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Hätten mehr Hunde abgestimmt, wäre die Tierschutzpartei noch besser gewesen. Aber auch so sind 1,1 Prozent in Frankfurt ein respektables Ergebnis.
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Hätten mehr Hunde abgestimmt, wäre die Tierschutzpartei noch besser gewesen. Aber auch so sind 1,1 Prozent in Frankfurt ein respektables Ergebnis.

Bundestagswahl in Frankfurt

Frankfurter Wahlanalysen: Freie Republik Westend-Süd

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Von jungen und alten Menschen, der Briefwahl und Wanderungen der besonderen Art: Die FR stellt statistische Auffälligkeiten der Wahl in Frankfurt vor.

Bis in die frühen Morgenstunden haben die Beschäftigten im Frankfurter Bürgeramt Statistik und Wahlen gearbeitet, um die Bundestagswahl aufzubereiten. Entstanden sind daraus die „Frankfurter Wahlanalysen“, ein 45-seitiges Heft voller Zahlen zur Wahl in der Stadt, das die zuständige Dezernentin Eileen O’Sullivan (Volt) am Montag vorstellte. Die FR hat sich ein paar Besonderheiten näher angesehen.

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Briefe zu schreiben ist aus der Mode gekommen. Sagt man. Bei Wahlen sieht das ganz anders aus. Erstmals haben in Frankfurt mehr Menschen per Brief ihre Stimme abgegeben als an der Urne. 51 Prozent der 320 015 Wählerinnen und Wähler entschieden sich für diese Möglichkeit. Profitiert haben davon vor allem die Grünen und die CDU. Die Wahlbeteiligung lag in Frankfurt bei 74,4 Prozent, das ist ziemlich exakt das Niveau wie bei der Bundestagswahl 2017.

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Ach, wären doch alle Frankfurterinnen und Frankfurter älter als 70 Jahre und lebten in Nieder-Erlenbach, wird man beim Wahlverlierer CDU seufzen. Dann nämlich hätten die Christdemokraten diese Wahl gewonnen, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt. 35,6 Prozent der Generation 70 plus wählte CDU. Bei den 18- bis 24-Jährigen waren es 5,6 Prozent. Fünf-Prozent-Hürde geschafft, Glückwunsch. Mit 28,3 Prozent war die Partei in Nieder-Erlenbach besonders stark. Das Problem ist nur: Auch dort verlor die CDU noch fast acht Punkte.

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Hätten nur junge Leute das Sagen, dann hätten wir den ganzen Knatsch mit den mühsamen Koalitionsgesprächen zwischen drei Partnern nicht. Zumindest nicht, wenn die Bundestagswahl nur in Frankfurt stattgefunden hätte. Sowohl bei den 18- bis 24-Jährigen als auch bei den Menschen zwischen 25 und 34 Jahren kommen FDP und Grüne zusammen auf eine Mehrheit. Die FDP holt bei den ganz jungen Wähler:innen 20,9 Prozent und eine Altersklasse darüber 16,1 Prozent. Die Grünen streichen 35,5 (18 bis 24 Jahre) und 34,8 Prozent (25 bis 34 Jahre) ein. Omid Nouripour (Grüne) wäre Kanzler, Thorsten Lieb (FDP) Außenminister, Deborah Düring (Grüne) Umweltministerin, Frank Maiwald (FDP) ließe als Finanzminister das Herz des Aufstiegs bald schon in Berlin schlagen... Gut, werden wir wieder seriös.

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Irgendetwas müssen die Menschen im Westen Frankfurts an dieser AfD gut finden. Das war jetzt allgemein gesprochen, sehr viele Menschen in den westlichen Stadtteilen halten gar nichts von der sogenannten Alternative. Dominike Pauli etwa kommt aus Höchst, ist Fraktionschefin der Linken und war mal bei der CDU, aber gewiss nicht bei der AfD. Aber Fakt ist: Von den fünf Stadtteilen, in denen die AfD am stärksten ist, liegen vier im Ortsbezirk 6. Ganz vorne steht Sindlingen. Zeilsheim ist auch wieder dabei (Platz vier). Aber da hat die AfD 5,4 Prozentpunkte verloren. Höhere Einbußen gab es nur in Nieder-Eschbach und Bonames. An dieser Entwicklung mag der Moderator und Medienmanager Bernd Reisig seinen Anteil haben. Der wuchs in Zeilsheim auf, und nachdem die AfD bei der Bundestagswahl 2017 ihr bestes Ergebnis ausgerechnet in „seinem“ Stadtteil erzielte, lud er unter dem Motto „Zeilsheimer, wir müssen reden“ bei zwei Fässern Bier zur Aussprache über Rechtspopulismus ein. Man sieht: Reden hilft.

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Noch einmal etwas Topografie. Schauen Sie mal auf die Karte von Frankfurt. Die bunte Karte. Wo jeder Stadtteil in der Farbe der stärksten politischen Kraft eingezeichnet ist. Sehen Sie den gelben Fleck? Das ist das südliche Westend. In dem Viertel zwischen Bockenheimer Landstraße und Messe, Senckenberganlage und Mainzer Landstraße lebt es sich recht ungeniert. Man zahlt wenig Steuern, und wenn man mehr als 200 000 Euro pro Jahr verdient, sogar noch weniger. Man muss sich auch an kein Tempolimit halten, es gibt nämlich keines. Und wenn man Corona-Regeln blöd findet, darf man sie ignorieren und sich in eine Kneipe hocken, die eigentlich geschlossen sein müsste. Im südlichen Westend nämlich regiert die FDP. Mit 26,6 Prozent wurde sie dort stärkste Kraft.

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Dabei sein ist alles. Das gilt erst recht für die Bundestagswahl. Wir gratulieren deshalb auch dem Bündnis 21, das in Frankfurt den letzten Platz belegte. Exakt 72 Menschen gaben ihre Zweitstimme für das Bündnis ab. Das sind 0,0 Prozent, so steht es in den Wahlanalyen. Aber das ist gemein, nur eine Dezimalstelle mehr, und das Ergebnis hätte nicht mehr so schlimm ausgesehen. Außerdem muss man doch auch immer das Verhältnis von Aufwand und Ertrag sehen. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) hat in ganz Frankfurt Plakate aufgehängt mit der Botschaft, der Kommunismus sei die Lösung. Und was hat es gebracht? 120 Stimmen, ebenfalls 0,0 Prozent.

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Zum Abschluss schauen wir uns mal an, wo die Frankfurterinnen und Frankfurter so wandern. Im Taunus, im Stadtwald und von der Linken zu den Grünen. Das ist nämlich das Geheimnis des Erfolgs von Nouripour und seinen Leuten: 9000 Menschen, die 2017 noch die Linke gewählt haben, machten diesmal ihr Kreuz bei den Grünen. Also: Ein Viertel der einstigen Wählerinnen und Wähler der Linken haben nun die Grünen unterstützt. Das kann Janine Wissler, Direktkandidatin im Wahlkreis 182, nicht gefallen. Aber immerhin: Die städtischen Wahlforscherinnen und -forscher vermuten, dass die Linke in Frankfurt (7,0 Prozent) auch wegen Wissler viel besser abschnitt als im Bund (4,9 Prozent).

Die Wahl in den Stadtteilen
Die Altersverteilung
Frankfurter Ergebnisse

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