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Der 68 Jahre alte Frankfurter CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein hat nicht vor, vorzeitig aufzuhören.

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Frankfurt: CDU vor der Verjüngung

Die Frankfurter CDU bereitet den Übergang an Fraktionsspitze vor - aber nicht abrupt.

Mit dem Alter kommt die Weisheit, heißt es, und die ist bei der Frankfurter CDU in diesen Tagen gefragt. Das Dreierbündnis aus CDU, SPD und Grünen im Römer ist leicht aus den Fugen geraten, weil der langjährige Fraktionschef der Grünen, Manuel Stock, nach Wiesbaden wechselt. Er wird ab Februar Büroleiter der hessischen Wissenschaftsministerin Angela Dorn.

Der 68 Jahre alte Frankfurter CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein muss mit SPD-Fraktionschefin Ursula Busch und jemandem, den er nicht gut kennt, verhandeln. „Erfahrung zählt in diesem Zusammenhang viel“, sagt der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider. Gerüchte, wonach zu Löwenstein nicht mehr allzu lange Fraktionschef bleiben und den Platz für einen Jüngeren freimachen wird, will er nicht kommentieren. „An Personalspekulationen beteilige ich mich nicht.“

Klar ist aber auch: Die CDU bereitet allmählich den Übergang an der Fraktionsspitze vor, spätestens zum Ende der Legislatur 2021. Zu Löwenstein wiederum hat nicht vor, vorzeitig aufzuhören. „68 ist kein Alter. Ich betrachte mich selbst als jungen Mann“, sagt er. Seit 2012 führt er die CDU-Fraktion und hat sich einen Ruf als eiserner Haushaltspolitiker erarbeitet. In der Verkehrspolitik gilt der Alltagsradler als Kritiker einer Verkehrswende, die Radfahrern gleichberechtigten Raum an Hauptstraßen einräumen würde. Auf den Passus im Koalitionsvertrag, dass auf Hauptstraßen in Frankfurt Tempo 50 zu gelten hat, legt er großen Wert.

Frankfurt: CDU lag bei Landtagswahl hinter den Grünen

Gleichzeitig heißt es, die Jungen sollen sich beweisen, auch in der CDU. Zum Beispiel leitet die 28-Jährige Ann-Kristin Müller seit Kurzem die Kreisgeschäftsstelle, wirbt um neue Mitglieder und organisiert den Europawahlkampf mit. „Wir haben schon viel Jugendlichkeit in der Partei“, sagt Löwenstein, und verweist auf den 37 Jahre alten Kreisvorsitzenden Jan Schneider und dessen „jugendliche Frische“. Bis zum Ende der Legislatur sei er gewählt, sagt zu Löwenstein, über die Zeit danach mache er keine Angaben. Er lässt aber durchblicken, dass ein Mann seiner geistigen Schärfe sich nicht so leicht aufs Altenteil abschieben lassen will. Sonst wäre der geborene Prinz 2017 auch nicht parteiintern als Bundestagskandidat in der Nachfolge von Erika Steinbach angetreten. Er verlor in einer Kampfabstimmung gegen Bettina Wiesmann.

Eine persönliche Niederlage, die sich in weitere Niederlagen der Frankfurter CDU einreiht. Bei der Landtagswahl 2018 lag die Partei in Frankfurt auf dem zweiten Platz hinter den Grünen. Die Oberbürgermeisterwahl 2018 in der fünftgrößten deutschen Stadt verlor CDU-Kandidatin Bernadette Weyland krachend gegen SPD-Amtsinhaber Peter Feldmann. Bei der Europawahl 2014 landete die CDU in der Stadt mit etwa 26 Prozent hinter der SPD. Die Kommunalwahl 2016 entschied die CDU in Frankfurt hingegen für sich.

Für die Europawahl am 26. Mai habe sich die Partei vorgenommen, „wieder die stärkste Kraft zu werden“, sagt Schneider. Für die 42 Jahre alte Frankfurter Kandidatin Verena David rechnet er mit „Platz zwei oder drei“ auf der Landesliste. Diese wird auf dem Landesparteitag am 16. Februar bestimmt. Voraussichtlich haben nur die ersten beiden Kandidaten eine Chance.

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