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Auch 1911 war es warm – Zeitungsanzeige vom 17. Juni.
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Auch 1911 war es warm – Zeitungsanzeige vom 17. Juni.

Vor 110 Jahren

Frankfurter Zeitreisen, die verbinden

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Unsere kleine Juni-Serie „Vor 110 Jahren“ in der gedruckten Zeitung bringt Menschen von heute zusammen. Noch zehn Tage mit Berichten aus dem „General-Anzeiger“ von 1911.

Die Sonnenwende naht, der Kalenderfrühling geht, und auch unser nostalgischer Monat mit dem „Frankfurter General-Anzeiger“ vom Juni 1911 ist schon gut zur Hälfte vorbei. Schade eigentlich – es ist doch enorm spannend, in die Welt von damals abzutauchen, oft stundenlang in den Zeitungsberichten aus alter Zeit zu versinken.

Und so viele Bezüge zu unserer heutigen Welt – so trefflich lässt sich nachschlagen, was daraus geworden ist. Königskrönung in England, Universitätsgründung in Frankfurt, ein Blick ins Lexikon, und wir wissen, wie es weitergehen wird. Wann hat man das schon beim Zeitunglesen: den Blick in die Zukunft, 110 Jahre weit?

Spannend ist es – und lehrreich. Zum Auftakt der Serie am 1. Juni wunderte sich der Reporter von heute noch darüber, was das denn sei, dort in den Stellenanzeigen von 1911: ein „Auslaufer“? Ein „Gußputzer“? Und was, bitte, ist eine „Einleisterin“?

VOR 110 JAHREN: Neun Stunden rund um Frankfurt

Blick in den Frankfurter General-Anzeiger vom 19. Juni 1911:
„Am Sonntag kam das klassische Rennen ,Rund um Frankfurt‘ zum Austrag.“ Den Henninger-Turm gibt es ja noch nicht zum Umrunden, auch der Finanzplatz Eschborn-Frankfurt ist als Namensgeber für Radrennen noch nicht in aller Munde. Start ist um 5.54 Uhr auf der Forsthausstraße, von da geht es über Mörfelden, Darmstadt, Hanau, Friedberg und Idstein nach Rödelheim. Tausende warten am Straßenrand. Über die Spitzengruppe wird spekuliert, bis es gegen 15 Uhr heißt: „Eben kommt einer.“ Großes Hurra. „Nur mit Mühe konnte eine Straße für die ankommenden Fahrer freigehalten werden.“ Als Sieger saust Wilhelm Zeber vom RV Germania Frankfurt nach fast neunstündigem Ritt ins Ziel – acht Minuten vor dem Zweiten. Immobilienmarkt: Villen im Holzhausenpark bietet die Eigenheim-Baugesellschaft, die in der Goethestraße residiert, „zum Preise von 55 000 Mark an“. Nein, da fehlen keine zwei Nullen. Emanzipation: „Der Frankfurter Verein für Frauenstimmrecht machte am Sonntag einen Ausflug nach Wilhelmsbad. In fröhlicher Stimmung wurde die Begrüßung der Vorsitzenden, Oberlehrerin Reitzhaus, entgegengenommen, die in humorvoller Weise auf politische Verhältnisse anspielte. Die Kaffeetafel verlief sehr amüsant. (…) Hervorragend waren die Liedervorträge von Frau Adler und von Fräulein Herzheimer. Großen Beifall fanden auch die Vorträge von Frau Bardorff, besonders im Zwiegespräch mit Fräulein Zeiger.“ Acht Jahre werden sie noch kämpfen müssen.

FR-Leserin Helga Roos kann da bestens weiterhelfen. „Ich war verwundert, dass Sie mit dem Beruf der Einleisterin nix anfangen konnten – aber mit dieser Verwunderung gehöre ich wahrscheinlich doch zu Wenigen, denn der Schlappeschneider ist schon seit Jahren mein Thema.“

Schlappeschneider? Na: die weltgrößte Hausschuhfirma J. & C.A. Schneider aus Frankfurt, vor dem Zweiten Weltkrieg Sponsor der Eintracht, dann, weil jüdisch, von den Nazis vernichtet. Expertin dafür wurde Helga Roos durch die Eintracht und durch das Gallus. Mit dem Gallusprojektebüro des Sportkreises Frankfurt bereitete sie nämlich 2008 mit einer Klasse der Falkschule die preisgekrönte Ausstellung „Schlappeschneider Schlappekicker“ vor. Und eine Einleisterin, na klar, die passte Formstücke in der Form des Fußes in den Schuh ein – sogenannte Leisten. Aus einem alten Fotoalbum hat Helga Roos sogar noch Bilder des Leistenlagers vom Schlappeschneider. Den Juni-Band des „General-Anzeigers“ von 1911 schenkte bekanntlich Marlis Otto der FR. Die gebürtige Wuppertalerin, frühere Lehrerin und Bundesverdienstkreuzträgerin freut sich täglich darüber, was daraus geworden ist, und sie bekommt ebenfalls Rückmeldungen: Eine einstige Mit-Wuppertalerin („ehemalige Nachbarin und Spielfreundin meines zehn Jahre jüngeren Bruders“), heute Frankfurterin kam begeistert mit dem Zeitungsartikel vom 1. Juni und zitierte Passage um Passage. Auch eine weitere Nachbarin aus Neu-Isenburg brachte den Bericht zu Marlis Otto – die ihn natürlich längst gelesen hatte als Abonnentin seit Jahrzehnten.

Praktische Sache: ein prachtvoller Hut mit wechselbaren Elementen offenbar.

„Eigentlich bin ich mir sicher“, sagt sie, „viele Frankfurter werden wie ich (obwohl nur ,eingeplackt‘ jeden Tag mit besonderer Spannung auf die 110-Jahre-Spalte warten.“

So wie Rafaela Del Rosso, die uns von Parallelen schreibt: „Auch ich bin gebürtige Wuppertalerin, auch ich bin gefühlt schon immer FR-Abonnentin, auch ich brauche absolut die gedruckte FR!“ Und das waren noch längst nicht alle Gemeinsamkeiten. Aber erstaunlich: so viel Wuppertal am Main. Fast so verblüffend wie die Welt vor 110 Jahren. Zehn Tage lang können wir noch im Damals stöbern. Und denken Sie bloß: Es gab schon M. Schneider auf der Zeil!

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