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In einigen Frankfurter Stadtteilen mangelt es unter anderem an Kinderärzten. 

Frankfurt-Berkersheim

In Frankfurts äußeren Stadtteilen fehlen Haus- und Kinderärzte

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Die Ortsbeiräte in Riedberg und Berkersheim beklagen die Ärzteversorgung. Der zugrundeliegende Bedarfsplan zeige nicht mehr die Realität der Gegenwart. 

Viele Bürger und vor allem die Ortsvorsteher einiger Stadtteile machen sich Sorgen über die ärztliche Versorgung in Frankfurt. Das ist das Fazit einer Diskussion, zu der Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) eingeladen hatte. Als Experte war Eckhard Starke, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) gekommen.

Starke machte Mut, dass durch eine Reformierung der Bedarfsplanung bald 300 mehr Sitze für Hausärzte und 40 für Kinderärzte in Hessen entstehen könnten. Der Experte sprach auch von acht Plätzen, die auf Frankfurt entfallen könnten, allerdings sei das höchst spekulativ und alles andere als spruchreif.

Die Bedarfsplanung für Ärzte stammt noch aus einer Zeit, als es zu viele Ärzte gab und das ganze reguliert werden sollte. Ein Zustand der heute kaum noch vorstellbar ist. Das Relikt aus einer anderen Zeit hat zusätzlich aber auch einige Schwächen. So werde beispielsweise nicht das Alter der Ärzte bei der Bedarfsplanung mit einbezogen. Ein 68-jähriger Arzt schafft also genau so viele Patienten wie ein 38-jähriger, obwohl die Realität manchmal etwas anderes zeige.

Ärzteversorgung Laut Planungsoll ein Hausarzt in Frankfurt 1769 Patienten versorgen, ein Kinderarzt 2405 Patienten.

In Frankfurtgibt es Stand 2017 insgesamt 504 Hausärzte (Versorgung 114 %)und 60 Kinderärzte (115 %). Damit ist Frankfurt überversorgt und hat laut Planung zu viele Kinder- und Hausärzte.

Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, Hautärzte, HNO-Ärzte, Psychotherapeuten, Urologen – auch hier herrsche laut Plan eine Überversorgung. mic

Um der Bedarfplanung etwas auf die Sprünge zu helfen, wird in Berlin eine Reform angestrebt. Ein Grundsatz der geplanten Anpassung: Ein Patient soll nur 15 Minuten Fahrt bis zum Hausarzt und 20 Minuten bis zum Kinderarzt haben. Ein hehrer Grundsatz, der in manchen Stadtteilen aber zu Problemen führt. Die einzelnen Mitglieder der Ortsbeiräte berichteten von Aufnahmestopps bei Haus- und Kinderärzten. Wer einen Termin bekomme, müsse erst durch die halbe Stadt fahren und brauche deutlich länger als 15 oder 20 Minuten.

„In Riedberg haben wir nur einen Kinderarzt“, berichtete Carolin Friedrich, Ortsvorsteherin in Kalbach-Riedberg. Julian Langner vom Ortsbeirat 10 brachte ein noch verheerenderes Beispiel: „In Berkersheim gibt es nicht einen einzigen Hausarzt.“ Dass laut Bedarfsplanung in Frankfurt trotz großer Unterschiede in den Stadtteilen eine Überversorgung bei Haus- und Kinderärzten herrsche, liege daran, dass Frankfurt als ein einziges großes Gebiet betrachtet werde. Es gebe also genug Hausarztpraxen, nur diese befänden sich beispielsweise in der Innenstadt und nicht in den äußeren Stadtteilen. Dass älteren Menschen zugemutet werde, erst eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arzt zu fahren, stieß bei den Anwesenden auf großen Unmut.

Eckhard Starke zeigte durchaus Verständnis dafür, betonte aber immer wieder, dass die KVH nicht die Entscheidungen treffe. „Wir müssen uns an die gesetzlichen Vorgaben halten.“ Mit Sonderbedarfen könnte man zwar zusätzliche Stellen schaffen, aber diese müssten dann die niedergelassenen Ärzte in Frankfurt finanzieren. Die Krankenkassen zahlten nicht.

Für die Zukunft malte der KVH-Vizechef kein besseres Bild. Es zeichne sich ab, dass immer weniger Medizinstudenten Hausärzte werden wollen. Zudem gebe es einen Trend, dass immer mehr Ärzte Angestellte werden und keine eigenen Praxen mehr eröffnen. Und es gebe bereits jetzt einen Mangel an Allgemeinmedizinern. „Selbst wenn neue Stellen für Hausärzte geschaffen würden, ich habe gar niemanden um sie zu besetzen“, sagte Starke.

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