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Flüchtlinge aus der Ukraine: „Wir werden zwei Hallen für rund 200 Menschen einrichten“

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Von: Timur Tinç

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Mitarbeitende der Bahnhofsmission empfangen Geflüchtete am Frankfurter Hauptbahnhof.
Mitarbeitende der Bahnhofsmission empfangen Geflüchtete am Frankfurter Hauptbahnhof. © Renate Hoyer

Sozialdezernentin Elke Voitl über die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine, flexibles Handeln und Forderungen an Bund und Land.

Frau Voitl, haben Sie einen Überblick darüber, wie die Lage der Geflüchteten aus der Ukraine in Frankfurt ist?

Die Situation ist immer noch sehr dynamisch, weil die Menschen nicht nur auf unterschiedlichen Wegen hier ankommen, sondern auch ganz unterschiedliche Ziele haben.

Welche wären das?

Es kommen Menschen hierher, die gehen sofort zu Verwandten und Freunden. Die brauchen von uns nur einen Krankenschein. Andere wollen in andere europäische Länder und wollen nur für zwei Tage in Frankfurt übernachten, bis sie sich sortiert haben. Und wiederum andere müssen hier in der Stadt untergebracht werden.

Wie viele Geflüchtete mittlerweile in Unterkünften, die die Stadt organisiert?

Zwischen 200 und 250. Diese Zahl ändert sich stündlich. Da zählen wir auch Menschen dazu, die im Sozialamt nur anfragen und Hilfe benötigen, wie die Ausstellung des Krankenscheins oder für Taschengeld.

Bekommen Sie als Stadt immer sofort mit, wenn die Menschen kommen?

Aufgrund der dynamischen Situation nicht. Am Donnerstag haben wir morgens einen Anruf erhalten: Es sind vier Busse aus Berlin unterwegs nach Frankfurt. Die Busse sind aber nie angekommen. Wir haben dann herausgefunden, dass zwei nach München gefahren sind und wo die anderen zwei hingefahren sind, wissen wir nicht. Andererseits kommen auch Busse an, die sind dann einfach da. Wir haben uns deshalb entschieden, damit wir gut über das Wochenende kommen und niemand auf der Straße übernachten muss, zwei Sporthallen für Übernachtungen vorzubereiten.

Wie viele Unterkunftsplätze stehen so zusätzlich zur Verfügung?

Wir sind noch ein bisschen vorsichtig. Wir haben ja auch immer noch Pandemie. Wir werden die Hallen unter pandemischen Bedingungen für rund 200 Menschen einrichten. Zur Not könnten wir flexibel nachrüsten. Das ist das was wir jetzt tun müssen: flexibel sein.

Elke Voitl von den Grünen ist Dezernentin für Soziales Jugend, Familie und Senior:innen.
Elke Voitl von den Grünen ist Dezernentin für Soziales Jugend, Familie und Senior:innen. © Sandra Mann

Wie viele solcher Unterkünfte werden Sie demnächst noch benötigen? Gibt es da Berechnungen?

Ich wüsste nicht mit welchen Variablen wir rechnen sollen. Es ist völlig unkalkulierbar. Wir haben jetzt einen Puffer geschaffen. Wir haben ein ämter- und dezernatsübergreifendes Netzwerk eingerichtet, das regelmäßig tagt. Wir sind froh, Vereine und Verbände zu haben, die das so gut unterstützen.

Sind die Menschen auch in Hotels untergebracht worden?

Ja. Wir haben im ersten Schritt mit unseren Vertragshotels die Kontingente nochmal ausgeweitet. Wir mieten auch neue Hotels an.

Ab wann würden Geflüchtete in Wohnungen oder Häuser von Menschen gebracht, die sich als Wohnraum-Anbietende registriert haben?

Wir haben tatsächlich rund 400 Angebote bekommen. Und mit jedem und jeder Einzelnen muss Kontakt aufgenommen werden. Die Menschen, die hierher kommen, haben oftmals Traumatisches erlebt. Sie flüchten vor einem Krieg. Das ist möglicherweise anspruchsvoll, diese Menschen zu beherbergen und zu begleiten. Wir müssen Anbieterinnen und Anbieter darauf sehr gut vorbereiten und das gut mit ihnen abstimmen. Wir sind dabei mit dem Rechtsamt zu prüfen, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind.

Wie ist das mit der Krankenversicherung und dem Taschengeld geregelt? Wer zahlt das?

Wir sind als Stadt Frankfurt in Vorleistung gegangen. Wir haben von der EU zwar eine Entscheidung was den Status der Menschen betrifft. Das muss jetzt aber noch in Bundes- und Landeserlässe übersetzt werden. Bis dahin können wir die Menschen nicht ins Verfahren geben. Es kommen aber Menschen an, die krank sind und zum Arzt müssen. Alle bekommen von uns einen Krankenschein für vier Wochen und sie erhalten auch aus Stiftungsmitteln Taschengeld, damit sie sich was zum Essen kaufen und sich versorgen können.

Was erwarten Sie von Land und Bund?

Wir hoffen, dass wir das rückwirkend abrechnen können. Ich erwarte von Land und Bund außerdem eine schnelle Regelung zur landesweiten Verteilung der Geflüchteten. Im Moment ist Frankfurt der zentrale Ankunftspunkt in Hessen. Da die regelhaften Zuweisungen nicht greifen, weil die Menschen einfach da sind und einen ganz anderen Aufenthaltsstatus haben, ist Eile geboten. (Timur Tinç)

Am Dienstag (01.03.2022) sind die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine in Frankfurt eingetroffen.

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