Weihnachtsmarkt 2018

Das ist Frankfurts neuer Weihnachtsbaum

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Der Weihnachtsbaum für den Römer kommt aus dem Spessart und hat Charakter. Die FR-Autorin hat bei der Auswahl geholfen.

Gesucht, gefunden. Frankfurt hat eine Fichte für den Weihnachtsmarkt am Römer. Genauer gesagt eine hessische Spessart-Fichte aus Schlüchtern: 31 Meter hoch, gut 80 Jahre alt und mindestens acht Tonnen schwer. Aber am wichtigsten: „Die Äste sind biegsam, der Stamm nahezu kerzengerade, und es klaffen keine großen Löcher im Geäst“, sagt Thomas Feda, Geschäftsführer von Tourismus und Congress Frankfurt. Er hat gestern eine Handvoll Frankfurter Journalisten zum traditionellen „Casting der Weihnachtsbäume“ geladen. Heute wird die Fichte dann gefällt und verladen.

Dass es mehr als genug Auswahl rund um Schlüchtern gibt, zeigt der Blick von oben: Per Flugzeug ging es über die 1200 Hektar Mischwald der Stadt. Doch nur drei Fichten haben es in die engere Auswahl geschafft. Dafür ist Marc Lotz vom Bauhof im Schlüchtern tagelang durch die Wälder gezogen. Denn für den Frankfurter Weihnachtsmarkt darf es natürlich kein beliebiger Baum sein. Feda hat da einen langen Kriterienkatalog. „Schließlich ist das der Weihnachtsbaum, über den in Deutschland am meisten gesprochen wird“, sagt er. Bislang hatte Frankfurt jedenfalls immer den größten freigeschlagenen Baum. Dafür ruft Feda Jahr für Jahr die Kollegen in anderen großen Städten an und hakt nach, erzählt er. 30 Meter müssen es schon sein. „In der Stadt der Hochhäuser können wir keinen kleinen Baum aufstellen“, sagt Jörg Renneisen, der für den Baumschmuck verantwortlich ist.

Einer der drei Schlüchterner Bäume scheidet deshalb gleich aus. Gerade mal 24 Meter misst die Rotfichte auf dem Schlüchterner Friedhof. Ansonsten ist die Fichte ein Weihnachtsbaum wie aus dem Bilderbuch: dicht bewachsen, kräftiges Grün und ausladene Äste. Aber zu klein ist zu klein. „Da müssen wir noch a weng länger warten“, sagt Feda. Doch warten geht nicht, der prominente Platz auf dem Römer ist beliebt: Spessart Tourismus und Marketing hatte sich bereits im vergangenen Jahr beworben, den Weihnachtsbaum 2018 zu stellen, und die nächsten beiden Jahre sind auch schon vergeben.

Der Druck ist hoch: Der Weihnachtsbaum sorgt weit über die Stadtgrenzen hinaus für Gesprächsstoff, Weihnachtsbaum-Nörgeln wird zum Ende des Jahres fast ein Volkssport. Und gerade im vergangenen Jahr konnte der Baum aus dem Sauerland nicht punkten. „Irrwisch“ und „Bäumchen Kümmerling“ waren da vor allem im Internet noch die netteren Bezeichnungen. Die unteren Äste hingen hinab, viele waren beim Aufstellen abgebrochen.

Das soll in diesem Jahr nicht wieder passieren. Deshalb scheidet auch ein anderer Baum sofort aus: An der mindestens 100 Jahre alten Fichte auf einem Privatgrundstück klaffen zwei große Löcher und die Äste sind zu unflexibel. Zwar kann Jörg Renneisen, Weihnachtsbaum-Stylist, wie Feda ihn nennt, den Baum noch aufhübschen, doch auch das hat Grenzen.

Ein Baum mit Charakter

Und dann ist da Fichte Nummer drei: ein Baum mit Charakter. Sprich: nicht aus dem Bilderbuch, sondern eben aus der Natur. Und die hat die Auswahl in diesem Jahr durch lange Trockenheit und heftige Stürme erschwert. Marc Lotz und die Förster haben den Baum deshalb so gut es geht, „gepampert“, also immer wieder mit Wasser versorgt, sagt er.

Das Risiko, dass der Baum mehr als üblich nadelt, ist dennoch höher als in anderen Jahren. Da kann dann selbst der Baum-Stylist Renneisen nichts mehr machen. Weil dieses Jahr Mastjahr ist, hat der Baum zudem viele Zapfen. Die werden vor dem Aufstellen entfernt. Zu gefährlich wäre es, wenn sie aus 30 Metern Höhe herunterfallen.

Doch mit dem Finden des Baumes ist erst eine Herausforderung genommen, die zweite steht heute bevor: der Abtransport. Durch unbefestigte und kurvenreiche Waldwege muss ein Sattelschlepper den 30 Meter langen Baum aus dem Wald bringen. „Ich hab auch schon mal erlebt, dass der Sattelschlepper für zwei Kilometer gut acht Stunden gebraucht hat. Oder dass die Krone abgebrochen ist. Oder dass der Sattelschlepper in Frankfurt stecken geblieben ist“, sagt Feda. Wie der Baum dann am Ende tatsächlich aussieht, könne man erst sagen, wenn er tatsächlich an seinem Ziel angekommen ist, Zeit zum Aushängen hatte und von Jörg Renneisen mit 4000 Lichtern und 500 roten Schleifen geschmückt wurde.

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