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Austin Harrison, der Moderator der Sendung. Bild: Museum für Kommunikation
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Austin Harrison, der Moderator der Sendung. Bild: Museum für Kommunikation

Ausstellungen in Frankfurt

Frankfurt:Was Briefe an die BBC über die DDR verrieten

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Neue Ausstellung im Museum für Kommunikation in Frankfurt beschäftigt sich mit der Radiosendung „Briefe ohne Unterschrift“. Die Eröffnung wird im Livestream übertragen

Der Schmerz, von Familienangehörigen in Westdeutschland getrennt zu sein, Ärger über die Mangelwirtschaft: Das alles und noch mehr ist in Briefen zu lesen, die DDR-Bürger:innen nach London schickten. „Briefe ohne Unterschrift“ hieß einst eine Radiosendung der BBC, und sie ist auch der Titel einer Ausstellung, die von Donnerstag, 4. März, an im Museum für Kommunikation in Frankfurt zu sehen ist. Diese erzählt die Geschichte, die hinter den Briefen und ihren Veröffentlichungen stecken.

„Ruf nach Freiheit“, „eine Mutter und ihr Kind“, die „Hunger-Kipper“, gänzlich ohne eine Namensbezeichnung waren die Briefe, die die DDR-Bürger:innen von 1949 bis 1974 an die BBC schickten, nicht. „Statt eines Namens gaben sie sich Kennwörter, und diese Kennwörter sind sehr spannend, weil sie sehr viel über die Wünsche und Sehnsüchte der Schreibenden erzählen“, sagt Kuratorin Katharina Schillinger während einer kurzen Onlineführung durch die Schau.

Etwa 40 000 Zusendungen erreichten die BBC in den 25 Jahren, in denen ihr Deutschlanddienst, der sich insbesondere an die Menschen in der DDR richtete, die Sendung freitagsabends ausstrahlte. „Schreiben Sie uns, wo immer Sie sind, was immer Sie auf dem Herzen haben“ – mit diesen Worten lud Moderator Austin Harrison die DDR-Bürger:innen ein, über ihren Alltag zu schreiben. Dass diese Briefe heute zugänglich sind, ist der Autorin und Übersetzerin Susanne Schädlich zu verdanken, die sie in einem BBC-Archiv entdeckte und in einem Buch aufarbeitete. Sie wird auch dabei sein, wenn die Schau am Mittwoch, 3. März, um 19 Uhr via Livestream eröffnet wird. Gemeinsam mit der Kuratorin wird sie in die Ausstellung einführen. Und alle, die mögen, können dabei sein.

Ausstellung

Die Ausstellung „Briefe ohne Unterschrift. DDR-Geschichte (n) auf BBC Radio“ soll, wenn es die Pandemie zulässt, vom 4. März bis 12. September, im Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53, in Frankfurt zu sehen.

Die digitale Ausstellungseröffnung mit einer Ausstellungseinführung kann am Mittwoch, 3.März, 19 Uhr, im Livestream auf der Facebook-Seite des Museums oder bei LebenXO verfolgt werden. lad

www.mfk-frankfurt.de

Die Briefe erreichten die BBC, wenn die Staatssicherheit sie nicht vorher abfing, über Deckadressen in Westberlin. Das Risiko für die Absender:innen war groß, wie Schillinger am Beispiel von Karl-Heinz Borchardt erzählt.

Der Schüler schrieb wegen der politischen Ereignisse rund um den Prager Frühling drei Briefe. Die Stasi fing alle ab. Anhand der Poststempel und eines in den Schreiben enthaltenen Hinweises auf eine Oberschule konnten die Schnüffler den 16-Jährigen nach einem Schriftvergleich mit einem von ihm geschriebenen Aufsatz als Verfasser identifizieren.

Nach seinem 18. Geburtstag, die Stasi wartete seine Volljährigkeit ab, verhaftete sie Borchardt. Er wurde wegen „staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme und Hetze“ zu zwei Jahren Haft verurteilt.

„Wie man am Beispiel von Borchardt sieht, war der Wunsch nach freier Meinungsäußerung für die meisten Briefeschreiber und -schreiberinnen stärker als die Angst vor etwaigen Konsequenzen“, sagt Schillinger.

Die Ausstellung knüpft auch eine Verbindung zur Gegenwart. Sie stellt Menschen vor, die sich heute für die freie Meinungsäußerung einsetzen. Und sie lädt Besucher:innen dazu ein, selbst über Meinungsfreiheit nachzudenken. Zu der Frage „Wie frei fühle ich mich in meinen Äußerungen“ können sie sich in einem analogen Tool anonym auf einer Skala verorten.

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