Frankfurt. 15.09.2021. Flughafen Fraport. Flugzeuge, Start- und Landbahn. Flugbetrieb.
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Der Frankfurter Flughafen.

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Frankfurts Flughafen droht Chaos

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Verdi warnt vor Folgen von Personalabbau und stagnierendem Lohn. Eine schnelle Lösung ist ausgeschlossen.

Erst der Abbau Tausender Beschäftigter. Jetzt sucht Frankfurts Flughafenkonzern händeringend Ersatz. Denn der Verkehr zieht an, die Menschen wollen wieder in den Urlaub fliegen. Der Start in die Ferien könnte schwierig werden, warnte Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte. Im bevorstehenden Reisesommer sei mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Es könne zur Verschiebung von Flügen kommen oder sie würden gar ganz gestrichen.

Eine Situation, die die Gewerkschaft Verdi vorhergesehen hat. „Wir haben vor einem so großen Personalabbau gewarnt“, sagt Gewerkschaftssekretär Christoph Miemietz der Frankfurter Rundschau. Mit den vorhandenen Kräften sei die Arbeit in den Verkehrsspitzenzeiten nicht mehr zu bewältigen. Es drohe Chaos auf Deutschlands größten Flughafen: „Im Sommer wird es knallen, weil das Personal nicht ausreicht.“

Der Flaschenhals sind die Bodenverkehrsdienste, die Flugzeug- und Gepäckabfertiger. „Aktuell haben wir dort in den Spitzenzeiten bis zu 30 Prozent wenig Leute als vor Corona“, sagt Miemietz. „Das führt zu Frust beim Personal und den Passagieren.“

Die Arbeit habe sich verdichtet – bei gesunkenem Lohn. Grund ist der Notlagentarifvertrag, in dem die Beschäftigten auf Lohnsteigerung und Jahresbonus verzichtet hatten, um das Unternehmen zu retten. Zum Dank müssten sie jetzt noch mehr schaffen – neben Leiharbeitern, die 30 Prozent mehr verdienen, so Miemietz. „Das macht die Arbeitsplätze bei Fraport unattraktiv.“ Die Stimmung sei schlecht, die Krankenquote steige. Die Zahl der Eigenkündigungen ebenfalls – obwohl die Krise überwunden scheint.

Der Arbeitsmarkt ist laut Fraport leer gefegt. Mehr als 100 neue Leute würde der Konzern gerne pro Monat einstellen. Gesucht wird laut Schulte auch mit Hilfe von Personaldienstleistern unter anderem im europäischen Ausland. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau rekrutiert die Flughafenbetreiberin ebenfalls im Nicht-EU-Staat Bosnien. All diese Bemühungen werden die aktuelle Not nicht lindern können. Die Sommerferien stehen an. Und alle Mitarbeitenden müssten erst Sicherheitsüberprüfungen ablegen und angelernt werden.

Falsche Personalpolitik

Verantwortlich für die aktuellen Probleme, sagt Gewerkschafter Miemietz, ist „die kurzfristige Denke im Management, die Personal nur als Kostenfaktor“ betrachte. Dabei müsse doch allen klar sein: „Nur mit motiviertem Personal können langfristig Passagiere gut in ihren wohlverdienten Urlaub kommen.“ Für den Sommer erwartet Fraport-Geschäftsführer Schulte bei den Passagierzahlen 70 bis 75 Prozent des Vorkrisenniveaus. Die Erfahrung aus der Osterzeit zeige, dass es zu einzelnen Verkehrsspitzen am Tag komme, während das Aufkommen danach wieder steil abfalle. Eine Bewegung, die mehrmals täglich stattfinde und die Disposition so schwierig mache. „Für die wenigen Spitzenstunden am Tag haben wir noch nicht 100 Prozent Personal zur Verfügung“, so der Manager jüngst in der Hauptversammlung.

Für den Frankfurter Flughafenausbaugegner Wolfgang Heubner handelt es sich um ein „rein hausgemachtes Problem“. Innerhalb von zwei Jahren habe Fraport 25 Prozent der Gesamtbelegschaft entlassen, obwohl der Bund den Anspruch auf Kurzarbeitergeld auf bis zu 28 Monate verlängert hatte. „Hiermit hätte man viele in die Aufgaben eingewiesene Mitarbeiter halten können“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen. Die Geschäftsführung habe bewusst in Kauf genommen, dass solche Engpässe auftreten: „Dies ist unverantwortlich sowohl gegenüber den Nutzern des Flughafens als auch insbesondere gegenüber dem eigenen Personal und zeigt deutlich auf, was Fraport von ihrem Personal hält.“

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