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Obdachlose Frauen sind eine Minderheit. Nur in größeren Städten wie Frankfurt gibt es für sie Hilfsangebote.
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Obdachlose Frauen sind eine Minderheit. Nur in größeren Städten wie Frankfurt gibt es für sie Hilfsangebote.

Obdachlose in Frankfurt

Frauen von sexueller Gewalt bedroht

  • VonJudith Henke
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Knapp ein Drittel aller wohnungslosen Menschen sind Frauen. Sie werden häufig Opfer sexueller Gewalt. In Frankfurt gibt es für obdachlose Frauen spezielle Angebote.

Frauen ohne festen Wohnsitz sind eine Minderheit: Etwa 30 Prozent aller Wohnungs- und Obdachlosen sind weiblich, das ergeben Zahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW). Sexueller Gewalt sind sie laut BAGW besonders ausgesetzt. Viele Unterkünfte für Wohnungslose seien nicht nach Geschlechtern getrennt. Hilfsangebote nur für Frauen gäbe es meistens in größeren Städten – zum Beispiel in Frankfurt.

Etwa in der Nähe des Frankfurter Zoos: Dort befindet sich das Haus Lilith, das vom Diakonischen Werk getragen wird. Es ist eine Unterkunft, die ausschließlich Frauen vorbehalten ist. „Viele Frauen, die zu uns kommen, haben sehr schlimme Erfahrungen mit Männern gemacht“, sagt Mehri Farzan, kommissarische Leiterin des Diakonischen Werks. Im Haus Lilith fänden sie einen Schutzraum. Mehr als 20 Frauen würden fest hier wohnen, bleiben dürften sie bis zu zwei Jahren. Außerdem gebe es vier Notübernachtungsplätze für Frauen, die keinen Anspruch auf soziale Leistungen hätten.

Dazu gehörten EU-Bürgerinnen, die weniger als fünf Jahre in Deutschland gelebt hätten, erläutert Manuela Skotnik, Pressesprecherin des Sozialdezernats Frankfurt. Gerade Osteuropäerinnen seien von dieser Regelung betroffen. Allerdings gibt es auch für diese Personengruppe Hilfsangebote, etwa die Multinationale Informations- und Anlaufstelle für EU-Bürger und -Bürgerinnen (MIA), die unter anderem von der Caritas und dem Diakonischen Werk getragen wird.

Knapp 20 Frauen übernachteten in Frankfurt auf der Straße, sagt Christina Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten. Die meisten Frauen, die in Frankfurt auf der Straße lebten, würden unter massiven psychischen Problemen leiden und teils halluzinieren.

„Normalerweise nehmen Frauen, die ihre Wohnung verlieren, jede Hilfe an, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen“, sagt Heinrichs. Würde die Wohnung einer Frau zwangsgeräumt, komme das Sozialamt von selbst auf sie zu. Das sei allerdings nicht der Fall, wenn junge Frauen aus ihrem Elternhaus abhauten, sagt Werena Rosenke, Pressesprecherin der BAGW.

Wohnungs- oder obdachlose Frauen seien vergleichsweise jünger als männliche Betroffene, häufig sogar unter 25 Jahre alt. „Gerade jüngere Mädchen sind mit der Situation überfordert und wissen gar nicht, dass sie Anspruch auf Hilfe haben“, sagt Rosenke. Einige Frauen würden Unterschlupf bei sogenannten Freunden suchen, oft gegen sexuelle Gegenleistungen. Der Anteil einer solchen verdeckten Obdachlosigkeit sei sehr hoch, sagt Rosenke.

Würden sich die Betroffenen schließlich durchringen und in einer Unterkunft eine Bleibe finden, seien sie noch längst nicht sicher vor sexuellen Übergriffen. „Wir hören von unseren Klientinnen immer wieder von solchen Vorfällen“, berichtet Rosenke. Viele Unterkünfte seien nicht geschlechtergetrennt. Im Tagestreff des Diakoniezentrums Weser 5 sind laut Leiter Jürgen Mühlfeld 22 Prozent der Besucher Frauen.

Von sexuellen Übergriffen in Unterkünften oder Notschlafstellen ist weder dem Diakonischen Werk noch dem Frankfurter Verein etwas bekannt. Auch das Frauendezernat weiß von keinen Vorfällen, hält aber Sexualstraftaten gegenüber Frauen, die auf der Straße übernachten, für sehr wahrscheinlich.

Auf Anfrage der Frankfurter Rundschau antwortete die Polizei, dass in letzter Zeit kein Fall bekanntgeworden sei, in dem eine obdachlose Frau sexuell belästigt worden sei. Das könne jedoch nach Angaben des Frauenreferats daran liegen, dass sich obdachlose Frauen seltener an die Polizei wendeten.

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