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Zum Ansingen schon voll: Der Frankfurter Weihnachtsmarkt.

Weihnachtsmarkt Frankfurt

Frankfurter Weihnachtsmarkt: Winner is coming

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Der Frankfurter Weihnachtsmarkt beginnt mit einem gesunden Mix aus Schlager, Pop und Chanson.

Auf den ersten Blick scheint alles wie immer auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt. Auf dem Paulsplatz stehen Stand an Stand Anbieter, die mehr oder weniger Wünschens- und Verschenkenswertes feilbieten, darunter wie üblich so manch Bizarres. In der „Hunde-Bäckerei“ etwa gibt es Adventskalender für des Menschen besten Freund. Direkt daneben, in „Schelds Backparadies“, liegen „Ausstechformen für Frankfurt am Main“ – darunter fragwürdige Motive wie Alte Oper und Römer, aber auch Dinge, die jeder sofort mit Frankfurt in Verbindung bringt, wie etwa das Dollar-Zeichen.

Ein paar Meter weiter am Räucherkegelhäuschen bittet ein nicht so wirklich knusper dreinschauender Knet-Indianer: „Lass mich die Friedenspfeife rauchen, denn Frieden können alle gut gebrauchen.“ Wir wissen nicht, für welchen Räucherkegel sich die derangierte Figur entschieden hat, aber wir tippen auf den „Räucherkegel Maxi Cannabis“, der diesen Monolith indigener Lyrik zumindest ein wenig erklären könnte. Auf dem Römerberg gibt es sogar ein „Handkäs-Fondue“ – ob zur Hessenbespaßung oder Schweizervergrämung ist nicht ganz klar.

Frankfurter Weihnachtsmarkt: Zur Ansingzeit ist es schon rappelvoll

Aber diesmal haben sich die Organisatoren auch mal was ganz anderes einfallen lassen. Zum Ansingen schicken sie diesen Advent Dana Winner in die Bütt. „Dana wer?“, werden Sie jetzt fragen, wenn sie zu denen gehören, die noch nie „schlager.de“ im Internet besucht haben. Denn dann wüssten sie, dass es sich bei Dana Winner um eine Sängerin aus Flandern handelt. Ihr Markenzeichen ist „ein gesunder Mix aus Schlager, Pop und Chanson“, der sich „in keine Schublade stecken“ lässt.

Wie immer ist es daher auch zur Ansingzeit gegen 17 Uhr der Römerberg rappelvoll. So voll, dass wenn man sich im Menschenstrom bis zum „Lebkuchen-Häusle“ Richtung Mainufer hat abtreiben lassen und die dort angebotenen „Quetschemännche“ erblickt, ihnen wie Doktor Faust zurufen möchte: „Geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir!“ Wenn man nicht wüsste, dass die Quetschemännche ihren Namen den Trockenpflaumen und nicht der räumlichen Beengtheit verdanken.

Oberbürgermeister Peter Feldmann wird beschenkt

Es ist nicht ganz klar, ob die vielen Leute wegen Dana Winner, Oberbürgermeister Peter Feldmann oder dem Bad Orber Bürgermeister Roland Weiß gekommen sind. Vielleicht auch wegen allen dreien. Weiß ist ein netter Kerl, der es Feldmann nicht übel nimmt, dass die Stadt Frankfurt heuer hauptverantwortlich für das Waldsterben in Bad Orb und um Bad Orb herum verantwortlich zeichnet. Er schenkt Feldmann dennoch eine Buddel Schnaps, eine Packung Salz und grüßt alle Bad Orberinnen und Bad Orber. Feldmann grüßt „alle, die an den einen oder den anderen glauben“, aber nicht „die, die an gar nichts mehr glauben“, aber Feldmann ist ja auch ein Stück weit Mitglied der SPD, wo der Glaube gerade eine sehr große Rolle spielt.

Dann drückt Feldmann aufs Knöpfchen, das Licht am Bad Orber Weihnachtsbaum geht an, und das Unfassbare geschieht: statt des üblichen „Krüppelkiefer“- und „Der kimmt doch aus Offebach“-Geblökes machen die Frankfurter „Aaaah“ und „Ooooh“ und rufen „Ist der schön!“ Wissen die Frankfurter nicht mehr, wie man Weihnachten auf frankfodderisch feiert? Des Rätsels Lösung erfolgt auf Nachfrage: Bei den Claqueuren handelt es sich um sogenannte Jubel-Orber, die Weiß mitgebracht hat und die mit den lokalen Bräuchen nicht vertraut sind. Dann singt Dana Winner.

Der echte Frankfurter meckert nicht über den Baum

„Schlager.de“ verrät, dass nach Dana Winner eine Tulpe benannt worden ist. Auch der Sängerin Madonna ward diese Ehre schon zuteil. Damit enden dann aber auch die Gemeinsamkeiten. Ein echter Frankfurter – es gibt ihn noch! – meckert zwar nicht über den Baum, aber immerhin über die Künstlerauswahl. „Früher war das Patrick Lindner!“, beckmessert er mit Blick auf die Sängerin, liegt aber falsch, denn Dana Winner hieß früher Chantal Vanlee, fand diesen Namen aber dann wohl zu langweilig. Sie trägt einen gesunden Mix aus Schlager, Pop und Chanson vor, und der nicht ZDF-Fernsehgarten-gestählte Besucher bereut es in diesem Moment vielleicht ein bisschen, dass er vorhin nicht doch einen Räucherkegel Maxi Cannabis gekauft hat, aber nun ist es zu spät. „Nörgler und Besserwisser bitte weitergehen!“, rät zwar ein Schild an der „Krippestubb“, aber das ist angesichts der Menschenmassen leichter gesagt als getan.

Aber was soll’s. Durch die Lüfte zieht ein gesunder, adventsgerechter Mix aus Backfisch im Bierteig, Nachos mit Käse, Nonneförz und heißem Maracuja-Wein, und eine alte Frankfurterin berichtet, dass in ihrer Bad Orberlosen Ecke des Römerbergs auch ordnungsgemäß über den Weihnachtsbaum geschimpft worden sei: Der sei „zu schepp“ und „zu derr“. Und so stellt es sich am Ende doch noch ein, das vertraute Frankfurter Weihnachtsmarktgefühl, jener gesunde Mix aus Bethmännchen im Bauch, Bienenwachs in der Nase und Krüppelkiefer im Auge, das sich in keine Schublade stecken lässt. Das ist wohl der Geist des Advent, was ja bekanntlich „Ankunft“ bedeutet – oder, wie es der genuine Frankfurter formulieren würde: „Ach komm, geh fort!“

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt

Die Öffnungszeiten bis einschließlich 22. Dezember sind montags bis samstags von 10 bis 21 Uhr. Sonntags ist von von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Adventskonzerte zur internationalen Weihnacht sind immer am Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 17.10 Uhr an der Bühne am Römerberg zu hören. Die etwa 200 Stände verteilen sich auf Mainkai, Römerberg, Paulsplatz, Liebfrauenberg bis zur Hauptwache. Rosa Weihnachten gibt es in diesem Jahr wieder am Friedrich-Stoltze-Platz. Gemeinsam Adventslieder singen können Besucher dort ab dem 1. Dezember jeden Tag um 19.30 Uhr.

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