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Susanne Serke (CDU), Vorsteherin des Ortsbeirats 6. am Sossenheimer Bahnhof, wo irgendwann einmal die RTW halten soll.
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Susanne Serke (CDU), Vorsteherin des Ortsbeirats 6. am Sossenheimer Bahnhof, wo irgendwann einmal die RTW halten soll.

Frankfurt

Konstruktive Zusammenarbeit in der Sache

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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CDU-Ortsvorsteherin Susanne Serke über Lebensqualität, wilde Müllablagerungen und Verkehrsplanung im Frankfurter Westen. Ende der FR-Serie.

Frau Serke, Sie haben einmal gesagt, die Lebensqualität in einer Stadt messe sich nicht alleine am Fortschritt der großen Projekte. Die alltäglichen Dinge seien genauso bedeutsam. Haben Sie das Gefühl, Ihre Botschaft ist bei den Stadtoberen angekommen?

Noch nicht in den notwendigen Maßen, leider. Die Themen Müll und Verkehr sind halt nicht spektakulär. Und es ist sicher auch schwer, gerade hier Verbesserungen zu erreichen. Aber die Stadtoberen müssten da an ihren Prioritäten arbeiten.

Was kann man denn zum Beispiel bei den wilden Sperrmüll-Ablagerungen tun?

Mir fällt da auch keine Patentlösung ein. Aber man muss doch wenigstens die Ursachen erforschen und nachdenken, was zu tun ist. Auch wenn das mühselig ist. Viele Menschen stumpfen schon ab und stellen ihr kaputtes Zeug sogar einfach dazu. Ich habe mit der Stabsstelle die Diskussion darüber geführt, dass man den Müll nicht sofort wegräumen sollte. Damit nicht der Eindruck entstehe, das gehöre zum Service dazu - die einen stellen hin und die anderen räumen weg. Aber wir können die Müllberge doch nicht einfach liegen lassen. Da läuft etwas schief.

Die Stadt hat ihre Bemühungen verstärkt.

Ja, das ist auch gut. Infostände bei Veranstaltungen, Präventionsangebote in der Schule, das ist alles richtig. Aber es trifft nur einen kleinen Teil der Zielgruppe. Mir fehlt der Willen, auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen. Gut fand ich das in der Schwanheimer Düne. Als da viel zu viele Menschen gegen die Regeln verstoßen haben und quer durch das Naturschutzgebiet gelaufen sind, hat eine Art Parkranger vor Ort das Gespräch gesucht. Vielleicht helfen auch bei anderen Themen, etwa Müll und Verkehr, nur mehr Kontrollen. Dann muss man eben mal das Geld in die Hand nehmen dafür. Es ist eine Kapitulation zu sagen, das nötige Personal sei nicht da. Dann muss man das Personal, das da ist, anders einsetzen.

Die Stadtpolizei muss aber die Maskenpflicht kontrollieren.

Natürlich ist jetzt eine besondere Situation, das steht außer Frage. Aber diese Argumente hören wir auch zu normalen Zeiten. Vielleicht müssten die Dezernenten mal über den eigenen Bereich hinaus schauen. Die Coronapandemie zeigt ja, dass man Personal durchaus flexibel einsetzen kann. Es muss nicht dauerhaft sein, man kann Schwerpunkte setzen.

Die Ortsbeiräte der Stadt sind ja auch flexibel gewesen, haben Ihr Budget als Nothilfe für Vereine angeboten. Die Idee kommt aus dem Frankfurter Westen.

Da sind wir auch ein bisschen stolz darauf. Aus dem Gedanken, dass wir den Vereinen helfen müssten, haben wir gemeinsam einen Antrag entwickelt. Der hat sich stadtweit verbreitet.

Wie viele Vereine profitieren?

Vorerst haben wir sieben Vereinen helfen können. Es hat sich gezeigt, dass wir die Hilfen doch nicht so unbürokratisch abwickeln konnten, wie wir es gewünscht und beantragt hatten. Die Stadtverordneten mussten das beschließen, die Vereine mussten ein kompliziertes Formular ausfüllen. Es hat viel Zeit gekostet, alles zu prüfen. Wir mussten auch einige Unterlagen von den Vereinen nachfordern.

Zur Person

Susanne Serke steht seit Mai 2016 dem Ortsbeirat 6 vor. Seit 2011 ist die 41-jährige Sossenheimerin für die CDU im Gremium tätig. Der Ortsbezirk 6 ist mit neun Stadtteilen und rund 130 000 Bürgern der bevölkerungsreichste der Stadt. Der Ortsbeirat vertritt die Interessen der Menschen aus Goldstein, Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach und Zeilsheim.

Die stärkste Fraktion im Ortsbeirat 6 ist die CDU mit sechs Vertretern, die SPD folgt mit fünf. Grüne, Linke und BFF stellen je zwei Mitglieder; einen Vertreter die FDP, dazu gesellt sich ein fraktionsloses Ortsbeiratsmitglied.

Die erste Sitzung im neuen Jahr ist voraussichtlich am Dienstag, 19. Januar, um 17 Uhr im Saalbau Griesheim, Schwarzerlenweg 57.

Die FR blickte mit allen 16 Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern in Frankfurt zurück auf das Jahr 2020. Die Serie endet heute.

In der Sache war sich der Ortsbeirat aber einig?

Da gab es keine Diskussionen, wir haben eine Art Ausschuss gebildet und dann parteiübergreifend entschieden. In der vergangenen Sitzung haben wir noch in einem weiteren Antrag beschlossen, dass es auch 2021 ermöglicht werden soll, das Ortsbeiratsbudget als Coronahilfe auszugeben. Das ist bislang auf 2020 begrenzt.

Nur sieben Vereine, das klingt noch nicht so ernst.

Die Unterstützung ist ja auch nur für Vereine, die durch die Folgen der Corona-Pandemie finanziell in ihrer Existenz bedroht sind. Ich glaube, viele haben es dieses Jahr noch geschafft, mit ihren Rück-lagen zu haushalten. Aber wenn weiter keine Feste möglich sind, werden sie keine Einnahmen haben. Dann wird es schwer, vor allem auch für unsere Fastnachtsvereine.

Es scheint, als wären die Tage des beschrankten Bahnübergangs an der Oeserstraße gezählt. Zumindest hat die Bahn nach dem tödlichen Unfall im Mai zugesagt, dass er durch eine Unterführung ersetzt wird. Glauben Sie noch an Zusagen der Bahn?

Es ist traurig, dass es eines tragisches Unglücks bedarf, dass es voran geht. Aber wir sind froh, dass sich etwas tut. Wobei ich da vorsichtig optimistisch bin. Die Bahn hat deutschlandweit Projekte. So wichtig das Thema für uns ist, bei der Bahn stand der Übergang bislang nicht ganz oben auf der Liste. Das hat sich nun durch das Unglück verschoben. Es gibt dennoch viele Unwägbarkeiten, die Verzögerungen bringen können. Wir müssen am Ball bleiben. Dafür hat sich ja eine sehr rührige Bürgerinitiative gegründet.

Was sind das für Unwägbarkeiten?

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling und der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Klaus Vornhusen, haben Pläne vorgestellt. Die haben manche Anwohner nicht unbedingt begeistert, weil Teile ihrer Grundstücke betroffen sind. Wenn da jemand klagt . . .

Wie ist das mit Parkplätzen? Das ist ja eines der wenigen Themen, bei denen der Ortsbeirat 6 noch in Streit gerät.

Ach, Streit. So schlimm ist es nicht. Es zeichnet unseren Ortsbeirat aus, dass wir bei allen Unterschieden in den Parteien in der Sache konstruktiv zusammenarbeiten können. Wir sind uns auch einig, dass wir eine Verkehrswende brauchen und künftig das Auto eher stehen lassen wollen. Uneins sind wir vielleicht, wie wir zu diesem Punkt kommen. Man muss ja an alle denken. Mancher ist auf sein Auto angewiesen. Wir von der CDU finden, dass man erst Alternativen schaffen muss, bevor wir das Autofahren erschweren. Also den ÖPNV ausbauen, Radwege anlegen. Andere denken, wenn es keine Parkplätze gibt und zu wenige Fahrspuren, also dauernd Stau, verzichten die Leute eher aufs Auto.

Das ist Thema beim Bildungscampus in Unterliederbach.

Nicht das einzige. Dort stellt sich auch die Frage, inwieweit wir dort auf den Korridor für die Luftzirkulation verzichten können. Einerseits braucht man dringend Wohnraum und die drei neuen Schulgebäude. Andererseits kann man nicht alle Flächen in der Stadt versiegeln. Aber natürlich geht es auch um die Autos.

Zwei Berufsschulen sollen dort hinziehen.

Erstmal sind das ja gute Nachrichten, dass ein Standort für die Schulen gefunden wurde. Aber die Anwohner leiden bereits unter dem Verkehr und nun kommen noch erwachsene Schüler aus Frankfurt und Umgebung nach Unterliederbach. Wenn wir nicht attraktive Nahverkehrsangebote schaffen und ein Verkehrskonzept entwickeln, das auch zusätzliche Parkplätze beinhaltet, endet das im Chaos. Da hilft es auch nicht, wenn von Seiten der Bildungsdezernentin und des Verkehrsdezernenten auf die Regionaltangente West verwiesen wird. Die bestimmt irgendwann kommt, aber jetzt noch nicht da ist. Wir alle hoffen sehr auf die Regionaltangente, auch ich. Aber solange sie noch nicht da ist, kann ich sie nicht als Lösung des Verkehrsproblems präsentieren.

Interview: George Grodensky

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