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Bernd Schmude aus Frankfurt kämpft gegen den Krebs – mit Optimismus und Willenskraft.

Porträt der Woche

Verein „Stark gegen Krebs“: Bernd Schmude aus Frankfurt ermutigt Kranke zum Weiterleben

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Wer an Krebs erkrankt, soll sein Schicksal annehmen und es aktiv gestalten: Diese Botschaft zog der Frankfurter Bernd Schmude aus seiner eigenen Geschichte.

  • Bernd Schmude aus Frankfurt war 27 Jahre Betriebsarzt bei der Vaccumschmelze in Hanau
  • Im Jahr 2013 gründete der pensionierte Mediziner den Verein „Stark gegen Krebs“
  • Ziel des Vereins ist es, mit Vorträgen, Filmen und Theateraufführungen Krebs-Kranke zu ermutigen

Frankfurt - Bernd Schmude erinnert sich noch sehr gut an jene Worte, die sein Leben für immer verändern sollten: „Ich sehe auf deinem Oberkörper nur Schatten.“ Diese Schatten sieht Schmude und sein behandelnder Arzt auf einem Röntgenbild. Schmude ist 47 Jahre alt, als ihm die Ärzte diagnostizieren, dass er unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt sei. „Die Schatten“, sagt Schmude, „waren geschwollene Lymphen, der ganze Oberkörper voll damit.“ Die Ärzte geben ihm eine Restlebenszeit von drei Jahren. Über 21 Jahre ist dieser Tag nun her.

Schmude sitzt in seinem Haus in Höchst im Wohnzimmer auf dem Sofa. Hinter ihm steht ein Bücherregal, dass die ganze Wand einnimmt. Dass der heute 67-Jährige schwer an Krebs erkankte, ist ihm nicht anzusehen. Er wirkt so fit, als würde er dreimal in der Woche Sport machen.

„Stark gegen Krebs“: Bernd Schmude gründete den Verein 2013

Im Jahr 2013 gründete der pensionierte Mediziner den Verein „Stark gegen Krebs“. Ziel des Vereins ist es, mit Vorträgen, Filmen, Beratungen und Theateraufführungen krebskranke Menschen zu ermutigen, das eigene Schicksal trotz der Erkrankung als lebenswert anzunehmen und es weiterhin aktiv zu gestalten. Schmude setzte nach der Krebsdiagnose alles daran, um zu überleben: Chemotherapien, Rückfall, Hochdosis-Chemotherapie, Stammzellentransplantation, Bestrahlung. Er glaubt fest an die Heilung und das Überleben – und schafft es. Diese Geschichte erzählt Schmude wieder und immer wieder auf seinen Vorträgen, die ihn durch die ganze Bundesrepublik führen. „Ich sage den Leuten, dass ein Arzt sie allein nicht heilen kann, der Kopf heilt sie.“

In seinen Vorträgen betont Schmude wie wichtig es sei, bei Gesprächen mit Ärzten eine Vertrauensperson an der Seite zu haben, ob eine gute Freundin oder ein Bekannter. Unklarheiten oder offene Fragen sollten immer gleich angesprochen werden. „Familienangehörige oder Ehepartner sind oft selbst von der Diagnose sehr betroffen und blockiert. Sie brauchen jemanden, der zuhört“, sagt Schmude. Dafür hat er eine Beratungshotline eingerichtet, wo er Betroffenen Hilfe und mentale Unterstützung anbietet.

Der 67-jährige Frankfurter weiß schließlich nicht nur aus eigener Erfahrung, wovon er redet, er ist auch Mediziner. Doch bevor er seine Berufung findet, dauert es. Nach seinem Realschulabschluss beginnt er 1968 bei den Farbwerken Höchst eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Drei Jahre später macht er sein Abitur am Abendgymnasium. Weil er keine Lust hat, zur Bundeswehr zu gehen, arbeitet er als Zivildienstleistender für den Katastrophenschutz. Dort entwickelt sich sein Interesse für die Medizin. Er rackert sich während des Studiums ab, denn er muss nebenher viel arbeiten, um über die Runden zu kommen. „Ich bin kein privilegiertes Kind gewesen. Ich habe mir alles hart erarbeitet“, erzählt er. Genau diese Erfahrungen, dieser Wille sorgen dafür, dass Schmude sein Leben wertschätzt, das, was er sich selbst erarbeitet hat.

Bernd Schmude: Optimistische Einstellung soll gegen Krebs helfen 

Diese optimistische Einstellung sorgt unter anderem dafür, dass er heute noch lebt. „Ich sage den Leuten immer, dass eine positive Lebenseinstellung den Überlebenswillen ankurbelt.“ Die Psyche sei entscheidend für das Heilverfahren. „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass eine positive Lebenseinstellung und Optimismus die Abwehrzellen und das Immunsystem stärken“, sagt Schmude.

Dazu gehöre aber auch eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse. „Aber man sollte nicht auf etwas verzichten müssen. Wer gern rotes Fleisch isst, der soll es essen. Es geht nicht um Verzicht. Es geht darum, Lust auf das Essen zu haben, sonst entstehen negative Gedanken und die beeinflussen wiederum unser Immunsystem.“

Bernd Schmude über Krebs: „Das Leben ist viel zu spannend, um nichts zu tun.“

Für Schmude zählt das Positive. „Wenn es mir gutgeht, dann geht es auch meiner Familie gut.“ Er nennt das „positiven Egoismus“. Der Frankfurter hatte stets Spaß an seiner Arbeit oder wie er sagt: „Ich habe nie gearbeitet“. Doch sein Beruf als Arzt war nur eine von vielen Tätigkeiten in seinem Leben.

„Ich hätte meinen Berufsweg auch in der Kunstbranche gefunden, aber dann wurde es doch die Medizin.“ Schmude ist leidenschaftlicher Maler und stellte früher unter anderem auch Lederhandtaschen her. Außerdem hat er ein Faible für das Theater. Er spielte Theater, schrieb Theaterstücke für die Höchster Bühnen, das er später auch übernahm. Außerdem ist Schmude ausgebildeter Pantomimendarsteller und Zauberer.

Aber das soll es noch nicht gewesen ein. Er habe noch einiges vor in seinem Leben. Als Nächstes will er lernen, ein Instrument zu spielen, und er will ein Buch schreiben. „Das Leben ist viel zu spannend, um nichts zu tun.“

„Stark gegen Krebs“: Verein ist auf Spenden angewiesen

Schmude, der 27 Jahre leitender Betriebsarzt bei der Vaccumschmelze in Hanau war, leitet seinen Verein „Stark gegen Krebs“ ehrenamtlich, ist auf Spenden angewiesen. Bisher hat er 128 000 Euro an Spenden gesammelt, die er wiederum an karitative Einrichtungen gespendet hat. Dazu zählen unter anderem das ambulante Kinderhospiz in Frankfurt und Hanau, die Palliativstation der Frankfurter Uniklinik, das Onkologische Patientencafé des Höchster Klinikums oder der Verein für krebskranke Kinder Frankfurt. Schmude sagt, dass er Arzt geworden sei, weil er den Menschen helfen wolle. „Ich möchte etwas Positives zurückgeben.“

Weitere Informationen zum Verein „Stark gegen Krebs“ finden Sie auf der Webseite www.starkgegenkrebs.de. Der Verein bietet für Betroffene und deren Angehörige eine Beratungshotline an unter 069/12 01 84 94.

Gesundheits-Messe in Frankfurt

  • „Gesund leben“ ist der Titel der Messe am 29. Februar und 1. März jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Jahrhunderthalle Frankfurt. 
  • Neben 60 Expertenvorträgen gibt es auch noch 16 Stunden Fitnessprogramm und 80 Aussteller, die Informationen und kostenfreie Gesundheits-Checks bieten. 
  • Der Eintritt an der Tageskasse kostet sechs Euro, ermäßigt vier. Im Online-Vorverkauf je einen Euro günstiger.
  • www.gesundleben-messe.de

Von Stefan Simon

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