Das, was Experten als Sicherheitsrisiko einstuften - nämlich die Zufahrt ins Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen über die Frankensteiner Straße -, ist mittlerweile mit Beton-Sperren gesichert. Aber hübsch ist was anderes. . . Foto: Friedrich Reinhardt

Terrorabwehr

Für Frankfurter Betonklötze ist keiner zuständig: Keine Alternative gegen Anschläge in Sicht

Von der Zwischenlösung zum Dauerzustand: Wuchtige Betonklötze gehören in der Innenstadt und in Alt-Sachsenhausen inzwischen zum Straßenbild. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. 

Frankfurt.Nizza, Paris, Berlin, London - nach Amokfahrten von Terroristen in diesen Städten machte Polizeipräsident Gerhard Bereswill Druck. Er befürchtete, dass auch in Frankfurt irgendwann jemand einen Lastwagen als Waffe verwenden und ungebremst in eine Menschenmenge steuern könnte. Passiert ist dies glücklicherweise noch nicht. Das mag auch daran liegen, dass das städtische Sicherheitsdezernat schnell reagierte und die Zufahrten zu wichtigen und belebten Plätzen mit massiven Betonquadern verbarrikadiert hat.

An der Konstablerwache oder an der Hauptwache stehen diese Zufahrtssperren schon länger, in Alt-Sachsenhausen erst seit wenigen Monaten. Dort befanden sich offene Flanken der Terrorabwehr, die von der Stadt Frankfurt geschlossen wurden, nachdem unsere Zeitung darüber berichtet hatte.

Dezentere Lösung erwünscht: Übergangslösung droht zum Dauerzustand zu werden

Dass es sich bei den wuchtigen Betonklötzen um keine Dauerlösung handeln kann, war eigentlich von Anfang an klar. Sie seien als schnell zu realisierende Übergangslösung gedacht, hieß es vonseiten des Magistrats. Man werde fest installierte und dezentere Zufahrtssperren einrichten, die sich besser ins Straßenbild einfügen. Doch nun wird klar: Bis dieses Versprechen Wirklichkeit wird, kann es noch lange dauern. Die Übergangslösung droht zum Dauerzustand zu werden.

Andere machen vor, wie es gehen kann: In Ulm schützten Beton-Spatzen den Weihnachtsmarkt. Foto: dpa

Vergangenen Oktober stellten die Dezernenten Markus Frank (CDU, Sicherheit) und Klaus Oesterling (SPD, Verkehr) die Ergebnisse einer "Marktanalyse" vor. Angesichts der Terrorgefahr bieten immer mehr Anbieter technische Lösungen zur Sicherung der Städte an. Es gibt ständig Neuentwicklungen. Frank und Oesterling zeigten Bilder von Bänken, Fahrradständern, Pollern, Blumenkübeln und sogar Tierfiguren, die alle so stabil gebaut und im Boden verankert sind, dass sie einen heranrasenden Mehrtonner stoppen können. Doch passiert ist seitdem nichts.

Konkrete Pläne noch nicht fest: Planungs- und Verkehrsdezernat verantwortlich

In einem Zwischenbericht des Sicherheitsdezernats an die Stadtverordneten heißt es, die Marktanalyse "soll unter Berücksichtigung der Weiterentwicklungen am Markt als Grundlage für weitere Planungen in der Stadt dienen". Dabei sollen "die bisher besonders geschützten innerstädtischen Plätze, aber sukzessive auch weitere Örtlichkeiten im Stadtgebiet, Berücksichtigung finden, insbesondere dann, wenn dort Baumaßnahmen regulär geplant sind."

Der Bericht stammt von März. Auf Nachfrage unserer Zeitung, wie es denn nun konkret weitergeht, konnte keines der beteiligten Dezernate eine Antwort geben. Eine Sprecherin von Markus Frank sagt, mit dem provisorischen Lückenschluss in Alt-Sachenhausen habe das Sicherheitsdezernat seine Aufgabe erfüllt. Nun seien Planungs- und Verkehrsdezernat am Zug. "Wir beteiligen uns gerne am weiteren Planungsprozess, aber die Federführung kann nicht bei uns liegen", so die Dezernatssprecherin.

Wohin damit? Zukunft der Betonklötze unklar

Der Sprecher des Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) wimmelt ebenfalls ab. "Wir kommen ins Spiel, wenn es um die Gestaltung des öffentlichen Raums geht", sagt Mark Gellert. "Aber die entscheidende Frage ist doch, wo die Barrieren aufgestellt werden. Das ist Sache des Verkehrsdezernats. Deshalb sehen wir dort auch die Federführung."

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling hat keinen Sprecher. Er greift bei Zeitungsanfragen selbst zum Telefon. "Ich bin der Auffassung, das soll der Markus Frank übernehmen. Das ist doch eine Sicherheitsfrage", antwortet Oesterling zunächst. Im Verlauf des Gesprächs stellt sich heraus, dass dies wohl als Scherz gemeint war. Von einer Federführung innerhalb des Magistrats will Oesterling allerdings auch nichts wissen. "Es muss als gemeinschaftliche Aufgabe aller drei Dezernate betrachtet werden", sagt er.

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