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Björn Wissenbach erläutert den Spaziergängern die Geschichte des Liebieghauses.
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Björn Wissenbach erläutert den Spaziergängern die Geschichte des Liebieghauses.

Stadtspaziergang

Frankfurts idyllische Seite

  • Christina Lenz
    VonChristina Lenz
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Ein Stadtspaziergang mit Historiker Björn Wissenbach zeigt, wie die Romantiker in Frankfurt ihre Spuren hinterließen. Weitere Stadtspaziergänge sind geplant.

Würden sich Romantiker in der heutigen Finanzmetropole Frankfurt wohlfühlen? Wohl kaum. Denn die seit Anfang des 19. Jahrhunderts am Main tätigen Künstler suchten nach bürgerlicher Idylle, nach Natur, Heimat und Harmonie. Auf der „Ansicht von Frankfurt“ des romantischen Malers Domenico Quaglio aus dem Jahr 1831 dominieren folgerichtig Wolken, Himmel und Wasser. Die Silhouette der Stadt, der Ort des Politischen, verschwimmt in der gefälligen Abendsonne.

Der Historiker Björn Wissenbach führt auf einem „Stadtspaziergang zur Romantik“ vom Museum Giersch, wo gerade eine Ausstellung zur „Romantik im Rhein-Main-Gebiet“ eröffnet wurde, zum Liebighaus, über Main, Rossmarkt und Hauptwache zum Dom. An allen Stationen lässt sich etwas über die Romantik und ihre Künstler lernen.

So stand an der Hauptwache einst das Verlagshaus von Friedrich Wilmans, einem der wichtigsten Verleger romantischer Literatur, der Schlegel, Hoffmann und Hölderlin der Öffentlichkeit zugänglich machte. Große romantische Geister wie Clemens Brentano, Bettina von Arnim und Karoline von Günderrode, aber auch unbekanntere Künstler wie Philipp Veit und Moritz von Schwind lebten in Frankfurt.

Dass sich die Stadt am Main im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung rasant wandelte und soziale Probleme wie Unkraut aus dem Boden sprossen, ist in den Werken vieler Romantiker jedoch nur wenig zu sehen. Laut Wissenbach war dafür vor allem der 1819 von Metternich errichtete Polizei- und Spionagestaat verantwortlich. Durch strikte Zensur und die Beschattung potenzieller Staatsfeinde zwang er Frankfurter Bürger in die Isolation ihrer biedermeierlichen Wohnstuben. Diese Abschottung trieb viele Romantiker in eine künstlerische Rückwärtsgewandtheit.

Noch entschiedener rückwärts wendet sich die einzige romantische Künstlergruppe, die sich in Frankfurt wirklich etablierte: die Nazarener. Um den damaligen Städelchef Edward von Steinle versammelten sich junge Künstler, die – als hätte es Aufklärung und Säkularisierung nie gegeben – in ihrer Malerei einem jahrtausendealten Katholizismus frönten und enthusiastisch religiöse Motive malten. Goethe spottete, dass es diese Talente „in den Schoß der Mutter“ zurückziehe. Aus dieser Zeit sind zwei Wandgemälde von Steinles im Frankfurter Dom erhalten, die „Szenen aus deutscher Reichsgeschichte“ zeigen und sich einst durch das ganze Kirchenhaus zogen. Nach dem zweiten Weltkrieg galten sie als nationalistisch und wurden großteils zerstört. Das völkische Element der Romantik wäre auch heute noch schwer zu ertragen, haftete nicht vielen Werken auch etwas Ironisches, Doppelbödiges, ja fast Augenzwinkerndes an. Und damit passen die alten Romantiker dann wohl auch wieder in das kontrastreiche Frankfurt.

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