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Frankfurts Ex-OB Andreas von Schoeler erhält Ignatz Bubis-Preis: „Es ist eine große Ehre “

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Von: Kathrin Rosendorff

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Der Preisträger Andreas von Schoeler (Mitte) trägt knallige Krawatte mit Hühnern, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg ihre Amtskette in der Paulskirche.
Der Preisträger Andreas von Schoeler (Mitte) trägt knallige Krawatte mit Hühnern, Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg ihre Amtskette in der Paulskirche. © Christoph Boeckheler

Der ehemalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler wird für sein Engagement für das Jüdische Museum und jüdisches Leben in Frankfurt geehrt. Für den 74-Jährigen eine besondee Ehrung. Er war mit dem ehemaligen Zentralrat der Juden Ignatz Bubis freundschaftlich verbunden.

Das Erste, was der ehemalige Oberbürgermeister Andreas von Schoeler am Rednerpult nach der Laudatio auf ihn in der Paulskirche sagt, ist: „Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man sich selbst nicht wichtig nehmen, sich nicht in den Mittelpunkt stellen soll. Insofern ist mir das auch ein bisschen peinlich. Aber meine Eltern waren offensichtlich nicht zu 100 Prozent erfolgreich mit ihren Bemühungen, denn es hat mir durchaus gefallen, was Sie gesagt haben.“ Der 74-Jährige lacht und steckt mit seinem Lachen das Publikum - unter ihnen auch die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth - an. An diesem Mittwoch erhält Schoeler den Ignatz Bubis-Preis für Verständigung.

Die Auszeichnung wird ihm für sein langjähriges Eintreten für die Interessen des Jüdischen Museums und der Jüdischen Gemeinschaft in Frankfurt verliehen. Zum blauen Anzug trägt er eine orangefarbene Krawatte mit Hühnern darauf, die man aber nur vom Nahen erkennt. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) trägt an dem, wie sie sagt, „sehr besonderen Tag“ und für den „sehr besonderen Preisträger“, ihre silberfarbene Amtskette, als sie ihm den Preis überreicht.

Von Schoeler war von 1976 bis 1982 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenminister; 1982 trat er aus der FDP aus und in die SPD ein. 1984 bis 1987 war er hessischer Innenstaatssekretär und von 1991 bis 1995 schließlich Frankfurts Oberbürgermeister. Bis 2021 war er zudem Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums. Ignatz Bubis kannte von Schoeler bereits seit Mitte der 60er-Jahre, erzählt er, da waren beide noch FDP-Politiker. Er und der ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland seien freundschaftlich verbunden gewesen. Die Begegnungen mit Bubis bewegten ihn emotional, er habe dessen unermüdliches Engagement trotz des andauernden Judenhasses gegen jegliche Form von Antisemitismus und Rassismus bewundert. So beispielsweise erzählt er, wie Bubis in den 90ern in Zeiten von rassistischen Anschlägen wie in Mölln mit Schulklassen in entferntesten Dörfern sprach, weil er an die Kraft des Sprechens und Zuhörens glaubte. „Es ist eine große Ehre den Preis zu erhalten, der seinen Namen trägt“, sagt von Schoeler. Im Publikum sitzen auch seine Frau, die frühere HR-Journalistin Ulrike Holler, und seine Enkeltochter. Die Laudatio, die von Schoeler so gefällt, hält Raphael Gross. Der Historiker und Präsident des Deutschen Historischen Museums Berlin war von 2006 bis 2015 Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt. Am Rednerpult erzählt er von seiner ersten Begegnung mit von Schoeler. 2008 oder 2009, so ganz sicher ist er sich nicht, besuchte er den ehemaligen Oberbürgermeister in dessen Haus im Dichterviertel.

Der Anlass: Jüdisches Leben in Frankfurt sichtbarer zu machen und den Förderverein des Jüdischen Museums zu beleben, ein Ehrenamt, das, wie Gross es ausdrückt, „nicht besonders glamourös war“. Der Verein hatte kein Geld und kaum Mitglieder. Von Schoeler habe aber nicht überredet werden müssen, sondern „er fing einfach an“. Und zwar, als sei es ein zentrales Amt. Wenn er Leute anrief, habe er gesprochen, als sei er noch Oberbürgermeister. Er nutzte seine Netzwerke. In seinem Engagement ähnele er Bubis, so Gross. Der Beschluss des Magistrats für die Erweiterung des Jüdischen Museums 2015 wäre ohne von Schoeler nicht so schnell passiert.

Was macht von Schoeler mit dem Preisgeld von 50 000 Euro? „Das weiß ich noch nicht, wahrscheinlich spenden“, sagt er, bevor er Richtung Buffett geht.

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