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Fraport

Fraport: Jobwechsel aus der Luft auf die Schiene

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Deutsche Bahn und Bundeskriminalamt umwerben das Personal der Luftfahrtbranche. Die ist weiterhin tief verunsichert.

Rund 40 unbefristete Arbeitsverträge hat die Deutsche Bahn bereits mit ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Fraport abgeschlossen. Zehn Mal so viele hatten sie beworben für den Quereinstieg als Lokführer oder Lokführerin, Fahrdienstleiter oder Fahrdienstleiterin, Wagenmeister oder Wagenmeisterin. Ähnliche Kooperationen pflegt die Bahn nach Auskunft einer Sprecherin mit den Airlines Germanwings und Sunexpress, um Flugbegleiter als Zugbegleiter zu gewinnen. Auch Fraport hat weitere Partner: Etwa das Bundeskriminalamt, das bei einer virtuellen Veranstaltung über die Behörde, ihre offenen Stellen sowie deren Entwicklungsmöglichkeiten informierte.

Auch wenn das Thema Reisen langsam wieder auf die Tagesordnung kommt: In der Luftfahrtbranche ist noch kaum etwas von einer Erholung des in der Pandemie eingebrochenen Geschäfts zu spüren.

Rund 80 Prozent der Stammbeschäftigten und der wesentlichen Konzerngesellschaften am Standort Frankfurt waren auch im ersten Quartal in Kurzarbeit, sagt Fraport-Sprecherin Sandy Chen – „zu durchschnittlich etwa 50 Prozent“. Rund 3900 Beschäftigte (Stand 1. April) habe die Flughafenbetreiberin Fraport seit Januar 2020 abgebaut. „Durch Abfindungen, natürliche Fluktuation und weitere Maßnahmen.“

Wer jetzt noch an Bord ist, genieße den im Notlagenvertrag garantierten Kündigungsschutz bis Ende 2023, sagt Verdi-Landesfachbereichsleiter Mathias Venema. Was danach komme, lasse sich schwer einschätzen. Vom Wiederanlaufen des Tourismus werde Frankfurt, anders als etwa Köln oder Hannover, wohl weniger profitieren. Mit seiner Sonderstellung als Hub liege der Schwerpunkt auf Interkontinentalflügen, von denen auf absehbare Zeit die meisten weiterhin ausfielen – „siehe Indien“. Und Geschäftsreisen würden wohl auf Dauer häufiger als vor der Pandemie durch Videokonferenzen ersetzt.

Die reduzierte Fraport-Belegschaft fühle sich alles andere als sicher. „Es ist eine angespannte Situation, keiner weiß, wie es weitergeht.“ Auch befürchtet Venema den Verlust von Know-how. Die Kurzarbeit reiße die Teams auseinander. „Irgendwann fehlt dann auch die Routine.“ Das erleichtere den Betroffenen die Entscheidung, in eine andere Branche zu wechseln. Etwa zum öffentlichen Nahverkehr.

Miese Stimmung auch bei der Lufthansa-Belegschaft. Chef Carsten Spohr hatte dieser Tage fürs erste Quartal einen erneuten Milliardenverlust einräumen müssen. Der bereits angekündigte Personalabbau scheint unausweichlich. Sogar Entlassungen sind möglich.

Verdi vertritt die rund 5000 Lufthansa-Leute, die am Boden arbeiteten. Deren Notlagentarifvertrag schützt nur bis Ende März 2022 vor Entlassungen. „Wir bekommen täglich Anrufe von Kollegen, die wissen wollen, wie es dann weitergeht“, sagt Gewerkschaftssekretär Uwe Schramm. Die Unsicherheit sei groß. So wie bei der Kundschaft. Für die Osterferien etwa habe es massenhaft Stornierungen gegeben. „Die Buchungsbücher waren voll.“ Ein ähnlicher Trend deute sich auch für den Sommer an.

„Mein Optimismus hält sich in Grenzen“, sagt Schramm. Und bei der Belegschaft stelle sich nach 15 Monaten Kurzarbeit zunehmend Resignation ein. „Die Leute sind mürbe. Sie identifizieren sich immer weniger mit der Firma und dem Job.“

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