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Der Müller und sein Sohn: Vater Robert Brückmann (r.) mit Martin Brückmann.
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Der Müller und sein Sohn: Vater Robert Brückmann (r.) mit Martin Brückmann.

Nieder-Erlenbach

Frankfurts vergessene Mühle

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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In Nieder-Erlenbach lebt Familie Brückmann auf ihrem Hof, wo der Vater selbst noch Getreide gemahlen hat. Äußerlich erkennbar ist die Mühle kaum noch, doch zum Mühlentag können Besucher auf Spurensuche gehen.

Wer die Straße zur Obermühle entlanggeht, landet an ihrem Ende inmitten eines großen Hofs. An drei Seiten begrenzen alte Gebäude den gepflasterten Platz. Eine schwarz-weiße Katze schleicht träge durch die Sonne und würdigt den Besucher kaum eines Blickes. Niemand würde auf die Idee kommen, dass er gerade an der alten Getreidemühle von Nieder-Erlenbach steht – auch weil das Anwesen auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen ist.

Wenn man aber genauer hinschaut, entdeckt man die Details. Beispielsweise den alten Mühlstein, der unter dem Nussbaum links am Eingang liegt. Oder die alten Holzbalken, die im Inneren des Haupthauses noch das Gemäuer durchziehen. Ein Wappen am Eingangstor und Fuhrwerksräder an den Wänden. Was fehlt, ist das Mühlrad. „Das Wasserrad haben wir nicht mehr. Es ist aber in der Schmelzmühle bei Gießen noch im Einsatz“, sagt Martin Brückmann von der Obermühle. Der 44-Jährige ist die fünfte Generation der Brückmanns, die seit 1866 die Mühle betreiben. Er ist der erste, der kein Müller mehr ist. Vater Robert lernte das Handwerk noch und betrieb den Hof bis 1972.

Zu dieser Zeit wollte die Stadt das Wasserrecht zurückkaufen. Brückmann entschied sich zum Verkauf, auch weil das Geschäft für eine private Mühle nicht mehr erträglich war. Nach der Stilllegung wurde die Mühle umgebaut. Der Grundriss ist immer noch erhalten, ein neues Dach und bessere Fenster sorgen aber dafür, dass Familie Brückmann noch immer auf dem Hof lebenkann.

„Dort oben bin ich geboren“, sagt der 70-jährige Robert Brückmann und deutet auf die rechte obere Fensterreihe des Hauptgebäudes mit den grünen Fensterläden.

Die Obermühle wurde erstmals 1425 erwähnt. In den Jahrzehnten, in denen die Obermühle dem Frankfurter Kornamt gehörte, wurde sie immer wieder an Müller verpachtet. Im Jahr 1866 – nach dem Deutschen Krieg – wurde Frankfurt von Preußen besetzt. Das Königreich gab Nieder-Erlenbach an das Großherzogtum Hessen ab. Das selbstständige Dorf gehörte fortan bis zum Jahr 1972 zum Landkreis Friedberg. Die Mühle stand 1866 schließlich zum Verkauf und Martin Brückmanns Urahn kaufte das Anwesen.

Um auch andere an der Geschichte der Obermühle teilhaben zu lassen, nehmen die Brückmanns dieses Jahr erstmals am Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag teil. Als eine von 43 hessischen Mühlen wird das Nieder-Erlenbacher Anwesen Besuchern von 11 bis 17 Uhr offen stehen. „Viele werden sich wohl fragen, was man bei einer Mühle soll, die gar nicht mehr funktioniert“, greift der 44-jährige Architekt Martin Brückmann vor und präsentiert sein Programm.

Der Hessische Landesverein zur Erhaltung und Nutzung von Mühlen (HLM) wird mit der Wanderausstellung „Alte Technik – Neue Perspektiven“ zur Stelle sein. Weiterhin gibt es eine Fotogalerie im Hauptgebäude, und die Besucher können die Häuser sowie den riesigen Mühlengarten frei betreten. Dazu bieten die Brückmanns spannende Geschichten aus der Vergangenheit, schließlich kennt keiner das Anwesen so gut wie der Müllermeister und sein Sohn. Ein Höhepunkt soll die Buchvorstellung „Mühlen in Frankfurt“ von Konrad Schneider sein. Der ehemalige Archivar des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt wird ebenfalls zugegen sein und genaue Informationen zur Obermühle und den weiteren ehemaligen Getreide-, Öl-, Ross- und Schiffsmühlen auf dem Frankfurter Stadtgebiet geben.

Das Handwerk des Müllers wird anhand eines Schrotgangs vermittelt. Robert Brückmann selbst wird den Weizen mit der Maschine in mehreren Durchgängen zermahlen. Wer sich selbst die Finger weiß machen möchte, kann das an einer Handmühle tun und das Mehl anschließend sieben.

Der Garten, durch den sich der Mühlengraben zieht, dient als Rückzugsort für alle Gäste. „Man sollte die Pfingstrosen beachten, die blühten schon zur Zeit meiner Oma“, erzählt der Sohn des Müllers. Der erwähnte Wassergraben fließt unter einem Gebäude entlang und mündet wieder in den nahen Erlenbach. Früher trieb der Graben das Wasserrad oberschlächtig an. Wo einst Kühe und Pferde auf dem Hof lebten, sind heute geräumige Scheunen. Nur ein paar Hühner sind neben Katze Pamuk wieder Mitbewohner der Obermühle.

Um den Hof zur Obermühle 29 auch heute noch zu nutzen, konzentriert sich die Familie unter anderem auf ihre Weinhandlung. Ausschließlich spanische Tropfen gibt es zu erwerben. Außerdem werden Hoffeste und Konzerte organisiert. Nach dem Mühlentag muss Martin Brückmann schon wieder für ein Konzert mit amerikanischer Musik am 17. Juni planen.

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