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Enge Beziehung: Puschan Mousavi Malvani und seine Geige.

Konzerte

Konzertreihe des Frankfurter Violinisten Puschan Mousavi Malvani  

Puschan Mousavi Malvani erklärt in einer neuen Konzertreihe bekannte Komponisten.

Man erkennt ihn schon von Weitem: Seine wilde Mähne macht den Frankfurter Violinisten Puschan Mousavi Malvani unverwechselbar. Mit diesem Markenzeichen würde er dem Marketing der Klassik entsprechen, obwohl er dagegen ist, dass heute Musik so sehr auf die Künstler fokussiert wird. In seiner neuen Konzertreihe Klassik-Krise erzählt der 32-Jährige, was die Musik, um die es doch eigentlich gehen sollte, für ihn so besonders macht.

Man müsse sich bereits sehr früh spezialisieren, um Erfolg zu haben, erzählt der gebürtige Frankfurter. Schon seit seiner frühen Kindheit ist die Klassik im Leben des Geigers präsent. Seine vier Jahre ältere Schwester brachte den dreieinhalbjährigen Puschan dazu, mit ihr Blockflöte zu lernen. „Ich konnte relativ schnell Noten lesen“, sagt er. Schnell lernte er Gitarre, fing mit Klavier an, bis er schließlich zur Geige kam. Noch heute spielt er gelegentlich Klavier. Ein halbes Jahr lang musste er seine Eltern, beide Ärzte, überreden, bis er schließlich Geigenunterricht nehmen durfte.

Sein Ehrgeiz alleine zwang ihn zum Üben. „Wenn ich das Gefühl hatte, dass ich etwas nicht kann, habe ich die Schule geschwänzt und Geige geübt“, berichtet Malvani. Der junge Puschan war fest davon überzeugt, sechs Stunden am Tag üben zu müssen, und vernachlässigte die Schule. Da half nur ein Notfall-Stundenplan mit Übeverbot.

Lange blieb Malvani nicht auf seinem Gymnasium. Bereits nach der zehnten Klasse begann der damals 16-Jährige ein Hochbegabtenstudium an der Hochschule für Musik in Mainz. Weitere Stationen waren für ihn die Hochschule der Künste in Berlin und die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt.

Nach dem Studium musste der Geiger lernen, dass es nicht so einfach ist, sich als Musiker eine Karriere aufzubauen. „Meine größte Krise hatte ich mit 26, als ich plötzlich ausstudiert hatte.“ Mit Ende Zwanzig hat er seine Haare lang wachsen lassen. „Davor wollte ich immer einen typischen Männerkurzhaarschnitt, das ging bei meinen Haaren nur sehr schlecht“, sagt er. Es habe ihn viel Überwindung gekostet, die Haare lang wachsen zu lassen. Letztlich gehe es doch darum, man selbst zu sein, unabhängig davon, was andere denken.

Auf die Frage, ob auch bei der Klassik Erfolg und Aussehen zusammenhängen, kritisiert er, welche Rolle Klassikmusiker heute spielen müssen. „Fatal ist, dass es nur noch um die Person geht.“ Heute setze man Musiker auf die CD-Cover statt die Namen der Komponisten. Dabei stünde der Interpret doch unter dem Komponisten. „Wenn die Leute applaudieren, dann applaudieren sie nicht mir, sondern dafür, dass ich beispielsweise Schubert so gut erklärt habe“, meint Malvani.

Überhaupt denke man heute zu wenig an den Komponisten. „Dann wird das Vibrato so gespielt, wie es schöner klingt, und nicht, wie es der Musik entsprechen würde.“ Für ihn ist das eine Krise. Auch zwischen den Komponisten werde kaum noch differenziert. „Ich möchte meinem Publikum konkret zeigen, was ich an Schubert oder Mozart besonders finde.“

Bei seiner neuen Konzertreihe Klassik-Krise geht Puschan Malvani bewusst auf die Bedeutung der Werke ein und spricht direkt mit seinem Publikum. „Das muss ich sogar, weil es kein Programmheft gibt“, sagt Malvani. Hier möchte er die ganze Geschichte der Klassik erzählen. „Ich habe Glück, dass mein Mann Germanist ist. So bin ich immer von Büchern umgeben“, sagt er. Zu seiner großen Leidenschaft gehören vor allem Sachbücher.

Mittlerweile probiert Malvani öfter einen Tag Pause vom Üben zu machen. „Es ist wie eine Sucht, die man so langsam bekämpft.“ Ganz schafft Malvani nicht von seiner Sucht loszukommen und mogelt, indem er statt Geige Klavier übt.

Klassik-Krise

Puschan Mousavi Malvani nennt seine Konzertreihe „Klassik -Krise“. Was der Geiger so außergewöhnlich an den Komponisten der Klassik findet, erklärt er zu den einzelnen Stücken, die er vorspielt. Die Konzerte beginnen jeweils samstags um 20 Uhr, das erste Mal am heutigen Samstagabend.

23. Februar: „Frankfurter Helden treffen“ – Malvani spielt Stücke von Telemann, Paganini, Bach und weiteren Komponisten mit Frankfurt-Bezug.

16. März: „Der spanische Paganini“ – hier tritt Malvani zusammen mit der Pianistin Despina Apostolou auf. Gespielt werden spanische Werke wie die Symphonie Espanola des französischen Komponisten Édouard Lalo.

Weitere Termine sind am 13. April, 18. Mai und 15. Juni.

Der Eintritt für Besucher unter 25 Jahren ist frei, für alle anderen kosten Karten 15 Euro (10 Euro ermäßigt). Die Karten sind an der Abendkasse erhältlich. Ort der Konzertreihe ist der Kunstverein Familie Montez in der Honsellstraße 7 im Frankfurter Ostend. Der Einlass beginnt um 19 Uhr. „Paganini hat eine Zeit in Frankfurt gelebt, wir erzählen die Geschichte europäisch weiter. Und sprechen über den spanischen Paganini oder den französichen“, sagt Malvani. prls

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