IMGL1944_110820
+
Hier sähe die CDU gern das neue Schauspielhaus.

Stadtentwicklung

„Osthafen für Bühnen ungeeignet“

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) findet der Osthafen sei als neuer Standort für die Städtischen Bühnen wegen der schlechten Verkehrsanbindung indiskutable.

Der Osthafen ist als künftiger Standort der Städtischen Bühnen wegen der unzureichenden Verkehrsanbindung nicht geeignet. Darauf hat Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) in einer umfangreichen Stellungnahme hingewiesen. Der Stadtrat reagierte auf das FR-Interview mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Jan Schneider, in dem dieser das Raab-Karcher-Gelände, Mayfarthstraße 14, im Osthafen als sehr guten Ort für eine Theaterdoppelanlage gewürdigt hatte.

Oesterling betont dagegen, das Raab-Karcher-Grundstück liege rund 500 Meter von der Straßenbahnlinie 11, der U-Bahn im Ostbahnhof und der künftigen S-Bahn-Station Ostbahnhof entfernt. Das stelle keine akzeptable Erschließung mehr dar. Bei Regenwetter könne das Theaterpublikum nur völlig durchnässt sein Ziel erreichen. Der U-Bahnhof Ostbahnhof werde nur von einer einzigen U-Bahn-Linie erschlossen, der künftige S-Bahnhof nur von einer S-Bahn-Linie. Im Vergleich zur heutigen Lage der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz nennt der Verkehrsdezernent den Osthafen „wegen der großen Entfernung im Grunde indiskutabel“.

Der Stadtrat geht auch auf die anderen Standortvorschläge für die Städtischen Bühnen ein, die jetzt von der Kommune geprüft werden. Gegen die „Spiegellösung“, also den Bau des Schauspiels direkt gegenüber der Oper auf der anderen Seite des Willy-Brandt-Platzes, spreche der „sehr gravierende Eingriff in die Wallanlagen“. Die Fläche gegenüber der Alten Oper am Opernplatz, deren Nutzung für den Bau des Schauspiels jetzt untersucht wird, nennt Oesterling „gänzlich ungeeignet“. Unter dem Grundstück verliefen die beiden Einzeltunnel der S-Bahn, was eine Überbauung schon aus statischen Gründen fast unmöglich mache.

Kritik auch von den Grünen

Beim Bau einer neuen Oper auf dem Areal Neue Mainzer Straße 47-51 betrage die Entfernung zum S-Bahnhof Taunusanlage etwa 150 Meter. Das sei zwar nicht optimal, aber immer noch als sehr gut zu bewerten. Den S-Bahnhof Taunusanlage erreichten künftig nach Inbetriebnahme der nordmainischen S-Bahn sieben S-Bahn-Linien mit 14 unterschiedlichen Zielen. Diese Lösung einer sogenannten Kulturmeile, bei der ein neues Schauspiel am östlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes entstehen würde, bevorzugt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Insgesamt, so urteilt Oesterling, müsse die Politik angesichts des Klimawandels der öffentlichen Verkehrserschließung der künftigen Theater mehr Gewicht beimessen.

Auch die Grünen sehen die Aussagen des CDU-Kreisvorsitzenden Jan Schneider im FR-Interview kritisch. Der Politiker hatte Wohnungsbau am Willy-Brandt-Platz anstelle der Bühnen versprochen. Sebastian Popp, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, sieht „einen weiteren hilflosen Versuch, dem Standort Osthafen für die Bühnen etwas abzugewinnen“. Popp bedauert im Gespräch mit der FR, dass mit der öffentlichen Festlegung Schneiders eine Einigung in der Römer-Koalition auf einen Bühnen-Standort vor der Kommunalwahl am 14. März 2021 wohl nicht mehr möglich sei.

Die Grünen wollten nach den Sommerferien einen umfangreichen Fragenkatalog zu den insgesamt fünf Bühnen-Standorten vorlegen, die jetzt in Prüfung sind. „Wenn diese Fragen beantwortet werden, sind wir Grüne noch vor der Kommunalwahl entscheidungsfähig.“ Geklärt werden müssten aber angesichts des rasanten Klimawandels die Umweltverträglichkeit der neuen Theaterbauten, ebenso eine ökologisch vertretbare Verkehrsanbindung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare