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Frankfurts DGB-Chef zu Binding-Beschäftigten: „Die ganze Stadt steht hinter euch“

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Von: Steven Micksch

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Wollen geschlossen zusammenstehen: Die Beschäftigten der Abfüllung bei Binding.
Wollen geschlossen zusammenstehen: Die Beschäftigten der Abfüllung bei Binding. © Michael Schick

Die von der Entlassung bedrohten 157 Beschäftigten der Binding-Brauerei erfahren am Werkstor viele Solidaritätsbekundungen. Die Politik müsse nun aktiv werden. Auch der Kauf der Brauerei wird gefordert.

Es war schon ein beeindruckendes Bild, als so viele Menschen der Reihe nach in ihren gelben Warnwesten die lange Zufahrt der Brauerei Binding hinunterliefen und dabei „Binding bleibt“ skandierten. Bei der drohenden Schließung der Abfüllung der Brauerei stehen 157 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die Zahl der Protestierenden war am Donnerstagnachmittag am Eingangstor sogar höher.

Uwe Hildebrandt, Landesbezirksvorsitzender der zuständigen Gewerkschaft NGG Südwest, sah die Anteilnahme der vielen Menschen aus der Stadtgesellschaft als klares Signal: „Zieht euren Beschluss zurück!“ Das Bier müsse weiterhin in Frankfurt produziert werden.

Dirk Neumann von der IG Metall bekundete die Solidarität seiner Gewerkschaft. „Die Erfahrung zeigt, wenn die Kampfbereitschaft hoch ist, kann man viel bewegen.“

Frankfurts DGB-Chef Philipp Jacks sagte: „Die ganze Stadt steht hinter euch.“ Die Mitarbeitenden müssten zusammen für den Erhalt einstehen, nicht nur die Betroffenen aus der Brauerei. Die Menschen seien wichtiger als die Margen der Aktionäre.

Der hessische SPD-Abgeordnete Turgut Yüksel erinnerte daran, dass die 157 Arbeitsplätze eben auch 157 Menschen und 157 Familien seien. Es sei unverantwortlich, in dieser inflationären Zeit Menschen zu entlassen. Er forderte ebenfalls, die Schließung zurückzunehmen.

Axel Gerntke von der Linken-Fraktion im Landtag ging noch einen Schritt weiter und forderte die Koalition auf, die Brauerei als staatliches Gut zu übernehmen. Er warnte aber davor, sich auf die Politik zu verlassen. Einige Parteien würden zwar Solidarität bekunden, ließen dann aber keine Taten folgen.

Annette Ludwig vom Ortsfrauenausschuss der IG Metall sagte, dass mit Schließung der Brauerei auch ein Kulturgut und ein Stück Frankfurter Identität vernichtet werde.

Am Samstag um 10 Uhr treffen sich die Beschäftigten erneut vor dem Werkstor an der Darmstädter Landstraße. Sie hoffen dann auf viele weitere Frankfurterinnen und Frankfurter, die sich dem Protest für den Erhalt der Traditionsbrauerei anschließen. Gemeinsam wolle man dann zum Startpunkt der großen „Solidarität in der Krise“-Demo auf dem Roßmarkt ziehen. Wenn diese Demo sich dann am Mittag in Bewegung setze, werde man ganz vorne mitmarschieren.

Betriebsratsmitglied Manfred Bonn zeigte sich am Donnerstag sehr ergriffen von der großen Anteilnahme, aber auch der Bereitschaft der Belegschaft. „Es war schlimm, als ich davon hörte“, sagt er mit Blick auf die Schließungspläne.

Er habe selbst jahrelang in der Abfüllung gearbeitet, kenne die Leute vor Ort und fühle mit ihnen. Viele seien Anfang 50 oder 60, manche dazu noch schwerbehindert. „Die werden ganz schlecht wieder Arbeit bekommen.“ Er selbst sei kampfbereit und freue sich über die Unterstützung aus den anderen Standorten des Konzerns.

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