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Frankfurts Stadtschulsprecher Hannes Kaulfersch.
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Frankfurts Stadtschulsprecher Hannes Kaulfersch.

Bildung

Frankfurts Schulsprecher fordert mehr Tempo bei Sanierungen

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Stadtschulsprecher Hannes Kaulfersch über Schulbauprojekte, zögerliche Digitalisierung und Rederecht im Parlament

Seit Oktober ist Hannes Kaulfersch Frankfurts neuer Stadtschulsprecher. Der 18-Jährige ist für ein Jahr gewählt und hat kürzlich in der FR davor gewarnt, dass drei Corona-Tests in der Woche nicht reichen würden, um in den Schulen gut durch den Winter zu kommen. Doch nicht nur die Pandemie wird ihn in den kommenden Monaten beschäftigen. Im Interview spricht Kaulfersch über Projekte und Ziele, die ganz abseits von Corona wichtig sind.

Herr Kaulfersch, was haben Sie sich für Ihre Amtszeit vorgenommen?

Wir als Vorstand wollen zusammen eine starke Stimme für Frankfurts Schüler:innen sein, wenn es etwa um Digitalisierung und Schulbau geht. Oder um Projekte für Suizidprävention und Antidiskriminierung.

Was sehen Sie als größtes Problem für die Schülerinnen und Schüler in Frankfurt an?

Was vor allem zukünftig die Schüler:innen am meisten, sehr stark und direkt betreffen wird: Es geht mit dem Schulbau und den Schulsanierungen nicht schnell genug voran. Dadurch werden in Zukunft immer mehr Schüler:innen eine Schule beziehungsweise eine Schulform zugewiesen bekommen, die sie nicht wollen. Außerdem ist die Aufenthaltsqualität in einigen unsanierten Schulen nicht gerade lernfördernd. Wir brauchen also auch bei den Sanierungen mehr Tempo.

Können Sie das schneller vorantreiben?

Man kann als Interessenvertreter mit den Verantwortlichen im Gespräch sein. Man kann auch öffentlich darauf hinweisen, wenn etwas nicht läuft. Zum Beispiel beim Gymnasium Ost. Ein Gymnasium, das dringend gebraucht wird im Nordend. Es sollte in den Günthersburghöfen auf der Fläche einer ehemaligen Gärtnerei entstehen. Doch die Koalition will unversiegelte Flächen nicht mehr bebauen. Wir fragen uns, wie dieser Anspruch der Koalition kompatibel ist mit dem Ziel, genug Schulen zu bauen. Wir glauben, dass durch ökologische Baumaßnahmen wie begrünte Fassaden und Dächer, Solaranlagen und Schulgärten auch der ökologische Gedanke mit neuen Schulen in Verbindung gebracht werden kann.

Sie fordern also, dass für den Schulbau Flächen auch versiegelt werden können?

Ja, man muss sich ein Stück weit von dem Gedanken entfernen, dass man genug Schulen bauen kann, ohne Flächen zu versiegeln.

Wird Ihnen von der Politik zugehört?

Es gibt durchaus Beispiele dafür, dass das passiert. Zum Beispiel wurde erst vor kurzem auf unsere Initiative hin ein Pilotprojekt zur Bereitstellung von Menstruationsprodukten an Schulen beschlossen. Die Kommunikation mit der Politik ist deutlich besser geworden: Wir haben seit diesem Jahr einen festen turnusmäßigen Termin mit der Bildungsdezernentin. Und allgemein kann man sagen: Gerade die vielen neuen und oft jüngeren Stadtverordneten haben ein sehr offenes Ohr. Die Zusammenarbeit wollen wir mit anderen Projekten fortführen.

Was sind die nächsten Projekte?

Wir wollen den Ökologiegedanken an Schulen stärker verwirklichen. Wir setzen schon im Kleinen an: Wir wollen Mülltrennung an Schulen mit einem Drei-Mülleimer-System flächendeckend etablieren. Denn in den allerwenigsten Schulen wird der Müll konsequent getrennt. Man muss sich mal die Dimensionen vorstellen: Der Müll von hunderttausend Schüler:innen plus Lehrkräften wird seit Jahrzehnten nicht getrennt. Ein weiterer Punkt sind fehlende Fahrradständer an vielen Schulen, was ein negativer Anreiz ist, das Fahrrad zu benutzen. Außerdem ist für uns die WLAN-Ausstattung ein sehr aktuelles Thema.

Eigentlich sollten bis Ende des Jahres 100 Schulen mit WLAN ausgestattet sein.

Das Versprechen wird nicht zu halten sein. Das liegt einerseits an Lieferschwierigkeiten bei der Hardware, aber auch daran, dass die Ämter unterbesetzt sind, die alles umsetzen. Nicht nur, wenn es um WLAN geht. Auch beim Schulbau und bei Schulsanierungen. Da muss man Geld in die Hand nehmen und neue Stellen und vor allem attraktivere Stellenprofile schaffen. Nur wenn wir genug Leute in den Ämtern haben, werden wir die großen Aufgaben im Bildungsbereich schnell umsetzen können. Im Koalitionsvertrag steht, der Bildungshaushalt werde prioritär behandelt. Das muss in der Haushaltsaufstellung für das Jahr 2022 das Credo sein.

Der Stadtschüler:innenrat möchte Rederecht im Stadtparlament. Gleichzeitig wird derzeit ein Jugendparlament aufgebaut, das auch Rederecht will. Sollen dann beide Gremien für die Jugendlichen sprechen?

Das Jugendparlament soll ein allgemeinpolitisches Mandat haben und neben einem Rederecht sogar ein Antragsrecht für das Stadtparlament bekommen. Der Stadtschüler:innenrat hat ein schulpolitisches Mandat und wird das auch dann noch haben, wenn das Jugendparlament da ist. Das ist auch gut so, weil das Thema Bildung eine ganz besondere Bedürfnislage von Jugendlichen ausmacht. Deswegen wollen wir ein Rederecht haben, genauso wie der Seniorenbeirat es übrigens hat. Obwohl Senior:innen eigentlich durch ihre Möglichkeit zu wählen schon in der Stadtverordnetenversammlung repräsentiert sind. Aber auch hier sehe ich kein Problem im Sinne der Doppelrepräsentation, weil es eben um eine besondere Bedürfnislage geht.

Interview: Sandra Busch

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