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Nachdem die Fichte aus der Versenkung herausgehoben wurde, wird sie auf dem Römerberg in 3,50-Meter-Stücke zersägt. 

Frankfurter Weihnachtsbaum

Aus Frankfurts Weihnachtsbaum wird eine Bank

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Die Fichte vom Römerberg wird zu einem grünen Klassenzimmer verarbeitet. Das soll auf der Wegscheide stehen. Auch der ursprüngliche Weihnachtsbaum soll genutzt werden.

Mit schwerem Gerät rücken Feuerwehr und Dienstleister dem Frankfurter Weihnachtsbaum am Donnerstagmittag auf die Rinde. Knapp ein Dutzend Schaulustige beobachten das Treiben und machen mit ihrem Handy ein Foto zur Erinnerung. Ein Kran hebt die 80 Jahre alte Fichte schließlich in die Höhe, sie schwebt ein letztes Mal ohne Äste über den Römerberg, dann wird sie hingelegt. Wenig später ertönt schon das Dröhnen der Motorsäge – der Baum wird in kleinere Teile geschnitten, um ihn abzutransportieren.

Doch noch ist die Geschichte vom Frankfurter Weihnachtsbaum nicht ganz zu Ende erzählt. Aus den Teilen des Stammes sollen nun Möbel für das Schullandheim Wegscheide nahe Bad Orb entstehen. Der Baum kehrt also sozusagen in seine Heimat zurück.

Die 31 Meter hohe Fichte stammt nämlich aus einem Waldstück im Spessart in der Nähe der Kurstadt. Der Baum hatte den Weg nach Frankfurt gut überstanden, auch wenn er damals eigentlich nur die zweite Wahl war. Der eigentliche Prachtbaum – Peter von Orb genannt – stand im Tierpark von Bad Orb und war noch einen Meter höher als sein Ersatz. Peter von Orb soll im Dreißigjährigen Krieg ein Wilderer und Räuber gewesen sein, der einen Teil seiner Beute den Armen gab.

Bei der Fällung des stattlichen Gehölzes zeigte sich jedoch, dass er die Trockenheit der vergangenen Jahre gar nicht gut überstanden hatte. Die Äste brachen beim Verschnüren einfach ab, statt dem Druck sanft nachzugeben. So schwenkte man auf den Ersatzbaum „Peter II.“ um. Der brachte zwar gerade mal vier Tonnen auf die Waage – Peter I. soll zwischen neun und zehn Tonnen gewogen haben –, aber wer keine Wahl hat, hat eben trotzdem die Qual.

„Der erste Baum liegt noch im Tierpark“, verrät Stefan Schreiber vom Hauptamt in Bad Orb. Bisher sei der Boden noch nicht in einem Zustand gewesen, in dem man ihn mit schwerem Gerät hätte befahren können. Man warte auf Frost oder eben auf besseres Wetter, so dass der Untergrund nicht feucht und matschig ist. Rausgeholt werden muss der Baum aber, denn auch er soll noch weiterverwertet werden.

Wie der Frankfurter Weihnachtsbaum soll er zu Möbeln verarbeitet werden. Aus den Stammteilen werden Bänke und Hocker hergestellt. „An der Wegscheide soll ein grünes Klassenzimmer im Freien entstehen“, sagt Schreiber. Die Kinder können dann auf dem u-förmig angeordneten Mobilar sitzen und Vorträgen zuhören.

Wenn alles klappt, könnten die Möbel noch in diesem Jahr fertig werden und an ihrer angedachten Stelle stehen. „Wir sind aber vom Wetter abhängig“, sagt Schreiber.

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