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So süß war das Bonobo-Baby Zikombo.

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Frankfurter Zoo: Bonobo-Mutter trauert um ihr Baby

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Die Affen-Dame Nayembi trägt seit Tagen ihr totes Kind mit sich. Warum es gestorben ist, ist noch unklar. Kritik kommt von der Tierrechtsorganisation Peta an der Haltung von Tieren in Zoos.

Fast regungslos sitzt Affendame Nayembi 20 Minuten lang am Freitagmittag in einem Nest des Geheges im Frankfurter Zoo. Vom toten Körper ihres Babys sieht man zunächst nur die leblosen Arme runterbaumeln. Das im Juli 2019 geborene Bonobo-Männchen Zikomo ist in der Nacht zum 1. Januar gestorben. Pfleger hatten den Tod festgestellt. Seitdem lässt die 13-jährige Mutter nicht von ihrem Jungen ab. Selbst als eine andere Affendame ihr Gemüse bringt und Nayembi isst, hält sie das tote Baby zwischen den Beinen. Als sie später herunterklettert, schleift sie den leblosen Körper an einem Arm hinter sich her. „Einfach nur traurig“, sagt Zoobesucher Robert Thompson, der mit seiner Frau und Sohn Lenny (4) aus Kriftel gekommen ist. „Erst als ich am Zoo parkte, hörten wir die traurige Nachricht im Radio“, sagt er und zeigt Handybilder vom Oktober, als Mutter und Baby noch miteinander spielten. Ein paar Kinder rufen: „Warum ist das Baby tot?“

„Die Todesursache ist noch ungeklärt“, sagt Zoosprecherin Christine Kurrle. Denn sie wollten der Mutter das tote Baby nicht einfach entreißen. „Es ist ein natürliches Verhalten der Menschenaffen, dass sie die toten Babys so lange bei sich tragen. Sie brauchen die Zeit, um Abschied zu nehmen. Eine Gorilladame trug ihr totes Baby zwei Wochen mit. Wann die Mutter bereit sei, das Kind abzulegen, hänge auch immer von der Persönlichkeit der Affenmutter ab. Das erste Kind Nila, das 2015 geboren wurde, lebt noch in der Gruppe der Mutter.

Keine Auffälligkeiten

„Das Bonobo-Männchen Zikomo hat vor seinem Tod keine Auffälligkeiten gezeigt“, so Kurrle. Es ist nicht der erste Tod eines Babyaffen im Frankfurter Zoo. 2017 war eines der Zwillingsbabys der Gorilladame Dian kurz nach der Geburt gestorben; ein paar Monate später starb der zweite Zwilling. Außerdem starben Anfang 2017 zwei Bonobo-Jungtiere an Lungen- und Mandelentzündung. „Es gibt eine gewisse Jungtiersterblichkeit. Aber von einer Häufung an Fällen kann man nicht sprechen“, betont Kurrle.

Die Tierrechtsorganisation Peta übt scharfe Kritik. „Aufgrund der unnatürlichen und meist mangelhaften Haltungsbedingungen in Zoo-Gefangenschaft kommt es bei Menschenaffen immer wieder zu plötzlichen Todesfällen.“ Die Tierrechtsorganisation forderte die Zooverantwortlichen auf, die Haltung der sensiblen Tiere schnellstmöglich zu beenden. In deutschen Zoos seien seit Anfang 2010 mindestens 21 junge Menschenaffen gestorben, davon acht Tiere allein im Frankfurter Zoo, schreibt Peta.

„Es ist keine schöne Auflistung. Aber es überleben mehr Jungtiere in Zoos als in freier Wildbahn – und man sollte doch sehen, wie viele Jungtiere im Zoo gesund groß geworden sind“, sagt Kurrle. Den Peta-Vorwurf, dass die Todesursachen durch Infektionen aufgrund schlechter Belüftung und bunkerähnlicher Gehege ausgelöst worden seien, weist der Zoo zurück. „Dass unsere Affen in keinem Bunker wohnen, sieht man als Besucher.“

An diesem Freitag trauern nicht nur Zoomitarbeiter und Besucher. Die Menschenaffen spielen weniger lebhaft als sonst. Einer sitzt still auf dem Ast. Ein anderer klopft gegen den Kopf des toten Affenbabys, so als hoffte er, dass es gleich aufwacht.

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