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Julia Frank wurde zur Vorsitzenden des Frankfurter Stadtelternbeirats gewählt.

Schulen in Frankfurt

Frankfurts neue Stadtelternbeirätin: „Es fehlt an Lehrern“

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Julia Frank ist neue Vorsitzende des Stadtelternbeirats. Sie moniert fehlendes Personal an Schulen und will nach den Querelen der vergangenen zwei Jahre Vertrauen wiedergewinnen.

Frau Frank, Sie sind Ende vergangener Woche zur neuen Vorsitzenden des Stadtelternbeirats gewählt worden. Was wollen Sie nun als erstes anpacken?

Die Digitalisierung. Da gibt es zwar in Frankfurt derzeit ein Pilotprojekt mit WLAN für 14 Schulen und sechs Berufsschulen, es gibt aber noch etwa 145 andere Schulen, die sehnsüchtig auf eine zeitnahe Ausstattung warten. Und bis Ende 2021 müssen die Gelder aus dem Digitalpakt des Bundes abgerufen sein. Da geht es auch nicht nur um WLAN. Wir wollen einen konkreten Plan von der Stadt sehen, wie das Geld in den nächsten 23 Monaten an den Schulen sinnvoll eingesetzt wird. Wir wünschen uns mehr Unterstützung vom Staatlichen Schulamt für die Schulen und Lehrer beim Entwerfen der geforderten Digitalisierungskonzepte. Man müsste das Rad ja nicht an jeder Schule neu erfinden, sondern könnte sich austauschen.

Was kann der Stadtelternbeirat zu allem beitragen?

Wir können in der Politik nicht nur platzieren, wie wichtig das Thema ist, sondern auch kontinuierlich nachhaken und Fortschritte nachhalten. Denn es führt ja auch noch weiter: Wie sieht es mit den personellen Ressourcen für die Digitalisierung aus? Da sind IT-Fachkräfte notwendig – für die technische Wartung können nicht auch noch die Lehrer eingesetzt werden.

Weil sie ohnehin schon überlastet sind?

Unterrichtsausfall, Lehrermangel, Überlastungsanzeigen – das Staatliche Schulamt ist da dran, hat einen Arbeitskreis gegründet. Aber die werden da auch feststellen: Lehrer wachsen nicht auf Bäumen. Um zu entlasten, wird mehr Personal gebraucht. Besonders mangelt es an Förderlehrern an den Regelschulen. Inklusion ist ein großes aktuelles Thema. Es gibt aber auch große Sorgen bei Eltern, dass Förderschulen geschlossen werden. Die Vielfalt an Schulformen ist aber sehr wichtig. Hauptschulen sind teilweise schon geschlossen worden. Gerade die integrierten und kooperativen Gesamtschulen müssen dies nun auffangen. Dabei besteht die Gefahr, dass sie zum Sammelbecken werden für alles, was woanders wegfällt. Dies ist weit entfernt von einem Konzept, bei dem Pädagogik und gelebte Inklusion im Vordergrund stehen.

Zur Person

Julia Frank (44) hat zwei Kinder, lebt in Nieder-Eschbach und leitet das Booking bei einer Konzertagentur. Sie ist seit zwei Jahren im Vorstand des Stadtelternbeirats aktiv. Nun übernahm sie den Vorsitz von Eckhard Gathof.

Aktuell ist der Übergang von der vierten Klasse in die weiterführende Schule großes Thema unter Eltern. Im vergangenen Jahr gab es Unmut, weil der Stadtelternbeirat keine telefonische Beratung für Eltern dazu anbot. Wie wird das der neue Stadtelternbeirat handhaben?

Wir haben hochmotivierte Vertreterinnen und Vertreter im Grundschulausschuss und werden uns mit dem Team für den Übergang zusammensetzen und alle Erfahrungen aus den vergangenen Jahren mit einbringen. Dann werden wir uns eine Vorgehensweise für die Zukunft überlegen. Aber prinzipiell müssen die Kriterien für die Auswahl der Schüler überarbeitet werden. Es sollten nicht nur Musik und Sport anerkannte Schwerpunkte sein, sondern auch Naturwissenschaften. Selbst wenn man nicht weiß, ob das Kind ein angehender Physik-Nobelpreisträger wird, kann man in der vierten Klasse oftmals schon ein Interesse erkennen. Es ist auch nicht zielführend, dass Schulen viele Jahre Arbeit und Energie in die Entwicklung ihrer Profile gesteckt haben, die nun bei der Auswahl keine Berücksichtigung mehr finden.

Es gab viele Querelen in den vergangenen zwei Jahren innerhalb des Stadtelternbeirats. Es kam zu Abwahlen und Rücktritten. Ist da Vertrauen in den Stadtelternbeirat verloren gegangen?

Ja. Das werden wir auch als erstes angehen: Vertrauen wieder aufbauen. Wir werden Arbeitsgruppen öffnen, damit auch Externe mitarbeiten und wir an vielen Themen gleichzeitig arbeiten können. An Inklusion, an Schulentwicklungsplanung, Mobbing in Schulen, Integration – viele Themen greifen da ineinander, Arbeitskreise und Gruppen können sich vernetzen. Wir wollen auf jeden Fall keine One-Man-Show. Und die Außenwirkung bezieht sich dann hoffentlich künftig nicht mehr auf Querelen, sondern auf Themen.

Sie sind Mitglied bei den Grünen. Könnte das schwierig werden im bevorstehenden Kommunalwahlkampf und einer sozialdemokratischen Bildungsdezernentin? Wie sehen Sie da Ihre Rolle?

Ich bin bei den Grünen kein aktives Mitglied. Ich habe keine Ambitionen, die Bildungspolitik von grüner Seite her aufzurollen. Wir werden als Stadtelternbeirat nun zu allen Fraktionen im Römer Kontakt aufnehmen und dort unsere Themen platzieren. Natürlich werden wir die Kommunalwahl für unsere Zwecke nutzen – als Lobbyisten für Kinder, Eltern und Schule.

Interview: Sandra Busch

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