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Die Straße ist an mehreren Stellen dekoriert.

Aktion

Frankfurt:Zusammenhalt und gute Laune in Corona-Zeiten

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Frankfurter Familien malen bunte Transparente für den Zusammenhalt.

Man kann sich jetzt natürlich in seine Wohnung setzen und Trübsal blasen. Die Sache der Bergers ist das allerdings nicht, und genauso wenig ist das die Sache der Familien Hüskes, Frade, Lichtblau und Hock, um nur einige zu nennen. Sie lassen den Kopf nicht hängen – und das sieht man schon ihren Häusern an.

Dort, in Frankfurt-Bonames, hängen fröhliche Transparente an Zäunen und Balkonbrüstungen. Ein paar waren schon in der Zeitung und im Internet zu sehen: „Wir meistern diese Zeit gemeinsam“, steht drauf und „Zusammenhalt“, dazu eine blaue Weltkugel, und „Wir bleiben zu Hause“ und „Bonames hält zusammen“.

Die Resonanz ist überwältigend. „Die Kinder stehen am Zaun und gucken, wie die Leute reagieren“, freut sich Vanessa Berger aus der Galgenstraße. „Autofahrer rollen ganz langsam vorbei, strahlen und machen das Daumen-hoch-Zeichen.“

Die Bergers waren es auch, die das Ganze ausgeheckt haben. „Wir saßen am Frühstückstisch“, erzählt die Mutter, „und haben den Tag besprochen.“ Der läuft zurzeit so: Um 8 Uhr ist Unterricht daheim, um 9.30 Uhr sind zwanzig Minuten Pause, dann wird weitergelernt. Wie in der Schule. „Wir haben einen richtigen Stundenplan entworfen.“

Vanessa Berger hat mit ihren Söhnen Oskar (l.) und Theo Durchhalte-Plakate in der Galgenstraße in Frankfurt aufgehängt.

Und nachmittags kommt dann etwas Unterhaltsames, etwas Kreatives. Als die Familie also beim Frühstück saß, machte Vanessa Berger den Vorschlag mit den Transparenten. Theo (8) und Oskar (5) waren sofort Feuer und Flamme für den Plan, überlegten gemeinsam, welchen Slogan sie aufmalen wollten, und natürlich sollten noch mehr Leute dabei mitmachen. Also: Nachbarn ansprechen. „Schwuppdiwupp waren alle dabei und fanden die Aktion gut.“

Jetzt ist die Galgenstraße an mehreren Stellen bunt dekoriert, auch um die Ecke hängen Transparente, nicht nur ein Virus kann ansteckend sein – auch eine gutgelaunte Aktion: In Eschersheim und weiteren Stadtteilen soll es schon Mitmaler geben. Nimm dies, Corona!

Die Nachbarschaft in dem Bonameser Wohngebiet hält zusammen, man grüßt sich generell auf der Straße, man feiert zusammen Feste, man trifft sich zum Wintergrillen – in normalen Zeiten. Und man fragt natürlich in schwierigen Zeiten auch jene, die besser nicht rausgehen, ob man ihnen etwas mitbringen kann. „Ist doch selbstverständlich, da müssen wir jetzt alle erst mal durch“, sagt sich die Malgemeinschaft und spricht über die Gartenzäune hinweg miteinander. „Das ist kein Sprint, das wird ein Marathonlauf.“

Vor allem: „Auf den Zusammenhalt kommt es jetzt an. Wir sitzen alle in einem Boot“, sagt Vanessa Berger. „Das wollen wir signalisieren: Niemand ist hier allein, und wenn wir uns schon nicht treffen können, dann zeigen wir wenigstens auf diese Art, dass wir eine Gemeinschaft sind.“

Ein kleiner Lichtblick, eine kleine Freude sollen die bunten Transparente sein. Sieht ganz so aus, als hätten die Leute in der Galgenstraße damit eine Menge Herzen erobert.

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