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Frankfurts Problemfall – OB Peter Feldmann

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Von: Georg Leppert

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Feldmann vor dem Pokalklau mit Eintracht-Kapitän Sebastian Rode.
Feldmann vor dem Pokalklau mit Eintracht-Kapitän Sebastian Rode. © AFP

Nach einem peinlichen Auftritt und einer sexistischen Bemerkung prasselt bundesweit Häme auf Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann ein. Im Römer fordern nun fast alle seinen Rücktritt. Am Mittwoch will er sich erklären.

Frankfurt – In dieser Woche hat es Peter Feldmann auch in die spanische Presse geschafft. Die „Diario de Sevilla“ zeigte ein Bild von einem Treffen des Frankfurter Oberbürgermeisters mit seinem Amtskollegen aus Sevilla am Tag des Europa-League-Endspiels am vergangenen Mittwoch. Beide Männer lächeln und halten einen Eintracht-Schal in die Kamera. Darüber steht: „Frankfurter Bürgermeister wegen sexistischen Verhaltens zum Rücktritt aufgefordert.“ So kommt in diesen Tagen die Frankfurter Kommunalpolitik selbst in der internationalen Presse vor.

Peter Feldmann, 63 Jahre alt, SPD-Politiker, seit 2012 Oberbürgermeister von Frankfurt, hatte sich das alles ganz anders vorgestellt. Eigentlich war der Termin in Sevilla doch wie gemalt für jemanden wie ihn, der keiner Kamera ausweicht, der die Öffentlichkeit sucht, der dabei immer lächelt. „Grinse-OB“, so nennen ihn in Frankfurt die Menschen, die ihn loswerden wollen, und davon gibt es immer mehr, seit die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben hat.

Der OB und die Eintracht: Feldmanns Reise nach Sevilla sollte eine Atempause sein

In dem Verfahren geht es um Korruption, seine Ehefrau soll als Leiterin einer Kindertagesstätte mehr verdient haben als ihr zusteht. Zudem sollen im Wahlkampf Spenden für Feldmann gesammelt worden sein, ob es eine Gegenleistung gab, ist fraglich. Der Oberbürgermeister bestreitet die Vorwürfe, doch die Diskussion um ihn wird nicht leiser. Die Reise nach Sevilla schien für ihn ein Ausweg, zumindest eine Atempause.

Kommentar der FR

Peter Feldmann ist eine Schande für Frankfurt

Die Eintracht gewinnt den Europapokal, Peter Feldmann hält sich in der Nähe der Mannschaft auf. Wie 2018, als die Eintracht den DFB-Pokal holte und er nach dem Spiel sogar in die Kabine durfte. Doch diesmal war alles anders. Die Verantwortlichen der Eintracht ließen keinerlei Nähe zu. Und der Empfang am Abend nach dem Spiel im Frankfurter Römer geriet für Feldmann zum totalen Desaster.

Twitter-Kommentare über Feldmann: „Ekel und Sexismus pur“

Der Fernsehausschnitt, in dem er Eintracht-Trainer Oliver Glasner und Kapitän Sebastian Rode den Pokal förmlich entriss, wurde bundesweit gesendet und mehrfach wiederholt. Und dann tauchte auch noch das Video aus dem Flugzeug auf. Feldmann auf dem Weg nach Sevilla, nicht in einer Maschine der Eintracht, sondern in einem Fanflieger. Er schnappt sich das Bordmikro, nichts anderes war zu erwarten, auch diesen Auftritt wollte er nicht auslassen. Und er spricht von Flugbegleiterinnen, die ihn „hormonell außer Gefecht“ gesetzt hätten.

Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig, die dem SPD-Präsidium angehört, nennt das einen „Herrenwitz“. Die Kommentare in den sozialen Medien gehen viel weiter. „Eklig“, heißt es da, „Ekel und Sexismus pur“.

Im Frankfurter Römer fordern nun fast alle Feldmanns Rücktritt. Auch seine eigene Partei. Feldmann beschädige das Amt und die Stadt, heißt es. Das ist nur zu einem gewissen Grad neu. Schon nach der Anklageerhebung waren solche Forderungen laut geworden, auch die SPD hatte sich von ihrem einstigen Hoffnungsträger distanziert.

Sogar die „Heute Show“ veräppelt Frankfurts OB Feldmann

Doch nun hat sich vieles verändert. Vor ein paar Wochen noch sagte Feldmann im Römer sehr souverän: „Ich bin nicht schuldig, ich bin nicht korrupt.“ Er werde sich in Zukunft aber mit öffentlichen Auftritten etwas zurückhalten, erklärte er noch – und tat fortan das genau Gegenteil. Damit war das Thema für ihn aber auch erledigt. Nun aber prasseln bundesweit Spott und Häme auf ihn ein, nun veräppelt ihn die „Heute Show“, nun will wirklich niemand in Frankfurt mehr etwas mit diesem Oberbürgermeister zu tun haben.

Für jemanden wie Feldmann ist das schlimm. Vor allem seine zweite Amtszeit ist geprägt von einem schier grenzenlosen Narzissmus. Mal verkündete er im Alleingang den Wegfall von Kita-Gebühren, mal demontierte er seinen Ordnungsdezernenten öffentlich, indem er ihm im Plenarsaal den Mund verbot. Peter Feldmann, der Sonnenkönig, so schrieben es die Medien. Nun ist er kein Sonnenkönig mehr, er wird auch nicht mehr wahrgenommen als ein Oberbürgermeister, der seine zweite Amtszeit mit einem erdrutschartigen Wahlsieg über eine überforderte CDU-Kandidatin begonnen hatte und der deshalb meinte, sich im Parlamentsbetrieb so manche Arroganz herausnehmen zu können. Nein, Feldmann ist in der bundesweiten Wahrnehmung nur dieser komische Kommunalpolitiker, der Frankfurt blamiert.

Was bleibt von Feldmanns Amtszeit als Oberbürgermeister von Frankfurt?

Anders als seine Vorgängerin Petra Roth (CDU), die mit dem „Frankfurter Weg“ in der Drogenpolitik weit über ihre Stadt hinaus Akzente setzte, die mehrfach dem Städtetag vorstand, blieb Feldmanns Wirken weitgehend auf Frankfurt beschränkt. Und nun bringen ihn ausgerechnet eine Korruptionsaffäre, ein hochnotpeinlicher Auftritt mit Eintracht-Stars und ein sexistischer Spruch auf die Seiten von Spiegel und Tagesschau. Für einen egozentrischen Machtmenschen wie ihn ist das eine Katastrophe.

Insofern war die Wahrscheinlichkeit, dass sich Peter Feldmann freiwillig zurückzieht, nie größer als jetzt. Denn es geht um die Frage, was von seiner Amtszeit bleibt. Wird er abgewählt (oder hält sich trotz der Rücktrittsforderungen irgendwie im Amt), ist er der ungeliebte Oberbürgermeister. Geht er freiwillig, könnten seine Verdienste für Frankfurter in der Bilanz zumindest eine Rolle spielen.

Und Verdienste gab es. Feldmann setzte gerade zu Beginn seiner Amtszeit die richtigen Akzente, er bekämpfte die Wohnungsnot, setzte einen Mietpreisstopp bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft durch und machte deutlich: Frankfurt ist eine reiche Stadt, doch viele Menschen können sich diese Stadt nicht mehr leisten. Deshalb muss eben der Schwimmbadbesuch für Kinder kostenlos sein und die Betreuung in der Kita erst recht.

Für diesen Mittwoch (25. Mai) hat Peter Feldmann ein Statement vor der Presse angekündigt. Die Journalist:innen sollen am Vormittag vor sein Büro kommen, Rückfragen seien nicht erlaubt, teilt die Pressestelle der Stadt Frankfurt mit. Wieder redet nur einer: Peter Feldmann. (Georg Leppert)

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