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Frankfurter Weihnachtsmarkt: Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts

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Von: Sandra Busch

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Ab nun geht es rund auf dem Weihnachtsmarkt - nicht nur auf dem Römerberg, sondern in großen Teilen der Innenstadt.
Ab nun geht es rund auf dem Weihnachtsmarkt - nicht nur auf dem Römerberg, sondern in großen Teilen der Innenstadt. Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg hat die Amtsgeschäfte vom abgewählten OB Peter Feldmann übernommen und eröffnet den Frankfurter Weihnachtsmarkt.

Es ist 17.22 Uhr, als Weihnachtsbaum Manni erleuchtet. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) hatte mit zwei aus der Ukraine geflüchteten Kindern auf den Buzzer gedrückt und Mannis 4900 LED-Lichter angeknipst. Elektromeister Jörg Renneisen steht am Stromkasten unterhalb von Manni und schaut erleichtert nach oben. „Es hat alles geklappt“, sagt er leise. Manni leuchtet, und der Weihnachtsmarkt ist eröffnet.

207 Stände verteilen sich in diesem Jahr im Bereich zwischen Roßmarkt, Hauptwache, Friedrich-Stoltze-Platz, Liebfrauenberg, Paulsplatz, Römerberg und Mainkai. Ein Weihnachtsmarkt ganz ohne Corona-Auflagen. Thomas Feda, Chef der Tourismus und Congress GmbH, sagte bei der Eröffnung am Montagabend, er habe „Gänsehaut nach zwei Jahren, nach so langer Zeit, wieder den Weihnachtsmarkt zu eröffnen“.

Rund 5000 Leute sind dafür auf den Römerberg gekommen, schätzt Feda. Es ist auf jeden Fall voll. Auch auf der Bühne. Vorherige Stadtoberhäupter hätten ganz alleine auf der Bühne gestanden, sagte Eskandari-Grünberg, die die Amtsgeschäfte des abgewählten Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) übernommen hat. „Der Weihnachtsmarkt gehört allen Menschen und muss von allen gemeinsam eröffnet werden.“

Zwar hatte Feldmann auch schon mit Bürgerinnen den Weihnachtsmarkt eröffnet, aber nun sind etwa Vertreter:innen für Ehrenamtliche und Senior:innen, für Schüler:innen, Obdachlose, Marktbeschicker:innen und für den Rat der Religionen und die Politik auf der Bühne anwesend. Die Weihnachtszeit sei eine Zeit der Begegnungen, „in der Frieden, Solidarität und Zusammenhalt großgeschrieben werden“, sagte Eskandari-Grünberg.

Wo es in Frankfurt festlich funkelt

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt findet bis Donnerstag, 22. Dezember, auf dem Römerberg, dem Paulsplatz, dem Liebfrauenberg, dem Mainkai, der Hauptwache und dem Roßmarkt statt. Auch gibt es wieder den „Rosa Weihnachtsmarkt“ auf dem Friedrich-Stoltze-Platz. Der Weihnachtsmarkt ist montags bis samstags von 10 bis 21 Uhr, sonntags von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Ein rundes Jubiläum kann heuer der Frankfurter Künstlerweihnachtsmarkt feiern. Die 100. Ausgabe, zu der der Berufsverband Bildender Künstler:innen (BBK) einlädt, bietet vom 2. bis 22. Dezember täglich von 12 bis 20 Uhr Werke sämtlicher Stile und Genres sowie Schmuck und Kunsthandwerk in den Römerhallen. Bereits heute eröffnet in der Paulskirche die Jahresausstellung des BBK, in der 51 Künstler:innen ihre Arbeiten zeigen.

Der Weihnachtsmarkt am Goetheturm lockt bereits seit gestern mit leuchtendem Budenzauber am wiederaufgebauten Wahrzeichen der Stadt. Die Stände bieten Köstliches und Festliches bis zum 22. Dezember, montags bis freitags von 16 bis 21 Uhr, an den Wochenenden von 13 bis 22 Uhr.

Eine riesige Bembelkrippe , eine Echttier-Krippe , ein elektronischer Weihnachtsbaum und ein nostalgisches Karussell lassen sich vom 2. bis 22. Dezember auf dem Alt-Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt auf dem Paradiesplatz bestaunen. Zudem sorgen täglich von 16 bis 23 Uhr gut zehn Stände für Speis und Trank und festliches Flair.

Weitere kleinere Weihnachtsmärkte gibt es in vielen Frankfurter Stadtteilen, zum Beispiel den Nikolausmarkt der Bornheimer Vereine am 2. Dezember, 15 bis 21.30 Uhr, in der Fußgängerzone Bornheim Mitte. Oder den Weihnachtsmarkt im Nordend, der traditionell am zweiten Adventssonntag, 4. Dezember, von 13 bis 19 Uhr den Glauburgplatz mit Feststimmung erfüllt. myk/sabu

Sie sprach auch von Manni, dem Weihnachtsbaum, dessen Name sich vom alemannischen Vornamen Manfred ableitet, was Mann des Friedens bedeutet. „In einer Zeit, in der wir keinen Frieden in Europa haben“, sagte Eskandari-Grünberg. „Viele kommen zu uns, weil sie ihr Zuhause verloren haben.“ Es seien viele Menschen, die Solidarität, Frieden und ein Lächeln bräuchten. „Daher werden wir solidarisch sein und diese Menschen willkommen heißen.“ Der Weihnachtsmarkt solle ein Ort für Menschlichkeit, Begegnung, Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt sein.

Und als dann Manni leuchtet, gibt es Musik von der Schlagerband Voxxclub. Eigentlich sollte die Band schon 2020 bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes spielen, doch dann kam die Pandemie dazwischen. Nun also, zwei Jahre später, der Auftritt. Man freue sich, auf dem „Christkindelmarkt“ spielen zu können, sagt einer der Bandmitglieder. Nun, es heißt in Frankfurt zwar Weihnachtsmarkt, aber geschenkt. Die Band steht schließlich auch bei sieben Grad in kurzen Lederhosen auf der Bühne. Mit zwei Liedern wird erst einmal Stimmung für die Besucher:innen gemacht, das Publikum schwenkt eifrig Schals und Mützen mit, bevor dann Weihnachtlieder folgen.

Für Besucherin Christina Schmitt ist es eine „gute Eröffnung“, immerhin vier oder fünf hat sie bisher gesehen. Aber es sei vor allem auch eine gute, „weil Her Feldmann nicht da ist“. Das interessiert eine andere Besucherin weniger. Sie findet einfach nur „großartig, dass man wieder mit vielen Menschen zusammen auf dem Markt die Weihnachtszeit genießen kann“.

Und während zwischen Waffel- und Feuerzangenbowlestand getanzt wird, nippen andere am ersten Glühwein der Saison. Aus den diesjährigen Tassen, die auf das Jubiläum 175 Jahre Deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im nächsten Jahr verweist. Mit zwei Millionen Besucher:innen rechnet die Tourismus und Congress auf dem Weihnachtsmarkt. „Es ist ein Weckruf heute“, sagte Feda. „Denn wir feiern jetzt wieder.“

Sandra Busch

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