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Löwenpapa Kumar, sichtlich begeistert von der Gesamtsituation.

Zoo

Frankfurts Gespür für Pinguine

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Viel Andrang am Tierpatentag im Zoo, aber alle sind vernünftig – außer Hobbit natürlich. Der FR-Patenpapagei hat einen Wunsch. Der FR-Patenpinguin hingegen hält sich bedeckt.

Die Sirenen heulen. Alles in Ordnung – im Zoo funktionieren sie also noch. Aber Moment, sollte der Alarmtest nicht am Donnerstag …? Ah, es sind gar nicht die Sirenen. Es sind die Robben. „Die sollten mal zu uns umziehen“, sagt ein Robbenverehrer und lacht. „Bei uns hat gestern gar nix geheult.“

Ja, Zoobewohner haben Fähigkeiten, da träumen Menschen nur davon. Am Freitag beim großen Treffen der Zootierpatinnen und -paten lässt es sich wieder hautnah erleben. Na ja, fast hautnah. Oder besser: fast fellnah.

„Ist unser Bartgeier rasiert?“, fragt launig Hans Zauner, als er am Nachmittag mit Gattin Renate und Enkel Luis (6) in den Tierpark kommt. Sie haben in diesem Jahr zwei Patentiere, nämlich einen Bartgeier und einen Kiwi. Während der Kiwi sich selten sehen lässt, weil nachtaktiv, besticht der Bartgeier durch seinen Hals. „Der ist ja nicht typisch geierartig“, sagt Hans Zauner, „die haben sonst einen nackten Hals.“ Genau wie wir typisch geierartigen Menschen also. Wie findet Luis den Bartgeier? „Gut.“ Sein Lieblingstier? Kurz überlegen. „Pinguin.“

Exzellente Wahl. Schauen wir gleich mal bei den Humboldtpinguinen vorbei. Die haben ja zurzeit Besuch von 20 Artgenossen aus Mannheim. Es ist ein großes Gewusel. Familie Spieckermann sucht nach dem fünften Familienmitglied, nämlich Pinguin Perla. „Die Patenschaft habe ich voriges Jahr meiner Frau zum Geburtstag geschenkt“, sagt Papa Sven. „Sie liebt Pinguine.“ – „Ich liebe auch Pinguine“, verkündet Töchterchen Jette. Ihr Bruder Yannik hat ebenso viel für Watschelvögel übrig. Genau wie die Frankfurter Rundschau, deren Patenpinguin Sams-Mischa da irgendwo … jetzt haltet mal still!

Patenzahlen

2588 Patinnen und Paten sorgen zurzeit mit rund 3100 Patenschaften für die Tiere im Frankfurter Zoo. Platz 1 der beliebtesten Tiere hält souverän das Erdmännchen (539 Patenschaften) vor Zwergziege (140), Kurzohr-Rüsselspringer (119) und Humboldtpinguin (116). Ohne Paten sind etwa Jacarinifink (25 Euro im Jahr) und Nashorn (5500 €). Mehr dazu auf www.zoo-frankfurt.de, der frisch überarbeiteten Website.

Tierpflegerin Ann-Kathrin Will erzählt ein wenig von den Pinguinen. Dass Damen ihre Flossenbinde mit dem Namen rechts tragen, die Herren links. Und dass es ganz günstig gewesen wäre, mal die Scheibe zu putzen, dann seit einem halben Jahr waren dort, wo sieben Paten mit ordentlich Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung jetzt stehen, nur Spinnen zu Gast.

Schüchterne Pinguine

Die Spinnen lauschen gemeinsam mit den Menschen interessiert den Worten von Ann-Kathrin Will. Sie erzählt, dass die Leute vom Zoo die Besuchspinguine aus Mannheim alle einzeln per Hand zu den Gastgebern aus Frankfurt ins Becken bringen mussten, weil sie sich selbst nicht trauten. „Das war ziemlich schmerzhaft.“ Für die Menschen. Man kann als Pinguin zugleich schüchtern und bissig sein.

Aber wo ist Sams-Mischa? Er lässt sich nicht blicken. „Wir suchen Ida“, sagt ein anderer Pate. „Ida hat ihren Ring umgedreht, so dass ihr Name jetzt innen steht“, erklärt Pflegerin Will. „Das ist typisch Ida“, sagt der Mann. Hexe fehlt auch. „Die ist gerade in der Mauser. Die sieht ganz schlimm aus.“ Klar, dass man dann ungern unter Leute geht.

Kea Hobbit, Patenvogel der FR-Redaktion, hier mit seiner Interpretation des Kunstwerks „Der Denker“.

Bei den Löwen erzählt Revierleiterin Anni Fuchs gerade, dass ein Junges ein Bein verloren habe und dass in diesem Sommer vier auf die Welt gekommen seien. Was? Vier junge Löwen? „Nein, wir sprechen von den Fossas“, sagt sie.

Ganz schön aufregend, so ein Tierpatentag im Zoo. Leider nicht bei den Menschenaffen, da ist gesperrt wegen Infektionsgefahr. War es bei Kea Hobbit, dem FR-Patenvogel Nummer 1, auch lange Zeit, aber eher wegen des benachbarten Irrgartens. Jetzt darf man wieder hin. Hobbit freut sich angemessen. Es regnet gerade in seiner Voliere. „Hey Hobbit, schicke Beregnungsanlage!“ – „Ja, hat mich viel Arbeit gekostet.“ – „Wie geht es sonst so?“ – „Euer blödes Virus nervt tierisch. Könnt ihr das in Zukunft bleiben lassen?“ – „Wir tun unser Bestes, Hobbit. Ehrlich.“ – „Kann ich das haben?“ – „Hobbit! Lass meinen Mund-Nasen-Schutz.“ – „Nichts darf man!“ – „Ich bring dir einen Schnabelschutz mit, wenn alles wieder gut ist.“ – „Deal.“

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