Sybille Linke

Frau der klaren Worte

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Ein Antrittsbesuch bei der neuen Leiterin des städtischen Kulturamtes.

Sie freut sich, „wenn ich eine Ausstellung eröffnen darf“. Wie zum Beispiel gerade die Schau über „die vibrierende Kulturszene von Bangladesh“ im Deutschen Architekturmuseum. Denn Sybille Linke ist, auch nach vier Monaten als Leiterin des städtischen Kulturamtes, noch immer dabei, ihr Tätigkeitsfeld Frankfurt kennenzulernen. „Es fühlt sich immer noch recht neu an“, sagt die 58-Jährige. Und das kann ja auch gar nicht anders sein.

Doch die studierte Theaterwissenschaftlerin und Germanistin ist keine, die lange fackelt. Die frühere Leiterin des Fachbereiches Kultur der Stadt Würzburg stürzt sich mit Verve auf ihre neue Aufgabe. Beim Gespräch in ihrem sonnendurchfluteten Büro, an dessen Wänden expressionistische Gemälde hängen, will die Kulturmanagerin möglichst keine Frage unbeantwortet lassen.

Zum Beispiel bei dem komplizierten Vorhaben des neuen Kultur- und Freizeit-Tickets. Es soll Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren freien Eintritt in die Frankfurter Museen gewähren. Seit Anfang des Jahres basteln die Fachleute des Amtes an einem praktischen Verfahren für die Ausgabe dieses Tickets.

„Noch in diesem Jahr“ wird es ein Ergebnis geben, verspricht Linke. Es nervt sie, dass sie nicht ad hoc sagen kann, wie viele Museen genau nun tatsächlich vom neuen Angebot profitieren. Sofort fragt sie bei der Fachfrau zwei Zimmer weiter nach. Und liefert die Zahlen: 35 Museen sind dabei, 19 nichtstädtische und außerdem der Zoologische Garten.

Die Managerin hält mit Problemen nicht hinter dem Berg. Im städtischen Haushalt stehen nur eine Million Euro bereit, um bei den Museen den Einnahmeausfall durch den freien Eintritt auszugleichen. „Das wird nicht reichen“, sagt sie offen. Wir sprechen über Hilmar Hoffmann, den legendären früheren Kulturdezernenten, der 1979 in einem Buch das Motto „Kultur für alle“ ausgegeben hatte.

„Mit diesem Zeitgeist bin ich groß geworden“, sagt die Amtsleiterin, „der hat mich sehr stark geprägt.“ Und natürlich sieht sie ein Vorhaben wie das Kulturticket durchaus in der Tradition des Sozialdemokraten Hoffmann.

Kulturelle Bildung: Das ist Linkes Thema. Vier Jahre lang, von 2011 bis 2015, arbeitete sie in Berlin als Geschäftsführerin des Modellprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen“. Dessen Ziel ist es, bei Kindern und Jugendlichen Interesse für künstlerische Aktivitäten zu wecken.

Die Amtsleiterin teilt nicht die Einschätzung, dass bei der kulturellen Bildung vieles im Argen liege. „Gerade bei den Frankfurter Museen gibt es eine tolle Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche.“

Draußen vorm Fenster des Kulturamtes kehrt die sommerliche Hitze zurück. Posieren für den Fotografen: Das mag Sybille Linke nicht so gerne. Sie hat im Laufe der Jahrzehnte etliche künstlerische Milieus kennengelernt, auch das Theater, sie führte Regie bei kommunalen Bühnen in Hannover und Hildesheim, aber auch bei freien Ensembles. Sie ist begeistert von der Vielfalt der freien Theaterszene in Frankfurt und versucht, möglichst alle Gruppen kennenzulernen.

Dass das neue Modell für die Vergabe von städtischem Fördergeld in der Szene auf Kritik stößt, hat sie schon registriert. Nicht alle freien Gruppen sind begeistert, wenn sie Besucherzahlen und Einnahmen nennen sollen. Linke verteidigt dieses Vorgehen.

„Es gibt gute Gründe für das Verfahren“, urteilt sie und fügt sogleich hinzu: „Fragen nach dem wirtschaftlichen Erfolg müssen die Ensembles sich gefallen lassen.“ Klare Worte an die freie Szene also. Zugleich lädt die Leiterin aber auch ausdrücklich dazu ein, sich an das Amt oder an sie persönlich zu wenden: „Wir wollen für alle Ansprechpartner sein.“ Das ist doch ein schöner Schlusssatz.

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