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Frankfurter Wachstum fürs Klima von morgen

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Von: Thomas Stillbauer

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Bunte Pracht: die Kamelien- und Azaleen-Schau.
Bunte Pracht: die Kamelien- und Azaleen-Schau. © Renate Hoyer

Der Palmengarten pflanzt einen „Klimabaum“ und zeigt zwei Blumensorten, die es dort noch nie in einer gemeinsamen Frühjahrsausstellung gab.

Die Gärtner sind nicht ganz zufrieden. Wie da fürs Foto geschippt wurde – nein, so geht’s nicht. Alles noch mal, und diesmal bitte nicht die ganze Erde am Baumstamm aufhäufen. Das mag der nämlich nicht, der Baum.

Ansonsten ist es natürlich eine prima Sache, was da am Mittwoch im Palmengarten passiert: Ein „Klimabaum“ wird gepflanzt, eine Ungarische Eiche, und zwar exakt am 151. Geburtstag des Gartens. Ein symbolischer Akt, aber nicht nur. „Wir wollen den Palmengarten noch einmal ehren“, sagt Umwelt- und Klimadezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), so wie der Jubilar ein Jahr lang geehrt wurde, mit vielen Veranstaltungen, Musik, einer großen Ausstellung und einem neuen Blüten- und Schmetterlingshaus, „und wir wollen auch etwas tun.“ Fürs Klima, für die Zukunft.

Warum die Ungarische Eiche? „Weil wir Baumarten suchen, die mit dem Klimawandel zurechtkommen.“ In der ganzen Stadt. Der Palmengarten beteiligt sich natürlich daran. Er bietet die Wurzeltiefe, die es nicht mehr so häufig gibt in Böden über Tiefgaragen und auf U-Bahnschächten, und er hat auch eine historische Verantwortung, sagt Palmengartendirektorin Katja Heubach. Mit dem Klimabaum wage der Garten einen Blick in die Zukunft. Das sei auch eine Herausforderung im Spagat zwischen den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Tradition als „Denkmal“ der Botanik. Aber der Baumbestand vor Ort, teils volle 150 Jahre alt, diene durchaus auch als Labor zur Langzeitbeobachtung, sagt Heubach: Welche Pflanze kann sich wie zu Wehr setzen gegen zunehmend lange Trockenphasen, aber auch kalte Winter?

Keine Giraffen

PROGRAMM im Palmengarten

Die Kamelien- und Azaleenschau beginnt an diesem Donnerstag in der Galerie am Palmenhaus und dauert bis zum 18. April.

Pflanzenbörse im Palmengarten ist am Wochenende, 19. und 20. März, mit grünen Raritäten, exotischen, seltenen und besonderen Pflanzen, Tipps von erfahrenen Gärtner:innen und Gelegenheit zum Kauf.

Die Jubiläumsausstellung „Frankfurts grünes Herz – 150 Jahre Palmengarten“ läuft noch bis 27. März.

Keine Angst, sagt Heubach, „wir wollen hier nicht alles in Steppe und Savanne verwandeln“ und Giraffen aus dem Zoo darauf ansiedeln, wie mitunter schon gescherzt werde. „Wir setzen alles daran, das nicht tun zu müssen. Im Grund geht es darum, Wasser zu halten.“ Im Boden. Was die Natur und ihre Zusammenhänge angeht, da habe der Palmengarten auch durchaus einen Bildungsauftrag.

Der Klimabaum ersetzt einen 140 Jahre alten Spitz-Ahorn, der voriges Jahr wegen Altersschwäche gefällt werden musste. Zugleich testen die Gärtner ein neues Tiefenbewässerungssystem. Es soll das Wurzelwachstum steuern helfen. Die Finanzierung der Ungarischen Eiche hat, wie so vieles, der Verein „Freunde des Palmengartens“ übernommen: rund 1000 Euro.

Es ist nicht der einzige bedeutsame Baum in dieser Oase im Westend, was die Hoffnung auf natürliche Widerstandskraft gegen den Klimawandel angeht. Es gibt sogar eine kleine Führung zu den „Bäumen der Zukunft“, in deren Phalanx sich etwa Rot-Ahorn, Schwarznuss und Zerr-Eiche einreihen, während die Stieleiche zu den Verliererinnen der Klimakrise zählt.

Wer will, kann die Zukunftsbäume samt Standorte in der Palmengarten-App auf dem Smartphone finden. Wer lieber Papier in der Hand hat: Das Faltblatt „Sehenswerte Gehölze“ mit 150 Einträgen auf dem Gartenplan ist neu aufgelegt – von Henrys Linde (Tilia henryana) bis Chinesischem Blumenhartriegel.

Es gibt aber auch drinnen etwas zu sehen: ein „Traumpaar im Frühling“. Erstmals präsentiert der Palmengarten Kamelien und Azaleen in einer gemeinsamen Ausstellung. Es soll eine kleine Entschädigung dafür sein, dass im vorigen Jahr wegen Corona so wenig möglich war. Die 40 großen Kameliensträucher und 150 Azaleen verschiedener Sorten, von Dominik Heukemes und seinem Team in der Galerie arrangiert, bieten ein herrlich frühlingsbuntes Bild für die kommenden Wochen.

Palmengartendirektorin Katja Heubach und der junge Klimabaum.
Palmengartendirektorin Katja Heubach und der junge Klimabaum. © Renate Hoyer

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