oft auf Bühnen. In letzter Zeit vielleicht ein wenig häufiger. Und vielleicht tragen dazu ja Festivals wie dieses bei. Kann aber auch Unsinn sein.

Die Niederländerin Sharon Kovacs, bekannt als: Kovacs, beschließt den Vatertagsabend. Im goldenen Mantel, einen Bestatterhut auf dem Kopf, singt sie den ersten Song ganz allein, „I Better Run“, muss aber nicht wegrennen, sie hat eine Menge Leute auf der Bühne mit dabei. Als neuer Star des europäischen Pop wurde sie im vorigen Jahr schon gefeiert, praktisch jede Kritik enthielt einen Hinweis auf die James-Bond-Musik-Tauglichkeit ihrer Stimme und ihrer Arrangements (also auch diese Kritik).

Vielleicht liegt’s daran, dass in einem Mit-verbundenen-Augen-Hörvergleich wohl Shirley Bassey und Kovacs sehr nah beieinander lägen, aber auch Grace Jones, Amy Winehouse und vielleicht sogar Marlene wären im Kandidatinnenkreis für diese Stimme dabei. Sei’s drum, beim fünften Lied zieht Kovacs den Hut ab, jawohl immer noch eine Glatze drunter, und fortan erscheint sie als Nosferatu-Schattenwurf an der Seitenwand, besonders bei Bühnennebel, dazu unheimliche Chöre, aber auch Soul und R’n’B. Riesenapplaus für den Hit „Diggin’“ vom ersten Album. „Haben Sie einen guten Zeit?“, fragt die Holländerin. Natuurlijk.

Das W-Festival endet am Samstag mit Auftritten von Bonnie Tyler und Kimberose in der Alten Oper Frankfurt sowie Lotte in der Kulturkirche Sankt Peter. www.w-festival.de

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