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Die Zahl der Patientinnen und Patienten auf den hessischen Intensivstationen hat sich bei um die 300 eingependelt, sagt Jürgen Graf, Chef der Frankfurter Uniklinik.
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Die Zahl der Patientinnen und Patienten auf den hessischen Intensivstationen hat sich bei um die 300 eingependelt, sagt Jürgen Graf, Chef der Frankfurter Uniklinik.

Corona-Pandemie

Frankfurter Uniklinikchef: „Sind weit weg von regulärem Betrieb“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Jürgen Graf, ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, sieht die Situation aktuell unter Kontrolle, rechnet aber ab Januar mit einer Omikron-Welle.

Angesichts der aktuellen Entwicklung der Corona-Zahlen zeigt sich Jürgen Graf, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt, relativ entspannt. „Vor vier Wochen haben wir die Situation deutlich kritischer gesehen als jetzt“, sagt er. In den vergangenen zehn Tagen habe die Infektionswelle „beruhigend abgenommen“, die Zahl der Intensivpatientinnen und -patienten in Hessen habe sich irgendwo um die 300 eingependelt.

Am Mittwoch waren laut den Daten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 287 Betten in Hessen mit erwachsenen Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt, von denen 150 beatmet wurden. Dem hessischen Sozialministerium zufolge lag die Hospitalisierungsinzidenz, also die Zahl der Neuaufnahmen von Covid-19-Patientinnen und -Patienten in Krankenhäusern pro 100 000 Einwohner:innen binnen sieben Tagen, bei 4,7. Eine Woche zuvor hatte der Wert bei 4,53 gelegen.

„Das ist ein Zustand, mit dem wir – gemessen am vergangenen Jahr – recht gut zurechtkommen“, so Graf. Man habe inzwischen Mechanismen etabliert, um Versorgungsgebiete mit überproportional hohen Patientenzahlen entlasten zu können, wie es momentan in Südhessen der Fall sei. „Ich denke, dass wir bis zu den Heiligen Drei Königen am 6. Januar, so wie wir jetzt aufgestellt sind, zurechtkommen“, sagt Graf.

Die Stagnation der Bettenbelegung führt er auf zwei Faktoren zurück: Zum einen hätten normalstationäre Patientinnen und Patienten aktuell keine so lange Liegedauer mehr, weil die Medizinerinnen und Mediziner inzwischen schneller reagieren und so besser zu einem leichten Verlauf beitragen könnten.

„Zum anderen gibt es in der Intensivmedizin sehr, sehr viele sehr schwere Verläufe mit einer hohen Sterblichkeit, viele sind ungeimpft. Wenn so viele versterben, wie an neuen Patientinnen und Patienten dazukommen, sorgt das für einen Steady state, einen Gleichgewichtszustand“, so Graf, der auch betont: „Das ist natürlich ein dramatischer Befund.“

Auch dürfe die Einschätzung, dass mit der aktuellen Lage umgegangen werden könne, nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die jetzige Situation schon zu weitreichenden Einschränkungen führe. „Wir sind weit entfernt von einem regulären Medizinbetrieb“, sagt Graf. Elektive Eingriffe, also Operationen, die nicht unaufschiebbar sind, würden seit Beginn der Pandemie immer wieder verschoben. Auch gebe es erhebliche Krankenstände über alle Berufsgruppierungen in der Klinik, was Graf zum einen auf eine Erkältungswelle, zum anderen aber auch auf die Dauerbelastung des Personals in den vergangenen 22 Monaten zurückführt. Das mache sich bei der Frage nach Kapazitäten bemerkbar.

Angesprochen auf den Pflegenotstand sagt Graf, es gebe am Universitätsklinikum bisher keine Anhaltspunkte, dass die Fluktuation wesentlich höher sei als sonst. Die Wechselquote betrage in der Regel um die zehn Prozent. Gemessen an der Bettenzahl gebe es zu wenig Pflegepersonal, „aber wir haben keinen überproportional hohen Verlust an Personal“. Allerdings reduzierten einige Pflegekräfte ihre Arbeitszeit.

In Bezug auf Omikron sei es schwierig, Prognosen zu treffen. Es gebe bereits jetzt vergleichsweise viele Mutationen und die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass Omikron Delta als die vorherrschende Variante ablösen werde. „Im Januar werden wir vermehrt Omikron haben. Was wir nicht genau wissen, ist, was das biologisch macht und was das medizinisch heißt. Wie die Krankheitsverläufe aussehen werden, können wir momentan noch nicht sicher sagen“, so Graf.

Das Universitätsklinikum habe Szenarien erarbeitet. „Wir wissen, wie wir strukturiert damit umgehen, wenn es zu Engpässen kommen sollte.“ Momentan bleibe es aber bei einer Sieben-Tage-Betrachtung. Um zu vermeiden, dass Omikron über Externe in die Klinik gelange, seien die Besucherströme „radikal eingeschränkt“ worden.

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