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Der Zoodirektor denkt an Bassins, wo „Flusspferde wie Balletttänzerinnen“ laufen.

Frankfurter Zoo

Unterwegs zum Artenschutz

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Zoo-Experten beraten, wohin die Reise im Tierpark geht.

Wir haben viel vor – und wir haben noch nicht viel erreicht“: So skizziert der Frankfurter Zoodirektor Miguel Casares das Konzept, auf das alle warten: „Zookunft 2030+“. Viel verrät er noch nicht davon am Dienstag beim Kolloquium „Zoos im 21. Jahrhundert“, aber immerhin: „Es muss etwas im Bewusstsein der Menschen verändern“, so viel steht fest. Optische Grenzen zwischen den einzelnen Tierarten sollen verschwinden. Löwen und Giraffen, scheinbar in ein und demselben Gehege. „So erreichen wir Faszination“, sagt Casares.

Bis 2023 will er alles konzipiert haben. Weg von Flusspferden in gekachelten Hallen, hin zu hellen, attraktiven Bassins. „Da laufen die Flusspferde wie Balletttänzerinnen. Da wollen wir hin.“

Gemeinsam mit Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) setzt er auf die Schwerpunkte Artenschutz, Bildung und Teilhabe. Das geplante „Conservation Center“ im Zoo-Konzept der Zukunft soll dazu beitragen – und der freie Eintritt für Kinder: „Das ist eine großartige Chance für den Artenschutz in den nächsten Generationen“, sagt Hartwig. Elefanten und Eisbären kommen allerdings nicht mehr in den Frankfurter Zoo zurück; diese Entscheidung, sagt Casares, sei gefallen.

Es geht ums Ganze. Das wird klar, als die Fachleute aus Zoo und Forschung im Zoogesellschaftshauses diskutieren. Eingangs hat Christof Schenck einige Fotos gezeigt, einige Sätze gesagt. Von unvorstellbarer Schönheit hat der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt anhand der Bilder aus kolumbianischen Regenwäldern erzählt. Und von einem unvorstellbaren Bevölkerungszuwachs auf der Erde, der solche Schönheit nach und nach zerstört. Von der achtfachen Einwohnerzahl Frankfurts, die jeden Monat hinzukommt. Vom unwiderruflichen Verlust einer Tierart – alle zehn Minuten.

Mensch bedroht Tierarten „Wir befinden uns in einer Phase des Blindflugs“, sagt Schenck. Niemand könne absehen, was das Aussterben all dieser Tier- und Pflanzenarten bedeute, die der Mensch mit seinem Platzbedarf verdrängt. Aber eines kann Schenck sagen: „Wir sind völlig auf dem falschen Weg. Wir brauchen die Biodiversität zum Leben. Wir brauchen Wildnisgebiete.“ Denn zurzeit könne niemand im Zoo Fragen zuverlässig beantworten wie: „Wird dieser Sumatra-Tiger irgendwann ausgesiedelt? Und wenn ja, wohin? Gibt’s den Lebensraum dann überhaupt noch?“

Hoffnung macht an diesem Nachmittag allen voran der pfiffige Matthias Reinschmidt, Zoodirektor in Karlsruhe. Er setzt nicht nur konsequent das Ziel um, die Menschen so nah wie möglich in den (nachgestellten) Lebensraum der Zootiere zu bringen; er hat nicht nur eine Altersresidenz für ehemalige Zirkuselefanten eingerichtet. Nein – vor allem gründeten die Karlsruher eine Artenschutzstiftung, und sie kämpfen buchstäblich um jeden Euro, um ihn in Projekte zu investieren wie beispielsweise die Wiederaufforstung des Nebelwalds in Ecuador.

Zoobesucher in Karlsruhe begegnen Schildern wie: „Hier könnten Sie ein Quagga sehen, wenn es nicht ausgestorben wäre.“ Und sie, die Besucher, haben die Wahl, am Zooeingang die Zahlung eines „freiwilligen“ Artenschutz-Euros zu verweigern – wenn sie das ausdrücklich sagen. Mehr als 90 Prozent zahlen. Übrigens auch die Stadt und zahlreiche Sponsoren. Da zeigt sich, was gutgelaunter Artenschutz im Zoo hinkriegen kann. „Wir sind die größte Bedrohung für die Tierarten“, sagt Reinschmidt, „aber wir sind auch ihre größte Hoffnung.“

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