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Einkaufen in Corona-Zeiten heißt, wie hier in Frankfurt, häufig: Schlange stehen.  

Frankfurt

Auf der Frankfurter Zeil: Shoppen im Krisenmodus

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Von Einkaufslaune ist auf der Zeil noch nichts zu spüren. Der Handelsverband Hessen befürchtet Ladensterben.

Knapp zwei Wochen, nachdem die meisten Geschäfte, wenn auch mit strengen Auflagen, wieder öffnen durften, geht es in der Frankfurter Innenstadt immer noch alles andere als normal zu. Deutlich weniger Menschen als an einem Samstagmittag vor der Krise sind auf der Zeil unterwegs. Eine junge Frau kommt, links mit einer H&M-Tüte, rechts mit einer von Zara behängt. Doch sehr wenige Passanten wirken an diesem Tag in Shoppinglaune. Zumindest das Bummeln wird den potenziellen Kunden auf der Frankfurter Einkaufsmeile in Corona-Zeiten auch nicht leicht gemacht. Vor vielen Läden heißt es, Schlange stehen. Das ist bei sehr wechselhaften Wetter, ständigen Schauern, noch unangenehmer als sonst. Und wer es schließlich hinein geschafft hat, beeilt sich besser – will er oder sie keinen Unmut erzeugen.

Auch dass die großen Textilkaufhäuser, um überhaupt öffnen zu dürfen, ihre Verkaufsfläche auf höchstens 800 Quadratmeter begrenzt haben, trägt nicht zur Einkaufsatmosphäre bei. Auch wenn etwa die Galeria Kaufhof auf einem Hinweis an einer nun geschlossenen Eingangstür versichert, dass den Kunden trotzdem das komplette Sortiment zur Verfügung stehe.

Viele Läden haben in der Krise die Öffnungszeiten reduziert, schließen um 18 statt 20 Uhr, öffnen erst um 11 Uhr. Einige Bekleidungsgeschäfte haben sogar noch immer nicht wieder aufgemacht. Dunkel bleibt es auf der Zeil etwa bei Primark, Foot Locker und Reserved. Auch der Hollister-Laden im Einkaufszentrum My Zeil ist am Samstag noch zu. Auch dort ist an diesem Samstag deutlich weniger los als vor der Krise üblich. Im Eingangsbereich wird es trotzdem voll genug, dass die Kunden einige Schwierigkeit haben, sich mit Mindestabstand aneinander vorbei ins Innere zu begeben.

Schaufensterpuppen mit Maske

Beschäftigte achten darauf, dass die Kunden Nase und Mund bedeckt haben, scheinen aber dabei nicht sehr viel zu tun zu haben. Selbst außerhalb der Läden sind inzwischen gefühlt mehr Menschen maskiert als nicht. Sogar die Schaufensterpuppen bei Karstadt Sports haben zum Jogging- oder Wanderlook ein Tuch vors Gesicht gezogen bekommen.

Der stationäre Handel hat selbst in der sehr stark frequentierten Frankfurter Innenstadt schon vor der Corona-Krise große Probleme gehabt. Schon lange reichen die Umsätze, auch wegen des seit Jahren wachsenden Onlinehandels, kaum noch aus, um die weiterhin sehr hohen Mieten an der Zeil und der Hauptwache zu zahlen. Ständig geben kleinere Geschäfte auf. In frei werdende Flächen ziehen eher Restaurant- und Kaffeehausketten als neue Läden ein. Auch Einkaufszentren wie das My Zeil haben ihre Gastronomiebereiche zuletzt kräftig erweitert.

Dass ausgerechnet die Lokale, die in den vergangenen Jahren immer stärker zur Belebung der Innenstadt beitrugen, nun höchstens noch Speisen und Getränke zum Mitnehmen verkaufen dürfen, ist am Samstag deutlich zu spüren. Zumal in der weltweiten Krise auch noch die Tages-, Wochenend- und Geschäftstouristen, die zuletzt in ständig neuer Rekordzahl nach Frankfurt kamen, nun völlig fehlen. Das trifft nicht nur die auf Touristen aus Fernost spezialisierten Läden an der Berliner Straße.

Umsätze weiterhin niedrig

Die Händler hätten sich sehr gefreut, dass sie wieder hätten öffnen dürfen, sagt Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Hessen, am Sonntag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Doch auch jetzt lägen ihre Umsätze im Schnitt immer noch 30 bis 50 Prozent unter denen sonst üblichen Summen. Den klassischen Einkaufsbummel gebe es derzeit nicht. Die Stimmung unter den Kunden sei angesichts von Kurzarbeit und drohenden Entlassungen nicht eben positiv. Hinzu kämen die in der Krise nötigen Auflagen wie das Kontaktverbot. Blieben die Umsätze so schwach, drohe ein massives Ladensterben, verödeten die Innenstädte weiter, warnt er.

Nicht nachvollziehbar findet Rohde, dass nun etwa in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg auch große Geschäfte statt auf 800 Quadratmetern wieder auf voller Fläche öffnen dürfen – in Hessen aber noch nicht. Der Handelsverband Deutschland fordert unter anderem, alle Einwohner mit „Coronaschecks“ in Höhe von 500 Euro zu bescheren, um die Kaufkraft zu stärken und so wieder mehr Geld in die Kassen zu bringen. Rohde hält es für noch wichtiger, die Händler, die in der Krise schließen müssten, direkt aus einem Entschädigungsfonds zu unterstützen.

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