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Frankfurter Virologe Stürmer: „Der falsche Zeitpunkt, um Masken im Unterricht abzusetzen“

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Von: Peter Hanack

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Martin Stürmer ist 53und leitet ein Medizinlabor im Frankfurter Gutleutviertel. Er ist Facharzt für Mikrobiologie und Lehrbeauftragter am Institut für medizinische Virologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Seit Omikron habe er eine Siebentagewoche und höchstens fünf Stunden Schlaf, sagt er.
Martin Stürmer ist 53 und leitet ein Medizinlabor im Frankfurter Gutleutviertel. Er ist Facharzt für Mikrobiologie und Lehrbeauftragter am Institut für medizinische Virologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Seit Omikron habe er eine Siebentagewoche und höchstens fünf Stunden Schlaf, sagt er. © Peter Jülich

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer erwartet viele Ansteckungen mit Corona. Zum einen, weil die Maskenpflicht wegfällt, zum anderen aufgrund einer neuen Variante. Und es gibt noch einen Grund.

Herr Stürmer, tut man den Kindern und Jugendlichen mit der Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ab dem 7. März etwas Gutes?

Es ist eine ganz schwierige Diskussion, die wir seit Beginn der Pandemie führen: Kann man den Kindern zumuten, Masken zu tragen? Sind Mimik und Interaktion gerade im Unterricht gestört, ist es gesundheitlich schädlich oder eine einfache, sehr wirksame Möglichkeit, sich vor einer Corona-Infektion zu schützen? Die Absicht, den Kindern mit der Abschaffung der Pflicht zum Tragen der Masken etwas Gutes tun zu wollen, ist darum ja sicher berechtigt. Das sollte tatsächlich möglichst schnell geschehen, ich bin aber der Ansicht, dass wir das nicht an ein festes Datum knüpfen dürfen.

Woran soll man es knüpfen?

Wir müssen das an Infektionszahlen festmachen. Im Augenblick haben wir zwar zurückgehende, aber immer noch sehr hohe Ansteckungszahlen, mehr als 200 000 sind es täglich in Deutschland. Ich denke nicht, dass das bis 7. März so viel besser werden wird. Die Maskenpflicht sollte man dann abschaffen, wenn die Zahlen über mehrere Tage hin tatsächlich niedrig sind. Die Masken haben sich als einfachster und sehr effektiver Schutz bewährt. Ich würde die Pflicht zum Tragen jetzt noch nicht abschaffen.

Maskenpflicht fällt zu früh? Virologe aus Frankfurt nennt besseren Zeitpunkt

Wann wäre der Zeitpunkt voraussichtlich gekommen?

Es wird Ende März, Anfang April ja deutlich wärmer. Ich denke, dann sind die Zahlen auch wirklich so weit gesunken, dass eine Ansteckung immer unwahrscheinlicher wird und auch das Lüften wird wieder deutlich angenehmer.

Maske in Schule und Unterricht

Am Montag, 7. März , entfällt an Hessens Schulen die Pflicht zum Tragen einer Maske am Platz im Unterricht. Dies gilt gleichermaßen für alle Jahrgangsstufen und Schulformen.

Die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske bleibt bestehen, wenn Schüler oder Schülerinnen sich nicht an ihrem Sitzplatz befinden. Dies gilt beispielsweise auf den Fluren oder beim Anstehen am Schulkiosk.

Freiwillig kann auch weiterhin eine Maske getragen werden.

Wer die Maske etwa auf dem Schulflur ohne triftigen Grund ablegt und trotz Ermahnung nicht wieder anlegt, muss in letzter Konsequenz die Schule verlassen.

Beim Schulsport gibt es keine Maskenpflicht. Dort sollen die Klassen in kleinen Gruppen üben oder spielen, möglichst verteilt auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle. Die Gruppen dürfen sich dort nicht mischen. In den Umkleiden gilt wieder die Maskenpflicht.

Im Musikunterricht darf gesungen werden, auch das Spielen von Blasinstrumenten ist möglich, beides natürlich ohne Maske. Dabei ist ein Mindestabstand von drei (singen) beziehungsweise zweieinhalb Metern (Blasinstrumente spielen) einzuhalten. Nach 30 Minuten muss gelüftet werden. pgh

Corona: Virologe aus Frankfurt sieht Spannungspotenzial bei Masken im Unterricht

Würden Sie empfehlen, die Masken bis dahin freiwillig weiter zu tragen?

Aus virologischer Sicht ist das sicher vernünftig. Man muss aber auch das soziale Verhältnis in der Schule, in den Klassenräumen beachten. Das ist ja weniger virologisch, sondern eher psychologisch. Es könnte ja sein, dass jene gehänselt werden, die noch Maske tragen, oder die, die sie absetzen. Das hat ein gewaltiges soziales Spannungspotenzial.

Wäre es sinnvoll, die Freigabe nach Jahrgangsstufen zu differenzieren?

Das Risiko, sich in einem geschlossenen Raum zu infizieren, ist für alle das gleiche. Dem Virus ist es egal, ob es einen Sechs- oder einen 16-Jährigen infiziert. Aber natürlich kann sich der 16-Jährige durch sein Verhalten und das Impfen sicher besser schützen als der Sechsjährige. Dennoch würde ich bei der Maskenpflicht im Unterricht nicht nach Alter unterscheiden. Ein Unterscheidungskriterium wäre eher, ob alle in einer Klasse geimpft sind oder nicht.

Die ganze Zeit mit Maske sprechen, das ist auch anstrengend.
Die ganze Zeit mit Maske sprechen, das ist auch anstrengend. © AFP

Virologe aus Frankfurt rechnet nach Fasching mit Anstieg der Corona-Infektionen

Jetzt ist gerade die Fastnacht vorüber und es hat im privaten Rahmen und Vereinen trotz des Kriegs in der Ukraine durchaus gemeinsame Feiern gegeben. Am nächsten Montag entfällt dann die Maskenpflicht. Was erwarten Sie?

Unabhängig von Corona weiß man, dass ein bis zwei Wochen nach der Faschingszeit die Infektionszahlen mit Erkältungsviren ansteigen. Das ist nichts Ungewöhnliches und nicht neu. Ich rechne damit, dass wir bei Corona noch mal einen deutlichen Anstieg bekommen werden. Das ist definitiv der falsche Zeitpunkt, um die Masken im Unterricht abzusetzen. Zumal sich ja gerade mit BA.2 eine Omikronvariante ausbreitet, die nach bisherigen Kenntnissen noch ansteckender ist.

Für die Schulen heißt das?

Dass dort die Ansteckungszahlen ebenfalls noch einmal deutlich nach oben gehen werden. (Interview: Peter Hanack)

Siehe Laute Kritik: Die Maskenpflicht entfällt vielen zu früh

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