Die Frauenfriedenskirche in Frankfurt-Bockenheim gehgört zu den interessantesten Bauwerken der 1920er Jahre in Deutschland.
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Die Frauenfriedenskirche in Frankfurt-Bockenheim gehgört zu den interessantesten Bauwerken der 1920er Jahre in Deutschland.

Frauenfriedenskirche

Heller, bunter, schöner

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Die Sanierung der Frauenfriedenskirche in Frankfurt-Bockenheim ist nach drei Jahren beendet. Die schwierigste Aufgabe war die Suche nach den Originalfarben der 1920er Jahre.

Wäre die Frauenfriedenskirche eine Märchenprotagonistin, wäre sie Aschenputtel, die nun als strahlende Prinzessin auftritt. Jahrelang war sie recht unscheinbar, die Altarwand war grau, die Bilder der Kreuzwegstationen kaum noch zu erkennen, jetzt ist die katholische Kirche im Frankfurter Stadtteil Bockenheim nach knapp drei Jahren Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten heller, bunter, schöner. Oder wie es Restauratorin Susanne Riek ausdrückt: „Die Farbensprache der 1920er haben wir wieder leuchten lassen.“

So ist die Hintergrundfarbe an der Altarwand mit dem großen Mosaikbild mit Jesus am Kreuz, darunter seine Mutter Maria und um ihn herum die sechs Gruppen heiliger Frauen wieder in den Originalfarben von 1929 gestrichen worden. Ein „Graublau mit leicht Violett“, nennt es Riek. Die 54-Jährige sagt: „Dass ich so ein Projekt bekommen habe, da fühle ich mich wirklich gesegnet.“ Und sie berichtet: „Es war ein wilder Ritt bis dahin. Aber ich habe jetzt Gänsehaut, wenn ich das Ergebnis sehe.“

Zwei Tage später am Samstagabend drückt Oberbürgermeister Peter Feldmann zusammen mit Pfarrer Joachim Braun, dem Mainova-Vorstandsvorsitzenden Constantin H. Alsheimer sowie der Vorsitzenden des Freundeskreises Frauenfrieden Franziska Baumgartl vor der Kirche einen blauen Buzzer.

Die zwölf Meter hohe Mosaikstatue der Regina Pacis, der Maria als Friedenskönigin, über dem Hauptportal, hat ab jetzt nicht nur einen Strahler, der auf sie gerichtet ist und sie erstrahlen lässt, „sondern die Mosaiksteine wurden auch mit viel Liebe gereinigt und Risse geschlossen. Damals war die Regina Pacis eine Sensation“, erzählt Pfarrsekretärin und Haushistorikerin Kerstin Stoffels. Sie weiß alles über die Kirche und noch viel mehr: „Emil Sutor kennen Sie vielleicht vom Namen her nicht, aber er hat auch den Bambi-Filmpreis erschaffen.“

Bischof Georg Bätzing reiste am Sonntag zur Altarweihe an. Die Eintrittskarten waren schnell vergriffen. Im Kirchenraum dürfen in Zeiten von Corona nur noch 90 statt 500 Leute zu den Gottesdiensten kommen. „Viele Frankfurter kennen die Kirche nur, weil normalerweise zur Weihnachtszeit der deutsch-amerikanische Chor The Singing Christmas Tree hier auftritt“, sagt Stoffels und lacht.

Die 1929 eingeweihte Kirche an der Zeppelinallee ist im Stil der Sakralen Moderne erbaut und steht unter Denkmalschutz. Bereits 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, als die Schlacht um Verdun tobte und die Zahl der Toten stieg, hatte Hedwig Dransfeld, die damalige Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds, den Plan die Kirche zu bauen. Es sollte für die Frauen, die ihre Väter, Männer und Söhne verloren, ein steinernes Friedensgebet als Ort der kollektiven Trauer und des Gedenkens sein.

Zur Restaurierung der Frauenfriedenskirche in Frankfurt-Bockenheim des Architekten Hans Herkommer gehört auch ein neues Lichtkonzept.

Die besten Architekten der Zeit bewarben sich um das Projekt, für das Hans Herkommer den Zuschlag bekam. Die meisten Spenden kamen von Frauen: Frauenverbände, aber auch Privatpersonen aus ganz Deutschland waren es, die ihre hart ersparten Pfennigbeträge für den Bau der Kirche gaben.

Im Herbst 1944 gab es in der Nähe der Kirche einen Bombeneinschlag. „Da sind Türen, Fenster und das halbe Dach weggeflogen. Es gab kein Notdach, 18 Monate stand die Kirche offen. Es hat reingeregnet und -geschneit. Später wurde die Verschmutzung weggewischt und damit auch die Originalfarbe entfernt und nach dem Krieg 1946 dann irgendeine Farbe darübergestrichen“, erzählt Stoffels. Die Originalfarben von damals zu finden, war keine leichte Aufgabe. „Dreimal war mindestens darübergestrichen worden“, erzählt Stoffels.

Sie habe gar nicht gewusst, wie bunt die Kirche einst gewesen sei. „Ich habe dann aber zufällig im Archiv die Malerrechnung von 1928 gefunden, da standen die Farben notiert.“ Kobaltblau, mennigrot und türkis sind die drei Chorringe an der Decke, die für die Dreifaltigkeit stehen.

Unweit von Stoffels und dem neuen Altar aus Bronzeguss steht Andrea Krawinkel, die Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Sankt Marien. Sie erzählt ihre Lieblings-anekdote: Wie Restauratorin Susanne Riek von den Wänden die Farbe loskratzte in einer fast detektivischen Suche und schließlich tatsächlich unter den Lichtschaltern noch die Originalfarben des Wandputz fand. „Susanne Riek sagte zu uns: ‚Seht ihr nicht, wie hier Grün zu Gelb wird?‘ Aber wir sahen immer nur Weiß.“ Die drei Frauen lachen los.

Es riecht noch nach frischer Farbe. Die Beichtstühle sind erst vor wenigen Tagen gestrichen worden. Die Laune ist fröhlich. „Wir fühlen uns wie als wir fünf Jahre alt waren und es kurz vor Weihnachten war“, sagt Krawinkel.

Im Frühjahr 2018 wurde die Kirche für die Öffentlichkeit geschlossen. 7500 Quadratmeter Wand mussten gestrichen, sieben Kilometer Kabel verlegt werden. Stoffels sagt, die Stimmung auf der Baustelle sei „megagut“ und voller Respekt gewesen. 67 Firmen und 200 Menschen hätten mitgewirkt. „Unsere Architektin Ursel Härtter war ein Wunderwerk der Koordination und wie alle war sie extrem motiviert. Und war auf dem 28 Meter hohen Baugerüst wie eine Gazelle unterwegs“, erzählt Krawinkel.

Anfangs wurden Kosten von 1,8 Millionen Euro veranschlagt, am Ende sind es fünf Millionen Euro geworden. Den Löwenanteil habe das Bistum Limburg übernommen. 400 000 Euro Spenden sammelten sie ein. Neu ist auch die kleine Orgel, die aus der geschlossenen St. Rafael Kirche am Industriehof stammt und restauriert wurde.

Bei der Grundsanierung der Kirche, die 2018 aufgrund von Mängeln im Baugrund begann, gab es immer wieder Überraschungen und Verzögerungen. „Ein Jahr hat es gedauert, bis wir die Genehmigung der Stadt bekamen, dass die eigentlich vier gesunden Platanen vor dem Seiteneingang der Kirche gefällt werden durften“, berichtet Stoffels. Das war im Sommer 2019. „Das Problem war, dass die Wurzeln durchs Gebäude durchgingen. Das entdecken wir aber erst, als der Boden entfernt wurde. Die Pionierwurzeln gingen bis zum Ehrenhof mit den Rosengarten“, so Krawinkel. Risse waren entstanden, weil sich der Untergrund so stark bewegte, dass sich der Fußboden wölbte.

Ein Nebeneffekt der gefällten Bäume: Die Sonne strahlt ungehindert durch die Kirchenfenster. Für die bevorstehenden zunächst entspannteren Tage hat sich Stoffels mit Büchern eingedeckt. Aber langes Ausruhen ist nicht: „Als kommende Projekte stehen die Sanierung des Ehrenhofs und die Restaurierung der großen Orgel an, dafür brauchen wir aber dringend Spenden.“

Frauenfriedenskirche, Zeppelinallee 99, 60487 Frankfurt am Main. Mehr Informationen zur Kirche: https://www.frauenfrieden.de/

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