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Auf der Zeil demonstrierten verschiedene Gruppen für Frauenrechte.

Frauen in Frankfurt

Frauen-Protest auf der Zeil

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Das Frankfurter Frauentagsbündnis macht eine Kundgebung auf der Frankfurter Zeil. Es kommen vor allem kommunistische Gruppen.

Die Antwort auf die große globale Frage, wie sich die tatsächliche Gleichberechtigung der Frau endlich erreichen ließe, sie liegt am Donnerstag in der Luft über dem Brockhausbrunnen. „Our fighting is the only answer, socialism is the only answer“, singt eine Frauenstimme aus einem Lautsprecher heraus den mit Primark- und H&M-Tüten behängten Shoppinghorden entgegen, die offenbar lieber den Freuden des kapitalistischen Systems frönen, als sich die Redebeiträge der kommunistischen und sozialistischen Grüppchen unter roten und violetten Fahnen anzuhören.
Das Frankfurter Frauentagsbündnis hatte für den 8. März zur Kundgebung auf die Zeil geladen, um unter dem Motto „mutig, selbstbewusst, kämpferisch, weltweit“ ein Zeichen für Frauenrechte zu setzen. „Wir haben unterschiedliche Ansichten, aber sind uns einig, dass wir für die vollständige Emanzipation der Frauen zusammenarbeiten müssen“, sagt einleitend Bernadette Leidinger-Beierle vom Frauenverband Courage.

Und so verteilt die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) rote Nelken. Da ruft eine Vertreterin der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) Revolutionen als „Lokomotiven im Kampf für Frauenrechte aus“. Männer einer afghanisch-iranischen Gruppe haben sich DIN-A4-Blätter an die Jacken geheftet, auf denen der Verschleierungszwang als Symbol weiblicher Unterdrückung kritisiert wird. Eine junge Frau des MLPD-Jugendverbands Rebell prangert den Sexismus der Pornoindustrie an. Eine US-Amerikanerin der „Women’s March Global“-Bewegung betont, dass auch in Frankfurt die Stimmen zu vieler Frauen nicht gehört würden. Und während Frauendezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) in den Reihen der Zuhörenden Flyer für eine Frauenrechtsaktion gegen die Mahnwachen fundamentalchristlicher „Lebensschützer“ vor Abtreibungs-Beratungsstellen verteilt, wiegt sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen mit Regenbogenmütze und Peter-Feldmann-Wahlkampftasche zur Melodie von „Bella Ciao“.

Angestimmt hat den alten Partisanen-Gassenhauer Melis Sir vom Verein „Yeni Kadin“ („Neue Frau“), der Frauenkommission der türkischen Arbeiterförderation Atik. Sie hat zuvor ein flammendes Plädoyer gegen die türkische Militäroffensive im nordsyrischen Afrin und für den „Kampf gegen das Patriarchat“ gehalten, was auf ebenso viel Zustimmung der Umstehenden stößt wie ein verlesenes Grußwort einer ärztlichen Initiative gegen das im Strafrechtsparagrafen 219a festgeschriebene Abtreibungswerbeverbot und das Lied der Rüsselsheimer Opel-Arbeiterin und Gewerkschafterin Verena Vöhringer, die über die Diskriminierung von Frauen in vermeintlichen Männerberufen singt: „Ich bin mehr als eine selbstbewusste Dekoration“.

Gegen Ende der gut einstündigen Kundgebung ertönt dann noch ein „Hoch die internationale Solidarität“, ehe Frauen und „frauenbewegte Männer“ dem Zeil-Kapitalismus den Rücken kehren und gen Gewerkschaftshaus im Gutleutviertel ziehn.

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