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Gudrun Schmidt (Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 e.V.) führt Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung.  

Studienkreis

Frauen im Widerstand

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Eine Ausstellung zeigt, dass sich längst nicht nur Männer gegen die Nazis wehrten.

Gretel Maraldo wurde keine 22 Jahre alt. Am 24. März 1945, nur vier Tage vor ihrem Geburtstag, wurde sie in Bensheim ermordet. Erschossen am Kirchberg. Drei Tage später befreiten US-amerikanische Soldaten die Stadt. Gretel Maraldo war eine der Frauen, die sich im Widerstand gegen das NS-Regime engagierten. Gretel Maraldo war auch eine der Frauen, deren Kampf in der Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte kaum beachtet wurde.

Der Studienkreis „Deutscher Widerstand 1933-1945“ würdigt jetzt mit der Ausstellung „Nichts war vergeblich – Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ den Mut der Frauen, die sich gegen das NS-Regime stellten.

Erst war es das ohrenbetäubend Schweigen über die Verbrechen der NS-Zeit. Dann kamen die vielen Bücher, Reportagen und Filme über jene Menschen, die sich dem Regime des Nationalsozialismus widersetzten. US-Schauspieler Tom Cruise schlüpfte in die Rolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg und brachte den wohl bekanntesten Anschlag auf die internationalen Leinwände. Das öffentlich vermittelte Bild des Widerstands ist – bis auf ein paar Ausnahmen – heute noch weitestgehend männlich besetzt.

Die Ausstellung „Nichts war vergeblich“ kann noch bis Freitag 14. Februar besichtigt werden. Zu sehen ist sie im DGB Haus Frankfurt, Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77, Raum 4.

Die Öffnungszeiten sind werktags zwischen 7 und 19 Uhr.

Der Eintritt ist gratis. Ein Katalog zur Ausstellung ist für sieben Euro in der Geschäftsstelle des DGB Frankfurt-Rhein-Main oder beim Studienkreis Deutscher Widerstand erhältlich. prpd

Der Studienkreis vollzieht mit der Ausstellung einen Perspektivwechsel. Er möchte einen anderen Blickwinkel einnehmen, die Courage der Frauen betonen und ihre individuellen Geschichten erzählen.

„Widerständigkeit“ nennt das Vorstandsmitglied des Studiekreises, Gudrun Schmidt, den Kampf der Frauen gegen das Nazi-Regime. Und löst damit sprachlich das Engagement der Frauen von dem Bild des männlichen Widerstandskämpfers. Die Neuschöpfung des Worts soll auch die vielen Facetten der weiblichen Widerständigkeit aufzeigen. Frauen boten Verfolgten Unterschlupf oder klärten im Ausland über die Verbrechen auf, verteilten Flugblätter und erhoben ihre Stimme gegen Ungerechtigkeiten. Der Studienkreis gibt dem Aktivismus der Frauen ein neues Wort und betont damit ihre Rolle im Kampf gegen die Verbrechen der Nazis.

Man wolle mit der Ausstellung die widerständigen Frauen aus dem Bild der passiven Flugblattschreiberinnen lösen und ihre aktive Rolle anerkennen, sagt Gudrun Schmidt. Neben Frauen wie der Schriftstellerin Erika Mann und der Fotografin Gerda Taro erzählt die Ausstellung auch die Geschichten von 16 weiteren Frauen, die ihr Leben dem Kampf widmeten. Die ausgestellten Biografien zeigen ihre Lebensumstände, ihren Kampf – und ihren häufig vorkommenden frühen Tod.

Der Protest der Frauen war oft geschickt und einfallsreich. Sie sammelten in mühseliger Arbeit einzelne Druckblätter, trugen getarnt als Schwangere Flugblätter in einer Leibbinde durch die Städte oder versteckten politische Mitteilungen in Walnüssen.

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