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Der Direktor genießt noch einmal kurz den Blick auf die Natur vor dem Gesellschaftshaus.
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Der Direktor genießt noch einmal kurz den Blick auf die Natur vor dem Gesellschaftshaus.

Zoo Frankfurt

Frankfurter Zoodirektor Miguel Casares nimmt Abschied

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Der Veterinär verlässt Frankfurt der Familie wegen. Das Band sei indes nicht zerschnitten. „Ich sage nicht tschüs, ich sage auf Wiedersehen.“

Etwas unbehaglich scheint ihm der Rummel um seine Person zu sein. „Heut‘ ist was los“, murmelt er beim Anblick der Gäste. Dann streicht sich Miguel Casares das Sakko glatt und schreitet entschlossen in den Saal des Zoogesellschaftshauses. „Man muss den Stier bei den Hörnern packen“, sagt er bei seiner Abschiedsrede am Dienstag. Ein Motto des Veterinärs und scheidenden Frankfurter Zoodirektors.

„Heute werde ich vielleicht weinen“, sagt er auch. So viele Freunde seien da, die er vermissen werde. Eigentlich werde er die ganze Stadt vermissen. Sie habe ihn gut aufgenommen, sei eine „offene und tolerante Gesellschaft, in der ich mich zu Hause gefühlt habe“. Casares ist der erste Zoodirektor in Frankfurt, der nicht aus einem deutschsprachigen Land kommt. „Der erste Ausländer“, scherzt er. Beeinträchtigt habe das seine Arbeit nicht. „Ich habe mich immer als Frankfurter gefühlt.“

Immerhin hat er in dieser Stadt vor 30 Jahren die ersten Schritte ins Berufsleben unternommen. Als Zoo-Praktikant. Danach hat er an vielen Stationen gewirkt, ist aber zurückgekehrt an den Main. Heute geht er als Direktor der Einrichtung. „Wahnsinn“, sagt er und schüttelt den Kopf.

Seit seinen Praktikumstagen hat sich viel verändert. Die Welt habe ein „enormes Wachstum“ erlebt, den Menschen gehe es so gut wie nie. Das aber habe seinen Preis, sagt Casares ernst: die Zerstörung der Lebensräume der Tiere, das Artensterben. „Dem Hessen-Löwen im Zooeingang geht es sehr gut“, unterstreicht Casares. Die Population der Löwen in der Wildnis hat sich dagegen in 30 Jahren halbiert.

Casares müht sich, das zu ändern. Nicht nur für die Löwen, sondern für all die „Tausenden von bedrohten Arten“. Das würdigt auch OB Peter Feldmann (SPD), das Stadtoberhaupt, das so gerne mit seinen Töchtern in den Zoo geht. Ein Zoo vermittele nicht nur die Ansicht von Tieren, sondern auch, was Tierpflege, Tierschutz, Artenschutz bedeuteten. Casares habe mit seinem nimmermüden Einsatz bewiesen, dass ein Innenstadtzoo auf beschränkten elf Hektar Fläche nicht nur eine Zukunft haben könne, sondern auch beispielhaft die Themen Arten- und Naturschutz den Menschen nahebringen können.

Zwei „Meilensteine“ in diesem Wirken zählt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) auf. Die Konzeptstudie „Zookunft 2030 plus“, in der wichtige Weichen skizziert sind, die es nun zu stellen gelte. Und die Einführung des freiwilligen Naturschutz-Euros, den inzwischen 70 Prozent der Besucherinnen und Besucher zusätzlich für Natur- und Tierschutzprojekte stiften.

Casares ist bei allem Lob für seine Person nicht verlegen, weiterhin zu mahnen. „Alarm zu schlagen“, wie er sagt. In Sachen Artenschutz sei noch sehr viel zu tun. Auch beim Zoo selbst. Viele Anlagen seien nicht mehr zeitgemäß, müssten dringend erneuert werden. Auch ein schreckliches Ereignis in seiner Amtszeit werde er nie vergessen, sagt er: Als der kleine Junge im Graben vor den Kamelen tödlich verunglückte. Das werde ihn verfolgen.

Den Zoo werde er natürlich vermissen, aber auch das Mainufer sagt er später im kleinen Kreis. Dort ist er gerne gejoggt, hat manche Runde gedreht. Das Pendeln zwischen Frankfurt und Madrid wird er nicht vermissen. Der Familie wegen zieht es ihn zurück nach Spanien. Indes: „Ich sage nicht Tschüs, ich sage Auf Wiedersehen.“

Miguel Casares in Alltagsuniform während der Pandemie.

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