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Frauen-Fußball Frankfurt: Mehr Mädchenteams als vorige Saison

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Von: Oliver Teutsch

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Verantwortliche hoffen auf EM-Boom bei Zuschauern und Nachwuchs. Zuschauerrekord bei Eintracht gegen Bayern am 16. September angepeilt.

Als Jürgen Milbredt sich die Meldeliste für die Juniorinnenmannschaften der nächsten Saison ansah, staunte er nicht schlecht. „Ich wollte nicht glauben, dass es so viele sind“, sagt der Verantwortliche für Mädchenfußball im Kreis Frankfurt. 136 Mannschaften sind für die neue Spielzeit gemeldet, 27 mehr als vorige Saison. Woher dieser kleine Boom kommt, kann er nicht sagen. „An der Europameisterschaft kann es nicht liegen, der Meldeschluss für die Mannschaften war ja schon am 5. Juli“, erzählt Milbredt.

Die erfreuliche Entwicklung ist allerdings noch kein Grund zu ekstatischem Jubel. Denn zum einen waren die Anmeldungen in den vergangenen Jahren eher rückläufig, zum anderen sind die Zahlen insgesamt eher überschaubar. In Frankfurt etwa gehen in der neuen Saison 37 Mädchenmannschaften in den verschiedenen Altersklassen an den Start. Zum Vergleich: Bei den Jungs sind es mehr als 500. Dabei ist Frankfurt noch der stärkste Kreis. „In Nordhessen sieht es katastrophal aus“, sagt Milbredt.

Selbst in Frankfurt muss der Spielleiter in jeder Saison improvisieren. Nur 13 Vereine in der Stadt bieten überhaupt Mädchenfußball an, es fehlen ehrenamtlich Helfer:innen und Fußballplätze. „Wir müssen uns jedesmal ein sportlich sinnvolles System ausdenken.“ Denn die Anzahl der Mannschaften und deren Leistungsniveau schwankt von Jahrgang zu Jahrgang.

Milbredt hofft, dass sich bei den Anmeldezahlen ein EM-Effekt ergibt. „Ich gehe davon aus, dass sich nach den Ferien noch mal was tut.“ Bei den Mädels sei es übrigens viel schöner zuzuschauen. „Der Spaßfaktor ist höher, es geht ein bisschen familiärer zu, und die Mädchen sind auch anders drauf.“ So gebe es dort anders als bei den Jungs „keine Kloppereien“ auf dem Platz. „Die letzte Rote Karte gab es vor vier Jahren.“

Ein möglicher EM-Boom könnte auch den Frauen von Eintracht Frankfurt zugutekommen. Schließlich sind viele der Spielerinnen, die bei der Europameiszerschaft zu sehen waren, auch in der Bundesliga aktiv, alleine vier aus dem deutschen und fünf aus dem österreichischen Team. Die Liga beginnt am 16. September, anderes Datum als bei den Männern – aber gleiche Gegner und selber Austragungsort: Eintracht Frankfurt gegen Bayern Münschen im Waldstadion.

Paul Schönwetter von den Eintracht-Frauen verrät, dass sich der Verein auch bei der Zuschauerzahl einiges vorgenommen hat: „Ziel ist es, den bestehenden Zuschauerrekord zu knacken.“ Der liege für Ligaspiele bei 12 000 Besucher:innen. Um den Rekord zu knacken, werde in den einzelnen Abteilungen der Eintracht ordentlich die Werbetrommel gerührt.

Der Zuschauerschnitt der Eintracht von 1500 in der zurückliegenden Saison sei ohnehin schon der beste der Liga. Da mache sich ein Stück weit auch ein Eintracht-Boom bemerkbar. „Die Mädchen erzählen, sie würden in ihren Eintracht-Klamotten in der Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen“, sagt Schönwetter. Bleibt zu hoffen, dass sich der EM-Boom nicht nur aufs Zuschauen erstreckt, damit sich Jürgen Milbredt auch im nächsten Jahr wieder über die hohe Zahl der Mannschaftsmeldungen wundert.

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