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Frankfurter Weißfrauenkirche erstrahlt in Originalfarben

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Von: Clemens Dörrenberg

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Kurator Thomas Kober zeigt die sanierte Weißfrauenkirche.
Kurator Thomas Kober zeigt die sanierte Weißfrauenkirche. © Monika Müller

Die Sanierung hat 270 000 Euro. Innenwände und Vorhänge wurden den Farben aus dem Baujahr 1956 nachempfunden. Zu sehen gibt es in der Kirche auch Kunst

Den Kopf in den Nacken gelegt schaut Thomas Kober nach oben. Sein Blick richtet sich zur 14 Meter hohen, leicht gewölbten Decke der Weißfrauenkirche. „In der Decke sind Schallschutzelemente verbaut, die den Nachhalleffekt absorbieren“, sagt der Kurator der Evangelischen Diakoniekirche an der Ecke Gutleut-/Weserstraße, die seit mehr als 20 Jahren auch für Kunstausstellungen, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen genutzt wird. „Für das gesprochene Wort hatten wir tatsächlich immer größere Probleme“, sagt der 59-Jährige, der an der Städelschule Kunst studiert hat.

Nun sei die Akustik deutlich verbessert worden. Dazu trägt auch die umgerüstete schallschluckende Rückwand mit unzähligen kleinen Löchern bei, die wie die Decke bläulich-lila gestaltet ist und damit dem Originalfarbton aus dem Baujahr 1956 nachempfunden wurde – eine Auflage des Denkmalamts.

Entlang der Trennwand mit den quadratischen und kreisförmigen Mustern, die den Eingangsbereich vom derzeit leeren Kirchenraum trennt, zieht Kober einen grauen Vorhang zu. Der solle ebenfalls dem besseren Klangempfinden dienen. Einen solchen Vorhang habe es auch schon vor rund 66 Jahren gegeben, berichtet Kober. Dahinter lagern neu angeschaffte Stühle und Tische für Veranstaltungen sowie die überschaubare Anzahl an Gottesdiensten, die es etwa an Heiligabend und Karfreitag gibt.

Vier Monate haben Restaurierung und Modernisierung gedauert, die die evangelische Kirche finanziert hat. Für insgesamt 270 000 Euro sind neben Klangoptimierung und Originalfarben die Seitenwände „in frischem und freundlichem Weiß“ gestrichen und die Orgel gestimmt sowie überholt worden. Auf der Empore wurde außerdem der Boden erneuert. Die Kirche, die im Untergeschoss einen Tagestreff für Obdachlose beherbergt und bislang nur über eine Treppe erreichbar war, hat außerdem mit einem Aufzug einen barrierefreien Zugang am Seitenflügel bekommen.

Besucherin Anemone Butt vom Verein „Kirche in Aktion“, die sich erstmals mit einem Begleiter umschaut, bezeichnet das neue Ambiente als „wunderschöne Mischung zwischen klassisch und modern“. Sie fragt Thomas Kober, ob der Raum gemietet werden könne. Das bestätigt der Kurator, berichtet aber auch von einer Ausstellung ab Anfang Februar mit Steinskulpturen der Bildhauerin Birgit Cauer. Zedernbaumstämme und ein Boot aus Erde sollen außerdem im Laufe des Jahres in dem großen Kirchensaal mit viel Ausstellungsfläche gezeigt werden.

Dienstags bis samstags kann die Weißfrauenkirche, Gutleutstraße 20, von 12 bis 16 Uhr unter der 2G-Regel besucht werden.

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